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Sehnde Im Stillcafé herrscht Hochkonjunktur
Umland Sehnde Im Stillcafé herrscht Hochkonjunktur
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16:49 03.01.2019
Die Kinder spielen, die Mamas tauschen sich im Stillcafé von Hebamme Anja Lohmeier (Vierte von links) über das Stillen und alles andere rund ums Kind aus. Quelle: Sandra Köhler
Müllingen

Nicht nur aus Sehnde, sondern auch aus dem Umland, aus Hannover und der Gemeinde Algermissen kommen die Frauen zum wöchentlichen Stillcafé von Anja Lohmeier. Dieses hat die Hebamme sowie Still- und Trageberaterin vor 17 Jahren ins Leben gerufen. Zuerst im Familienzentrum Anderten, seit 2011 in ihrer Praxis in Müllingen. Bei den Treffen, zu denen zwischen vier und 13 Frauen mit Kindern zwischen zehn Tagen und zwei bis drei Jahren kommen, geht es um alles, was Schwangere und Mütter bewegt – und natürlich auch ums Stillen. Dafür ist Lohmeier kürzlich von der Stadt mit der Ehrenamtskarte gewürdigt worden.

Während die Kleinen spielen, schlafen oder gestillt werden, haben die Frauen Zeit, eine Tasse Tee oder Kaffee zu trinken und sich auszutauschen. Über das Tragen im Tragetuch, das Schlafen, Beckenbodengymnastik und Beikost. Denn gut gemeinte Tipps von Großmüttern, Krankenschwestern oder Bekannten sorgen manchmal eher für Verwirrung als für Hilfe: „Jede erzählt etwas anderes, das kann gerade beim ersten Kind schwierig sein“, sagt Lohmeier. Viele der Teilnehmerinnen kennen sie bereits seit Jahren, fühlen sich und ihre Kinder dort gut aufgenommen. Wie die 42-jährige Yvonne aus Sehnde, die mit Hella, ihrem fünften Kind gekommen ist, das gerade einmal sechs Monate alt ist: „Es ist schön, diese Zeit zu haben. Bei den anderen Kindern war das schwierig.“

Mütter, die sich bewusst dafür entschieden haben, ihre Kinder auch nach dem ersten Lebensjahr zu stillen, finden dort Gleichgesinnte, die ihnen den Rücken stärken. Wie Andrea, die ihre Stina auch nach deren erstem Geburtstag weiterstillt. Sie genießt die Bindung und Nähe dabei sichtlich. „Ich habe gedacht, da hat sich in den letzten fünf Jahren etwas getan“, sagt die 43-Jährige. „Aber wenn man sagt, man stillt noch, wird man schon noch komisch angeguckt. Der Rückhalt und das Verständnis hier geben Kraft für da draußen.“

Im Grunde genommen handele es um etwas ganz Natürliches, sagt Lohmeier. Von der Natur her sei es vorgesehen, dass Frauen ihre Kinder deutlich länger stillten, als dies in Deutschland heute praktiziert werde – von zweieinhalb bis zu sieben Jahren. Die Weltgesundheitsorganisation empfehle, dass Kinder mindestens ein halbes Jahr lang ausschließlich gestillt werden sollen. „Der zweite Teil der Empfehlung wird aber meist weggelassen“, verdeutlicht die Hebamme. Sie besage, dass Kinder ab sechs Monaten zusätzlich mindestens bis zum zweiten Geburtstag gestillt werden sollten. „Und so lange weiter, wie von Mutter und Kind gewünscht.“

Das habe nicht nur erhebliche Vorteile für die Bindung, sondern würde auch Milliarden beim Gesundheitssystem sparen. „Stillen beugt Allergien, Asthma,Diabetes, Übergewicht, Neurodermitis und sogar Krebs im Kindesalter vor, dazu gibt es zahlreiche Studien“, sagt Lohmeier. Zudem stärke es das kindliche Immunsystem, sodass diese Kleinkinder wesentlich weniger häufig von Infekten betroffen seien – auch als Erwachsene. „Stillcafés sind die beste Werbung fürs Stillen“, sagt sie. Und wünscht sich, dass noch mehr Schwangere sich bereits vor der Entbindung dort informieren lassen. „Denn viele Probleme lassen sich schnell in den Griff bekommen, wenn man den richtigen Rat erhält.“

Laut der letzten umfassenden Studie aus dem Jahr 1998 seien 98 Prozent aller Frauen in der Lage, zu stillen, sagt die Stillberaterin. „92 Prozent fangen an, nach zwei Monaten sind es aber nur noch 58 Prozent.“ Nach sechs Monaten sei die Zahl auf lediglich 13 Prozent gesunken. „Und das hat sich nicht wesentlich geändert.“ Mit der Industrialisierung, aber auch der flächendeckenden Einführung der Babynahrung in den Sechziger- und Siebzigerjahren sei viel Stillwillen und -wissen verloren gegangen.

Nach der Weihnachtspause öffnet das Stillcafé ab Freitag,18. Januar, wieder wöchentlich seine Pforten. Jeweils von 10.30 bis 12 Uhr sind alle Schwangeren sowie Mütter mit Babys aus Sehnde und Umgebung eingeladen, sich in der Hebammenpraxis Anja Lohmeier, Storchenstraße 7, auszutauschen. Eine Hebamme und Stillberaterin steht für Fragen zur Verfügung und gibt Tipps rund ums Stillen und Baby. Das Angebot ist offen, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Von Sandra Köhler

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