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Sehnde Tempo 30 im Dorf brennt allen auf den Nägeln
Umland Sehnde Tempo 30 im Dorf brennt allen auf den Nägeln
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17:43 04.01.2019
Die schmale, kurvenreiche Ortsdurchfahrt in Höhe des Gasthofs Erfurth ist nur sehr schwer einzusehen. Quelle: Oliver Kühn
Müllingen/Wirringen

Wenn Karl-Heinz Grun sagen soll, was ihm auf der Seele brennt, braucht der Ortsbürgermeister beim Ortsspaziergang nicht lange zu überlegen. „Die Situation auf der Ortsdurchfahrt macht mir große Sorgen“, sagt der Sozialdemokrat mit Nachdruck. Doch damit stehe er nicht allein, ganz im Gegenteil. „Das ist unser drängendstes Problem, dahinter steht der ganze Ort.“ Denn die Müllinger Straße, die Kreisstraße 147, sei zwischen Storchenstraße und Bokumer Straße eine sehr schmale und noch dazu kurvenreiche Strecke – und der Weg zur Kita und zum Schulbus. 270 von gut 400 Einwohnern hatten im vergangenen Jahr ihre Unterschrift für eine Forderung nach Tempo 30 geleistet. „Das ist schon eine Hausnummer“, meint der 68-Jährige. Doch die Region Hannover hat das abgelehnt.

Dass sich die zuständige Polizeiinspektion Burgdorf ebenfalls gegen eine Verkehrsberuhigung ausgesprochen habe, weil es „keine Auffälligkeiten“ gebe, kann Grun nicht verstehen. Im Ort sei eine Verkehrsberuhigung weiterhin das „Gesprächsthema Nummer eins“. Denn aufgrund des früher schlechten Straßenzustandes hatte es dort schon einmal Tempo 30 gegeben. Diesen Zustand wünschen sich die Müllinger zurück. Denn wenn sich dort ein Bus und ein Auto träfen, würde mancher Fahrer aufgrund der Enge auf den Fußweg ausweichen, hat der 68-Jährige beobachtet, der sein Amt bereits seit sieben Jahren ausübt und vorher schon fünf Jahre lang Stellvertreter war. „Ich mag gar nicht daran denken, was da passieren könnte.“ Auch der Müllinger Heinz-Hermann Nolle, ein ehemalige Polizeibeamter, hatte in einem offenen Brief an Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke geschrieben, dass sich die Ortsdurchfahrt zu „der gefahrvollsten im Sehnder Stadtgebiet entwickelt“ habe.

Gegen den ablehnenden Bescheid der Region habe man im September Einspruch eingelegt, doch lange keine Antwort erhalten. Dann wurde es unübersichtlich: Im November habe die Region geantwortet, dass sie sich in Höhe des Gasthofs Erfurth doch Tempo 30 vorstellen könnte, dies aber nur zwei Tage später widerrufen. Die Begründung: Eine Verkehrserhebung sei fehlerhaft gewesen, weil das Gerät defekt oder die Bedienung fehlerhaft war. „Dass die Region das erst nach einem halben Jahr merkt, ist doch komisch“, wundert sich Grun. Das hatte auch der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Olaf Kruse als „nicht tolerabel“ kritisiert. Laut dieser Verkehrszählung im April vergangenen Jahres passierten die Ortsdurchfahrt täglich rund 4500 Autos. Inzwischen habe die Region aber zugesagt, eine neue Messung vorzunehmen. „Wir bleiben da am Ball“ betont Grun.

Der Dorfteich an der Sarstedter Straße ist Karl-Heinz Gruns Lieblingsplatz - der kaputte Zaun ist ihm allerdings ein Dorn im Auge. Quelle: Oliver Kühn

Ansonsten sei im Müllingen „alles im Reinen“, findet Grun. Dazu gehört etwa sein Lieblingsplatz, der Dorfteich mit inzwischen zwölf Goldfischen an der Sarstedter Straße, der an die Teichfreunde Müllingen verpachtet ist. Nur dass die Stadt eine Reparatur des von einem Auto kaputt gefahrenen Zaunes ablehne, ärgert ihn. „Das ist doch eine Gefahr für Kinder.“ Gleiches gelte für die Tatsache, dass das Regenwasser von der Landesstraße in den Teich geleitet werde. „Da ist oft Öl drin.“ Demnächst werde dort ein Steg gebaut und eine Flachwasserzone mit Steinen eingerichtet.

Den Fußweg für Schulkinder zur Bushaltestelle entlang der L 410 hatte der Ortsrat durchgesetzt. Quelle: Oliver Kühn

Ein wenig stolz ist Grun darauf, dass er und seine Ortsratskollegen einen Fußweg entlang der viel befahrenen Landesstraße 410 vom Feuerwehrhaus zur Bushaltestelle durchgesetzt haben. „Die Schulkinder mussten da vorher morgens im Dunkeln auf der Straße laufen.“ Der Stadtentwicklungs- und Finanzausschuss hätte das vorher bereits abgelehnt und erst nach der Intervention doch zugestimmt. Auch der Ausbau des Hasselwegs, auf den man lange gewartet habe, sei gut gelungen.

Am Bücherschrank an der Beekstraße in Wirringen soll eine Bank aufgestellt werden. Er war der erste in ganz Sehnde. Quelle: Oliver Kühn

Weil Grun auch Ortsbürgermeister für Wirringen ist, liegt ihm auch der Bücherschrank in dem 330-Seelen-Dorf am Herzen. Der Ortsrat habe sich deshalb entschieden, dort in diesem Frühjahr eine Sitzbank aus eigenen Mitteln aufzustellen. Die Palettenkonstruktion aus der Werkstatt des Klinikums Wahrendorff sei mit 120 Euro kostengünstig zu erstehen. Der Bücherschrank werde gut angenommen – manchmal sogar zu gut. Einmal habe er jemanden erwischt, der seinen ganzen Kofferraum mit Büchern vollladen wollte. „Dem habe ich ins Gewissen geredet“, sagt Grun diplomatisch mit einem Augenzwinkern.

Von Oliver Kühn

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