Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Installation klärt über häusliche Gewalt auf
Umland Sehnde Nachrichten Installation klärt über häusliche Gewalt auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:53 13.11.2015
Hinter dem Anschein von harmonischem Familienleben kann sich häusliche Gewalt verbergen. Darauf will die Installation "Trautes Heim; Glück allein?" aufmerksam machen.
Hinter dem Anschein von harmonischem Familienleben kann sich häusliche Gewalt verbergen. Darauf will die Installation "Trautes Heim; Glück allein?" aufmerksam machen. Quelle: Köhler
Anzeige
Sehnde

Auf den ersten Blick wirkt die Szenerie anheimelnd und idyllisch: Das Sofa im Wohnzimmer mit der Blümchentapete lockt mit Kuscheldecke und Kissen, eine Lampe spendet warmes Licht. Auf dem Tischchen mit Häkeldeckchen und Kerze liegt vor einem Hochzeitsbild ein Fotoalbum. Doch beim genaueren Hinsehen wird klar, das hier längst nicht alles heil ist: Das Hochzeitsfoto ist ebenso gesplittert wie das ein Paar im Sonnenuntergang zeigende Bild über dem Sofa. Die Installation im Rathausfoyer ist ein Symbol für die auf den ersten Blick heile Welt eines Paares, die sich auf den zweiten Blick als zerrüttet darstellt.

All das gibt es auch in Sehnde. Zu rund 30 Fällen häuslicher Gewalt wird die Polizei pro Jahr gerufen. Doch die Dunkelziffer ist hoch. So erlebt nach Aussage der Sehnder Gleichstellungsbeauftragten Sarah Peters bundesweit jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben physische oder psychische Gewalt in einer Beziehung.

„Bei häuslicher Gewalt geht es um pure Macht“, sagt Kriminalkommissarin Susanne Horn von der Polizeistation Sehnde. Männer, die gewalttätig würden, suchten sich gezielt schwächere Opfer aus: „Die würden sich nie mit jemandem anlegen, von dem sie erwarten müssten, dass er zurückschlägt“, sagt Horn. Meist spiele auch Alkohol eine Rolle. Das Perfide: In einer Partnerschaft, in der einer die Eigenarten des anderen besonders gut kenne, sei es besonders einfach, Druck auszuüben.

Mit ständiger Kritik über Nichtigkeiten wie „nicht vernünftig gekochtem Essen“ und „nicht richtig geputzt“ oder Gewalt aufgrund solch vorgeschobener Gründe sorgten sie dafür, dass das Selbstbewusstsein der Frauen gen Null ginge. „Die Frauen brechen häufig aus Scham und Angst soziale Kontakte ab, trauen sich mitunter nicht mehr arbeiten zu gehen“, beschreibt Horn mögliche Folgen. Die Partnerschaft werde so zum Gefängnis.

Sich daraus zu befreien koste viel Kraft, und mitunter auch mehrere Anläufe, weiß Brigitte Mende von der Frauenberatungsstelle der AWO für Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze: „Frauen halten meist lange aus, besonders wenn sie Kinder haben“, sagt sie. Auch die Angst davor, ohne Beruf und Ernährer ins Bodenlose zu fallen, sei ein Hemmnis für viele. Überwiegend sind es Frauen zwischen 35 und 45 Jahren, die Mende aufsuchen. Doch auch 60-, gar 70-Jährige finden den Weg zu ihr. Und zwar häufig erst einmal mit anderen Anliegen. „Gewalt ist erst dann ein Thema, wenn das Vertrauen gewachsen ist“, verdeutlicht Mende.

Von Sandra Köhler

Anette Wulf-Dettmer 13.11.2015
Oliver Kühn 12.11.2015
Oliver Kühn 12.11.2015