Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sehnde Bürgerworkshop zum Thema Verkehr: Bei Bus und Bahn muss nachgebessert werden
Umland Sehnde

Bürgerworkshop zum Thema Verkehr in Sehnde: Bei Bus und Bahn muss nachgebessert werden

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 26.09.2019
Im Workshop diskutieren rund 60 Teilnehmer mit Vertretern der Stadt und Verkehrsplanern über die Schwerpunkte für den künftigen Verkehrsentwicklungsplan. Quelle: Katja Eggers
Sehnde

In Sehnde gibt es in Sachen Verkehr offenbar noch jede Menge Verbesserungspotenzial. Insbesondere in den Bereichen Busse und Bahnen, aber auch beim Rad- und Autoverkehr sehen sowohl die Stadt und Verkehrsplaner als auch Politiker und Bürger Nachholbedarf. Das ist zumindest im Workshop zum Verkehrsentwicklungsplan (VEP) herausgekommen. Auf Einladung der Stadt haben sich dafür am Mittwochabend rund 60 Interessierte getroffen und ihre Wünsche geäußert. 45 von ihnen gehörten dem Rat und den Ortsräten an, 16 Teilnehmer waren Bürger.

Mehr Bürgerbeteiligung gewünscht

„Die Resonanz ist gut, aber wir hätten uns vielleicht ein wenig mehr Interesse von den Bürgern gewünscht“, sagte Birgit Gerasch vom Fachdienst Stadtentwicklung, Straßen und Grünflächen. Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke hatte zum Auftakt der Veranstaltung betont, dass der VEP-Workshop Bürgerbeteiligung par excellence darstelle. Den Menschen werde nicht einfach ein fertiger Plan vorgelegt. Der Verkehrsentwicklungsplan regelt, wie sich der Verkehr in Sehnde in den nächsten Jahrzehnten entwickeln solle. „Alles, was Sie heute dazu beitragen, fließt mit ein – also sagen Sie uns, wo der Schuh drückt““, forderte Lehrke die Zuhörer auf.

Heinz Mazur vom Planungsbüro PGT Umwelt und Verkehr fasst die Ergebnisse des Workshops zusammen. Quelle: Katja Eggers

Bevor die Workshop-Teilnehmer allerdings selbst aktiv wurden, trug Heinz Mazur vom beauftragten Verkehrsplanungsbüro PGT aus Hannover zunächst vor, was bisherige Analysen und gutachterliche Bewertungen der heutigen Situation im Stadtgebiet Sehnde ergeben haben. „Sehnde ertrinkt nicht im Autoverkehr, die Menge ist gut abwickelbar“, sagte der Experte. Mit rund 15.000 bis 16.000 Fahrzeugen täglich sei das Verkehrsaufkommen in Sehnde und Ilten am größten.

Schwerpunkte liegen in der Kernstadt

Zur Entlastung trage die Ortsumgehung bei. „Aber beim Platz für andere Verkehrsmittel gibt es in Sehnde noch Potenzial“, sagte Mazur. Der Planer sieht viele Möglichkeiten, um die Qualität des Miteinanders für Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger sowie Bussen und Bahnen zu verbessern. Ziel müsse es sein, die Verkehrsarten gegeneinander abzuwiegen und zu schauen, wo welche Verkehrsmittel gefördert werden sollen. Aspekte wie Klimaschutz, demografischer Wandel und E-Mobilität würden zudem neue Ansprüche an die Verkehrsplanung stellen.

Mazur erklärte, dass die Planer sich im Vorfeld die Verkehrssituation im gesamten Stadtgebiet angeschaut hätten. „Die künftigen VEP-Schwerpunkte sehen wir aber generell eher in der Kernstadt und den größeren Ortsteilen als in den ganz kleinen Dörfern“, sagte er.

Bessere Takte für Bus und Bahn

Ein wichtiges Thema im Verkehrsentwicklungsplan wird laut Mazur unter anderem sein, Busse und Bahnen bürgernäher zu gestalten. Unter anderem gehe es um regelmäßige Taktungen im Bereich des Bahnhofs sowie bessere Busverbindungen zwischen den Ortsteilen. Warte- und Umsteigezeiten müssten verkürzt werden. „Alle Ortsteile sollten bis 23 Uhr stündlich erreichbar sein, das ist in Sehnde aber nicht der Fall“, sagte Mazur.

