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Sehnde Hannoverscher Fernmeldeclub baut ein Museum in Wehmingen auf
Umland Sehnde

Hannoverscher Fernmeldeclub baut in Wehmingen Fernmeldemuseum ein auf

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07:24 07.02.2020
Klaus-Dieter Brunke spielt das „Fräulein vom Amt“ am letzten Orts-Handvermittlungsgerät der Bundesrepublik Deutschland - es war bis 1966 in Uetze in Betrieb. Quelle: Katja Eggers
Wehmingen

Auf Hohenfels entsteht ein neues Ausstellungs-Highlight. Auf dem Gelände des Straßenbahn-Museums in Wehmingen baut der Hannoversche Fernmeldeclub sich schon seit einiger Zeit sein Museum auf. In der ehemaligen Munitionshalle hat der 80 Mitglieder starke Verein im oberen Stockwerk eine Fläche von 1200 Quadratmetern zur Verfügung.

Auf etwa 400 Quadratmetern will der Fernmeldeclub Besuchern künftig Einblicke in die Geschichte und Entwicklung der Telekommunikation geben. Die Sammlung umfasst Telefonapparate und die dazugehörige Vermittlungs- und Übertragungstechnik von den Anfängen bis zum Beginn des digitalen Zeitalters. „Wir decken die Zeit von 1833 bis 1995 ab“, erklärt Friedrich Vehrenkamp, Vorsitzender des Fernmeldeclubs.

Zur Sammlung des Fernmeldeclubs gehören auch zahlreiche Telefone mit Wählscheibe - der russische Apparat (links) konnte auch an der Wand angebracht werden, daneben steht ein Telefon von 1928. Quelle: Katja Eggers

Verein hat 1000 Meter Regalboden zur Verfügung

Das Lager und die Schauvitrinen haben die Mitglieder größtenteils schon bestückt. In Sehnde ist sozusagen die Betriebsstätte des Clubs entstanden. Das Vereinsheim befindet sich derweil beim Postsportverein in Hannover. In der ehemaligen Munitionshalle werkelt der Fernmeldeclub nun schon seit sieben Jahren. „Wir sind Gäste des Straßenbahn-Museum“, sagt Vehrenkamp.

Die alte Munitionshalle hatte zuvor lange leer gestanden. In der Vergangenheit war dort das Bundesamt für Geowissenschaften beheimatet, laut Vehrenkamp lagerten dort unter anderem die Gorleben-Akten. Platz für den Fernmeldeclub gibt es nun genug. Allein das Lager umfasst rund 800 Quadratmeter. „Wir haben gut 1000 Meter Regalboden“, berichtet Vehrenkamp. Darüber hinaus haben sich die Mitglieder in ihrem neuen Domizil eine Werkstatt eingerichtet.

Günter Sievers repariert ein sogenanntes Führerkabel von 1933, im Jahr 1936 wurde über ein Kabel des gleichen Typs die Olympiade übertragen. Quelle: Katja Eggers

Mitglieder wollen sammeln, reparieren und ausstellen

Ziel ist es, die alte Fernmeldetechnik zu erhalten. „Wir sammeln, reparieren, löten, basteln und stellen aus – und mit dabei ist immer eine Tasse Kaffee, das hält den Verein wie Kleister zusammen“, schmunzelt Vehrenkamp. Immer dienstags kommt dafür in Wehmingen ein harter Kern von 13 Mitgliedern zusammen, darunter eine Frau. Zwei Aktive sind aus Sehnde.

Für sein Museum hat der Verein jahrelang Exponate zusammengetragen. Die meisten Geräte sind voll funktionstüchtig. Mittlerweile kommen nur noch vereinzelt Keller- oder Dachbodenfunde von Fernmeldern im Ruhestand dazu. „Exponate haben wir genug, jetzt wollen wir uns auf ihre Historie konzentrieren“, betont Vehrenkamp.

Zur Sammlung gehören etliche Raritäten

Zur umfangreichen Sammlung gehören Raritäten wie etwa ein Gauß-Weber-Telegraf. Das Gerät wurde 1833 von den Göttinger Physikern Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Weber erfunden und war der erste elektromagnetische Telegraf der Welt.

