Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Stadt verliert Streit um Schanze
Umland Sehnde Nachrichten Stadt verliert Streit um Schanze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
18:46 09.07.2014
Von Achim Gückel
Feldweg statt Gerichtssaal: Richter Ingo Behrens (mit Krawatte) nimmt die Schanze am Südrand Haimars in Augenschein. Auch sein Urteil spricht er im Freien. Quelle: Achim Gückel
Anzeige
Sehnde

Ein tiefer Graben, darin viel Grün, träge fließendes Wasser: Sie sieht eigentlich ganz harmlos aus, die im Jahr 1859 künstlich angelegte Schanze. Über rund 400 Meter markiert sie den südlichen Ortsrand Haimars. Doch um den Bach, an dem in den vergangenen Jahrzehnten Häuser entstanden, schwelt ein ausufernder Streit zwischen Anwohnern und Stadt.

Letztere ist zur Pflege der Schanze verpflichtet. Anwohner sagen, dabei habe es die Stadt im Jahr 2007 übertrieben. Sie habe den Bach ausgebaggert, Wurzelwerk entfernt und die nördliche Böschung viel zu steil gestaltet, auf 40 Grad Neigung. Die Folge: Die Böschung gibt insbesondere nach Hochwasser nach, verrutscht in den etwa zwei Meter tiefen Graben. An benachbarten Gebäuden, Einfriedungen und Zäunen gibt es dadurch mittlerweile deutliche Schäden - Risse, abgesackte Fundamente. Dies bestätigt auch ein Gutachter.

Anzeige

Im Jahr 2011 strengte eine Anwohnerin eine Klage an. Nachbarn folgten dem Beispiel. Die Stadt wehrte sich: Sie habe den Graben gepflegt, wie es sich gehört, nicht aber ausgebaggert oder verändert. Im Übrigen seien die Erdbewegungen und die daraus resultierenden Schäden Folge einer Aufschüttung von Erdreich am Rand der Schanze. Diese sei schon Jahrzehnte vor dem Bau der Häuser geschehen. Die Anwohner hätten ihre Häuser quasi auf unsicherem Grund errichtet. Dafür könne die Stadt nichts.

Gestern kam es an der Schanze zu einem denkwürdigen Ortstermin. Das Verwaltungsgericht Hannover rückte an. Samt Akten, Klägern und Beklagten nebst Anwälten. Richter Ingo Behrens brauchte keine Stunde, um ein Urteil zu fällen: Die Stadt muss dafür sorgen, dass von ihrem Grundstück aus, also der Schanze, keine erhebliche Störung für die Nachbarn ausgeht. Sie muss die nördliche Böschung stabilisieren - vorerst aber nur im Bereich des Grundstücks der einzelnen Klägerin. Die Frau brach angesichts des Urteils in Tränen der Erleichterung aus. Nachbarn gratulierten.

Für die Stadt kostet die Stabilisierung des kurzen Uferbereichs mindestens 50 000 Euro. Sollten auch weitere Anrainer mit ihren Klagen Erfolg haben, wird es teurer. Das gesamte Bachufer zu befestigen dürfte eine sechsstellige Summe kosten, schätzten Vertreter der Verwaltung.

Achim Gückel 08.07.2014
Oliver Kühn 08.07.2014
Oliver Kühn 08.07.2014
Anzeige