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Sehnde So gut rudert es sich auf dem Mittellandkanal
Umland Sehnde So gut rudert es sich auf dem Mittellandkanal
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07:24 10.04.2019
Keine Fliegen fangen und das Boot nicht kentern lassen: Redaktionsleiterin Antje Bismark testet mit vier Frauen, wie gut das Rudern nach 35 Jahren noch klappt. Quelle: Silke Kardinal
Sehnde

Die Vorbereitung auf das Rudertraining beginnt morgens vor der Arbeit: Welche Kleidung brauche ich für die Tour auf dem Mittellandkanal? Angesichts der kühlen Morgentemperatur fällt die Entscheidung auf Skiunterwäsche und Regenhose, dicke Schuhe und Mütze. Schließlich will ich ja nicht erfrieren, wenn ich zum ersten Mal nach einer Trainingspause von 35 Jahren wieder in ein Ruderboot steige. Eine klassische Fehlentscheidung: Denn am Ende des Arbeitstages bleiben alle warmen Kleidungsstücke im Auto, stattdessen findet sich Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 in der Sporttasche, die ich kurzfristig noch im Drogeriemarkt kaufe.

Damit fühle ich mich mental gut vorbereitet auf das Training beim Ruderclub Das Große Freie, auf dessen Gelände an der Friedrich-Ebert-Straße schon Conny Kampmann, Ute Gutzeit, Ilka Klopp und Silke Kardinal pünktlich um 18 Uhr zusammenkommen. Das Quartett nimmt mich mit auf große Fahrt in Richtung Westen, doch vor dem ersten Schlag müssen wir die Hans Huckebein – einen schönen Vierer mit Steuermann aus Holz – erst einmal aus dem Lager zum Wasser bringen. Gut 50 Boote liegen in der Halle, das Herausholen und Einstellen gleicht deshalb ein wenig dem Tetris-Spiel, bei dem Steine ineinander geschachtelt werden. Aber die vier Ruderinnen kennen die Tricks, und so lassen wir sehr zügig das Boot ins Wasser.

Der erste Schlepper passiert uns nach dem Start

„Bloß nicht auf den Boden oder die Wände treten“, mahnt Conny Kampmann, und so strecke ich mich weit über das Boot, um den Dollen auf der Backbordseite zu öffnen und das mit rot markierte Skull einzusetzen. Anschließend balanciere ich auf meinen Rollsitz in der Hoffnung, nicht in das nur wenige Grad kalte Wasser zu fallen. Es gelingt – und dann setzt sich Steuerfrau Silke Kardinal mir gegenüber. Meine Begleiterinnen stoßen das Boot beim Einsteigen kräftig ab, und dann geht es los. Und damit ich mich gleich richtig an die Bedingungen auf dem Mittellandkanal gewöhne, passiert uns unmittelbar nach dem Ablegen ein Schlepper. Meine Crew bleibt entspannt, im Gegensatz zu mir. Ich empfinde das Schaukeln zwar nicht beängstigend, doch aber ungewohnt.

Seit 60 Jahren trainieren Mitglieder des Ruderclubs Das Große Freie auf dem Mittellandkanal – ein Grund für Redaktionsleiterin Antje Bismark, sich nach 35 Jahren wieder an die Skulls zu setzen.

Die Koordination der Hände hakt kräftig

Unsere Tour führt in Richtung Westen, vorbei am Stichkanal nach Hildesheim, vorbei an Großfamilien mit Grill, Spaziergängern mit und ohne Hund, Anglern und ungezählten Enten. Immer im Rücken: die Abendsonne. Und immer im Blick: Silke Kardinal. Sie schaut auf meine Hände und gibt ein ums andere Mal die Anweisung: „Die rechte Hand ist immer dichter am Körper, auch beim Vorrollen.“ Ah ja. Das klingt einfacher, als es ist. Denn irgendwie gelingt die Koordination zwischen den beiden Händen nur bedingt, und ich habe das Gefühl, ich häkele sie regelmäßig zusammen. Aber wir kommen voran, auch wenn ich mit meinem Skull manches Mal nur in der Luft rudere und damit eher Fliegen fange. Oder ich vergesse das Aufstellen – obwohl ich nur auf ein Klacken achten müsste – und bringe das Boot damit beträchtlich ins Schwanken.

Nach acht Kilometern legt die Hans Huckebein wieder an

Meine Mitstreiterinnen hingegen müssen sich nicht konzentrieren, routiniert schaffen sie Meter um Meter. Dabei können sie sich noch über den Ausflug vom vergangenen Wochenende unterhalten, bei dem sie 150 Kilometer in Richtung Osten gerudert sind. An diesem Wochenende geht es weiter in Richtung Berlin, denn Wanderfahrten, sagt Kardinal, gehörten zum Vereinsleben dazu. In das werden auch Neulinge oder Rückkehrer wie ich integriert, gerne auch nach dem Ruderkurs für Erwachsene, der in diesem Jahr vom 24. bis 26. Mai angeboten wird. „Es ist erstaunlich, wie schnell die Teilnehmer die Abläufe kennen“, sagt Kardinal und fügt hinzu, dass das Training mit einer zwölf Kilometer langen Tour endet. Der Nachwuchs indes findet sich beim Ferienpass vom 5. bis 7. Juli zusammen, bei dem es je zwölf Plätze für Kinder aus Lehrte und Sehnde gibt.

Steuerfrau Silke Kardinal muss die Neueinsteigerin und die großen Schiffe auf dem Mittellandkanal im Blick behalten. Quelle: Antje Bismark

Mir reichen an diesem sonnigen Abend die ersten vier Kilometer, wir wenden in Sichtweite eines Lastkahns und rudern die vier Kilometer wieder zurück. Dieses Mal scheint uns die Sonne ins Gesicht, und ich erlebe den Sonnenuntergang aus einer ungewohnten, aber traumhaften Perspektive. „Das ist immer der Lohn beim Training“, sagt Kampmann kurz vor dem Anlegen am neuen Vereinssteg, während uns der nächste Lastkahn das Manöver etwas erschwert. Aber die Routine siegt souverän, und so komme ich trockenen Fußes und mit besten Eindrücken wieder an Land. „Der Sport in der Natur und in der Gemeinschaft“, nennt Kardinal den Grund für ihre Ruder-Begeisterung. Hinzu komme, dass Jung und Alt im Verein ein gutes Miteinander schaffen, gemeinsame Touren unternehmen und sich unter den 150 Mitgliedern oft neue Crews beim Training zusammenfinden.

Am 31. August feiert der Ruderclub den 60. Geburtstag

Für mich endet der Tag damit, dass wir die Hans Huckebein wieder aus dem Wasser heben, vor der Halle ordentlich reinigen und dann „einparken“. Schade eigentlich. Aber am 31. August feiert der Verein seinen 60. Geburtstag – und vielleicht mische ich mich dann unter die Gäste, die Sonnencreme reicht bis dahin.

Stimmungsvoll: der Sonnenuntergang nach den acht Kilometern Rudertraining. Quelle: Antje Bismark

Von Antje Bismark

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