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Nachrichten Sammelunterkünfte stehen zu 70 Prozent leer
Umland Sehnde Nachrichten Sammelunterkünfte stehen zu 70 Prozent leer
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00:16 24.06.2017
Franziska Burbulla (von links) von der AWO Region Hannover leitet die Gemeinschaftsunterkunft mit ihren festangestellten Kollegen Bashar Abdourhman aus dem Sudan und Alan Khalil aus Syrien. Im ehemaligen Hotel zur Linde könnten rund 150 Flüchtlinge untergebracht werden - derzeit leben dort aber nur 66. Quelle: Oliver Kühn
Sehnde

Die Zahlen, die Hans Nordhorn von der Stadt dem Ausschuss für Schule, Sport, Kultur und Soziales vorlegte, waren eindrücklich. Wurden Sehnde vor zwei Jahren noch 212 Flüchtlinge zugewiesen, liegt die Aufnahmequote für dieses Jahr bei 71 - doch bisher mussten erst elf untergebracht werden. Zudem haben 82 die Stadt wieder verlassen. Die meisten davon (65) sind anerkannte Asylbewerber, die in eine eigene Wohnung gezogen sind. Nur 13 Personen sind freiwillig ausgereist, und nur vier wurden abgeschoben. Für eine serbische Familie, deren Asylantrag abgelehnt wurde, ist eine freiwillige Ausreise beantragt worden. Insgesamt betreut die Sehnder Verwaltung derzeit 297 Flüchtlinge, von denen 94 bereits anerkannt sind.

Seit Beginn der Flüchtlingswelle hat die Stadt 36 Wohnungen angemietet, in denen 142 Menschen leben, in elf davon bereits anerkannte Flüchtlingsfamilien. Doch Versuche, die Mietverträge auf diese umzuschreiben, seien sämtlich am Widerstand der Vermieter gescheitert. "Die Vermieter wollen die Sicherheit, die Miete von der Stadt zu bekommen", schildert Nordhorn das Ergebnis der Verhandlungen. Momentan stehen zwei Wohnungen leer, sollen aber kurzfristig wieder belegt werden. Das ist für die Stadt ein vordringliches Ziel, denn leere Wohnungen werden von der Region Hannover als Leistungsträger nicht finanziert - im Gegensatz zu Gemeinschaftsunterkünften.

Die Stadt will deshalb nicht nur mit allen Vermietern, sondern auch mit Betreibern von Sammelunterkünften sprechen, um die meist bis Ende 2018 befristeten Mietverträge eventuell vorzeitig aufzulösen. Denn aufgrund des "gemeinsamen Kosteninteresses" wolle man Überkapazitäten reduzieren, so Nordhorn. Ausnahme ist das ehemalige Hotel zur Linde in Höver, wo der Mietvertrag bis 2022 läuft - auch dort sind von 150 Plätzen derzeit nur 66 belegt. Selbst zu Hochzeiten sei die Unterkunft nur mit 90 Personen belegt gewesen, sagt Leiterin Franziska Burbulla von der AWO Region Hannover: "Weil hier viele Frauen und Kinder sind, ist die Situation sehr entspannt." Perspektivisch werde sich der Leerstand weiter erhöhen, sagt Nordhorn, etwa durch Auszüge von anerkannten Flüchtlingen, freiwilligen Ausreisen oder Abschiebungen.

Die dafür nötigen Ablösesummen als Entschädigung habe die Region im Haushalt eingeplant, sagte Nordhorn. Zwei im März ausgelaufene Verträge für Gemeinschaftsunterkünfte habe man bereits nicht verlängert, sodass Sehnde jetzt nur noch acht Sammelunterkünfte habe - von denen jedoch zwei in Evern und eine in Ilten bereits komplett leer stehen. Von insgesamt 313 Plätzen sind somit 218 unbelegt - das ist eine Leerstandsquote von knapp 70 Prozent. Weil die Entwicklung in der Zukunft nicht absehbar sei, etwa nach einer Kündigung des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei, wolle die Stadt langfristig nur das Bundessortenamt in Rethmar als Reserve behalten.

Flüchtlingshilfeverein berät im neuen Treffpunkt

Um Asylsuchende kümmert sich zur Entlastung der Stadt auch der Flüchtlingshilfeverein. Der neue Treffpunkt "Zur Vielfalt" im Haus 3 auf dem Gelände des ehemaligen Bundessortenamts in Rethmar dient aber nicht nur dem interkulturellen Austausch, dort werden jeden Sonnabend von 14 bis 17 Uhr auch Beratungen angeboten. Im selben Gebäude sitzt auch die hauptamtliche Koordinatorin des Vereins, Maria Myrach, die dort montags von 13 bis 16 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr eine offene Sprechstunde für Ehrenamtliche und Flüchtlinge anbietet. Aktuell plant der Verein einen Deutschkurs für 15 Frauen mit Kindern inklusive Kinderbetreuung. Zudem sind verschiedene Arbeitskreise gegründet worden, die sich um Patenschaften, Coaching für Bewerbungen und Wohnungssuche, Freizeitangebote und die Fahrradwerkstatt kümmern.

Fotostrecke Sehnde: Sammelunterkünfte stehen zu 70 Prozent leer

Von Oliver Kühn

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