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Sehnde Keramische Hütte: Aufräumen hat begonnen
Umland Sehnde Keramische Hütte: Aufräumen hat begonnen
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15:44 27.01.2019
Noch immer liegen viele Autoreifen auf dem Gelände.
Noch immer liegen viele Autoreifen auf dem Gelände. Quelle: Oliver Kühn
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Sehnde

Lange gab es Stillstand bei der Entwicklung der Industriebrache der Keramischen Hütte. Jetzt scheint auf dem Gelände an der B65 Bewegung in die Sache zu kommen: Die Aufräumarbeiten in der ehemaligen Ziegelei, die frühere Pächter teils desolat hinterlassen haben, haben begonnen. Das begrüßt auch die Feuerwehr, denn die Brandlast ist durch die Altlasten auf dem Areal und in den Hallen besonders groß. Zudem ist das Gelände an einer Seite frei zugänglich. Im vergangenen Jahr hat es bereits vier Brandstiftungen gegeben, bei denen teils auch Feuerwehrleute verletzt wurden.

Einige Hallen sehen wie Messi-Bunker aus. Quelle: Oliver Kühn

Bis Ende des Monats wollen die vorherigen Pächter Gerümpel und Schrott beseitigt haben, sagt Investor und Architekt Massoud Saadat von der Europaplanprojekt GmbH, die dort das Wohnbauprojekt „Wohnpark Keramische Hütte“ verwirklichen will. Bislang sei er mit dem Fortschritt noch nicht zufrieden, doch immerhin sei die Angelegenheit auf einem guten Weg. Oft seien auch von Unbekannten die Schlösser der Umzäunung geknackt worden – und manchmal vergäßen die Vormieter offenbar, das Gitter des Haupttores zur B 65 hin zu schließen.

Das alarmiert auch immer wieder Bürger, die dann bei der Stadt anrufen. Ein Zeuge hatte angegeben, dort vor einem Feuer spielende Kinder beobachtet zu haben. Doch Gefahr sei derzeit nicht im Verzug, sagt Bianca Frey, Leiterin des Fachdienstes Ordnung und Recht bei der Stadt: „Wir sehen keine Handhabe für Auflagen im Rahmen der Gefahrenabwehr.“ Dafür habe auch die Bauaufsicht der Region keinen Grund gesehen, zumal der jetzige Eigentümer sehr um eine Räumung bemüht sei. Auch vom noch vorhandenen Material ginge keine Gefahr aus. Offene Ölfässer wie in der Vergangenheit seien dort nicht mehr zu finden. Bei der letzten Besichtigung vor Weihnachten seien auch noch alle Tore verschlossen gewesen. Die Abwägung, wann man als Kommune in die Privatsphäre eingreife, sei zudem immer eine Gratwanderung.

Der Seiteneingang ist frei zugänglich. Quelle: Oliver Kühn

Auch Sehdnes Stadtbrandmeister Jochen Köpfer spricht davon, dass die Vorbesitzer „verbrannte Erde“ hinterlassen haben. „Das sieht aus wie bei den Ludolfs“, sagt Köpfer und spielt damit auf die Kultserie über vier Brüder auf einem Schrottplatz an. Diese hätten jedoch noch eine gewisse Ordnung im Chaos gehabt. Die Industriebrache der ehemaligen Ziegelei dagegen sei voll mit Gerümpel und Müll, aber auch alte Spraydosen lägen herum.

„Das ist eine hohe Brandlast und für die Einsatzkräfte gefährlich“, sagt Köpfer. Dreimal seien Mitglieder von Feuerwehren etwa bei Stürzen verletzt worden. Im April 2018 brannten Gerümpel, Holz und alte Autoreifen. im Juli fackelte ein Gabelstapler ab, im Oktober alte Autoreifen, und im November brannte ein Wohnwagen. Alle Brände waren nach Angaben der Polizei vorsätzlich gelegt worden.

Die Hallen sind zum Teil schon weitgehend leer geräumt. Quelle: Oliver Kühn

Die Situation auf dem Gelände sei ärgerlich, denn derzeit gleiche es einem großen Abenteuerspielplatz. Aber für eine Zwangsräumung gebe es kein öffentliches Interesse und keine rechtliche Handhabe, so schätzt es auch Köpfer ein. Das Gelände sei eingezäunt, wer es betrete, begehe zudem Hausfriedensbruch. Zum Glück gebe es keine direkten Nachbarn, eine Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe nicht. Anders sei dies etwa beim ehemaligen Reiterhof in Köthenwald ebenfalls an der B 65 gewesen. Dieser sei einsturzgefährdet gewesen und drohte auf die Straße zu kippen und hätte deshalb von der Stadt zur Gefahrenabwehr in Vorleistung abgerissen werden müssen.

Bebauungsplan liegt öffentlich aus

Mit dem Bebauungsplan 319 „Wohnpark Keramische Hütte“ will die Stadt Wohnbebauung verwirklichen. Nach dem Entwurf von Architekt Masoud Saadat sollen dort deutlich mehr als 100 Wohneinheiten entstehen, 16 Reihenhäuser, ein dreigeschossiges sowie sieben viergeschossige Gebäude – das ist eine Etage höher als früher geplant. Zudem sollen nun auch Gebäudelängen von mehr als 50 Metern zulässig sein. Der Bebauungsplan liegt noch bis Freitag, 8. Februar, im Rathaus aus und kann dort montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr und montags bis mittwochs von 14 bis 15 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr eingesehen werden. Auch Einwände können formuliert werden. Weitere Termine können unter Telefon (0 51 38) 70 72 52 vereinbart werden.

Von Oliver Kühn