Auch Hövers Bürgermeister Christoph Schemschat pinnt einen Zettel an die Stellwand zum Thema Busse und Bahnen. Quelle: Katja Eggers

Hövers Ortsbürgermeister Christoph Schemschat forderte den „Ausbau der Buslinien, um kommunale Grenzen abzubauen“ – etwa von Höver nach Ahlten. Gewünscht wurden zudem einheitliche Tarifzonen für Sehnde und Preissenkungen für Bahntickets. „Es gibt immer nur Sternverkehr, aber keinen Querverkehr zwischen den Ortsteilen – man muss immer erst zentral irgendwo hin, um wegzukommen“, kritisierte derweil Sehndes künftiger Bürgermeister Olaf Kruse.

Martha Priesemann aus Bilm wünschte sich derweil, „dass Radwege künftig nicht so weit weg vom sozialen Umfeld geplant werden“. Gerade als Frau fühle sie sich unsicher, wenn sie im Dunkeln noch allein durch die Walachei radeln müsse. Rethmars Ortsbürgermeister Matthias Jäntsch forderte indes Fußgängerquerungen an der Ortsdurchfahrt.

Lesen Sie dazu auch: Rethmar: An der Ampel ist jetzt mehr Platz

Wunsch nach Tempo 30 an Ortseingängen

Ihre Wünsche und Verbesserungsvorschläge schrieben die Workshop-Teilnehmer auf farbige Zettel und pinnten sie dann an die jeweiligen Stellwände zu den vier Themen Fußgänger und Barrierefreiheit, Kfz-Verkehr, Busse und Bahnen sowie Radverkehr. Einige Forderungen fielen eher allgemein aus. Gewünscht wurden etwa Bordsteinabsenkungen, angepasste Ampelschaltungen, durchgängige Radwege, breiteren Fußwege, Gehwege an sämtlichen Straßen, Ladestationen für E-Autos auf öffentlichen Parkplätzen und Tempo 30 an den Ortseingängen.

Ein Schutzstreifen für Radfahrer und Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt wird in Höver schon länger diskutiert. Quelle: Katja Eggers

Auf den Zetteln fanden sich aber auch Wünsche, die sich auf konkrete Probleme in den Ortsteilen bezogen. Für Rethmar wurde etwa eine Dunkelampel an der Ortsdurchfahrt gewünscht. Weitere Forderungen waren unter anderem ein Schutzstreifen für Radfahrer auf der Hannoverschen Straße in Höver, Fußgängerüberwege für Evern und eine Einbahnstraßenregelung für den schmalen Sandweg in Bolzum.

So geht es weiter

Der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) soll für den Zeitraum bis 2030 bis zum nächsten Jahr für das gesamte Stadtgebiet erstellt werden, parallel dazu wird es einen Lärmaktionsplan (LAP) geben. Damit nicht nur Fachleute diskutieren, wird der Verkehrsentwicklungsplan von einer Lenkungsgruppe begleitet, zu der außer Vertretern der Verwaltung und der Politik unter anderem die Polizei, Schulen, Geschäftsleute, der Seniorenbeirat und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club gehören. Das nächste Treffen soll Ende des Jahres stattfinden.

Die Ergebnisse des Workshops will das beauftragte Büro PGT Umwelt und Verkehr aus Hannover demnächst auf der Internetseite der Stadt sehnde.de präsentieren. Noch in diesem Jahr will die Stadt laut Birgit Gerasch vom Fachdienst Stadtentwicklung, Straßen und Grünflächen auch mit dem Lärmaktionsplan an die Öffentlichkeit gehen.

Das könnte Sie auch interessieren: Kommt der Schutzstreifen für Radfahrer in Höver?

Von Katja Eggers

Ein Streifenwagen der Polizei ist am Mittwoch während einer Einsatzfahrt in einen Unfall verwickelt worden. Die Beamten aus Lehrte waren auf dem Weg zur Autobahn 7, der Zusammenstoß mit einem abbiegenden Skoda ereignete sich kurz vor Ahlten. Drei Menschen wurden verletzt, die L 385 war bis in den Abend gesperrt.

25.09.2019

Die CDU-Fraktion im Ortsrat von Sehnde-Ilten klinkt sich in die Klimadiskussion ein und wünscht sich mehr Fotovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden – nicht nur in Ilten, sondern am besten in der ganzen Stadt. Ein entsprechender Antrag liegt jetzt auf dem Tisch.

25.09.2019

Der Verein Unser Höver hat die mittlerweile vierte Ausgabe der Schriftenreihe „Höver: Mehr als Mergel“ herausgebracht. In dem kostenlosen Heft geht es diesmal unter anderem um die Bauentwicklung und die Einkaufsmöglichkeiten im Ort.

25.09.2019