„Und das hier ist die letzte Orts-Handvermittlung der Bundesrepublik Deutschland, das Gerät war bis 1966 in Betrieb und stand in Uetze“, erzählt Vereinsmitglied Klaus-Dieter Brunke und lüftet eine Plastikfolie. Darunter kommt ein Pult mit viel altertümlicher Technik zum Vorschein – Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden die Telefonverbindungen noch von Hand über Stöpsel und Schnüre hergestellt. „Das kennt man aus alten Filmen, in denen das Fräulein vom Amt im Einsatz war“, erzählt Vehrenkamp und lacht.

Auf dem Gelände des Straßenbahn-Museums richtet der Hannoversche Fernmeldeclub derzeit ein Museum ein. Die Eröffnung ist voraussichtlich im nächsten Jahr. Der Verein hat aber schon jetzt Einblicke in seine Sammlung und ins Lager gewährt.

Fernschreiber, Faxgeräte und Freileitungen

Die historische Orts-Handvermittlung gehört beim Fernmeldeclub ebenso zur Abteilung Vermittlungstechnik. Alles in allem hat der Verein sechs Abteilungen eingerichtet. Zur Abteilung Endgeräte gehören unter anderem Telefone und Faxgeräte. Die Linientechnik umfasst Kabel, Freileitungen, Blankdrahtleitungen und Kabelschächte. Zur Abteilung Telegrafie zählen Faxe, Modems und vor allem Fernschreiber.

Hinter der Überschrift Übertragungstechnik verbergen sich Verstärker und Multiplexeinrichtungen. In der Abteilung Funk geht es indes nicht um Funktechnik, sondern um die regionale Bedeutung des Funks. Bedeutsame Funkstationen gab es zum Beispiel in Ahlvese, Torfhaus, Lüchow und Aerzen.

Noch viel zu tun bis zur Eröffnung

Bis der Verein all seine Schätze der Öffentlichkeit präsentieren kann, ist es allerdings noch ein wenig hin. Unter anderem müssen noch etliche Auflagen erfüllt werden. „Es gibt viel zu tun, ich denke unter anderem an sanitäre Anlagen und einen Aufzug“, sagt Vehrenkamp. Der Vereinsvorsitzende geht davon aus, dass das Fernmeldemuseum voraussichtlich erst im Jahr 2021 eröffnet wird. Auf Hohenfels gibt es dann nicht nur altertümliche Trams, sondern auch jede Menge historische Fernmeldetechnik zu sehen.

Das ist der Hannoversche Fernmeldeclub

Der Hannoversche Fernmeldeclub hat sich 1995 im Zuge der großen Digitalisierungswelle gegründet. Der Verein zählt rund 80 Mitglieder, die meisten kommen aus dem Raum Hannover. Der Jüngste ist 55, der Älteste 88 Jahre alt. Viele Mitglieder bringen technisches Knowhow mit und haben sich dem Erhalt der historischen Fernmeldetechnik verschrieben. Sie reparieren sie auch und organisieren zudem Ausstellungen für Heimatvereine, Messen oder Firmen. Die Exponate werden außerdem in Schulen gezeigt. Derzeit stellt der Verein in der Kulturwerkstatt in Burgdorf aus, die Schau ist noch bis Ende Januar zu sehen.

Mit Exponaten ist der Club derzeit recht gut bestückt. Gern gesehen sind jedoch neue Mitglieder. Kenntnisse in der Fernmeldetechnik sind keine Voraussetzung. „Wir würden uns aber freuen, wenn sich Hobbyhistoriker oder Verwaltungsexperten bei uns melden“, sagt Friedrich Vehrenkamp, Vorsitzender des Vereins. Vor allem Interessierte aus Sehnde sind willkommen. Wer den Fernmeldeclub auf dem Gelände des Straßenbahn-Museums Hannover in Wehmingen kennenlernen möchte, kann dort dienstags zwischen 10 und 14 Uhr vorbeischauen, sollte sich vorher aber bei Vehrenkamp unter Telefon (01 71) 6 53 16 14 anmelden.

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Von Katja Eggers

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