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Sehnde Ein neuer Pfad führt Besucher ins Reich der Schmetterlinge
Umland Sehnde

Sehnde: Besucherpfad zu den geflügelten Nachbarn

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18:30 04.06.2019
Carola Sandkühler, Vorsitzende des Naturschutzverbandes Niedersachsen, und Holcim-Werkleiter Erik Jantzen zeigen eine der neuen Informationstafeln. Quelle: Privat
Höver/Bilm

Mehr Blühstreifen an Straßen und Blumenwiesen an Ackerrändern, weniger Steingärten an Privathäusern: Umwelt- und Klimaschutz ist derzeit nicht nur wegen der Fridays-for-Future-Bewegung hochaktuell. Auch die Europawahlen haben gezeigt, dass grüne Themen den Bürgern am Herzen liegen. Das Zementwerk Holcim in Höver und der Naturschutzverband Niedersachsen (NVN) haben dazu bereits im vergangenen Jahr ein Projekt gestartet, das jetzt erste Früchte trägt. Auf den Lärmschutzwällen des Unternehmens in Höver und Bilm haben die beiden Partner neuen Lebensraum für Schmetterlinge geschaffen und darüber hinaus auf dem Betriebsgelände in Höver einen öffentlich zugänglichen Schmetterlingsbesucherpfad mit Informationstafeln angelegt. „Damit wollen wir die Öffentlichkeit und vor allem die Anwohner aus Höver und Bilm darüber informieren, was für schöne geflügelte Nachbarn sie vor ihren Haustüren finden“, sagt die NVN-Vorsitzende Carola Sandkühler.

All diese fliegenden Nachbarn sind in Höver und Bilm zu sehen.

Projekt trägt trotz Trockenheit erste Früchte

Ein Wegrand auf dem Bilmer Damm: Kornblume, Margerite und Klatschmohn sind Lebensraum und Nahrung für Schmetterlinge. Quelle: Carola Sandkühler

An einem Wegrand auf dem Bilmer Damm etwa fänden die Tagfalter, wie die tagsüber fliegenden Schmetterlinge auch genannt werden, reichlich Nahrung. „So haben zu meiner Kinderzeit noch viele Wegränder in Feld und Flur ausgeschaut“, erinnert sich Sandkühler. „Mit Kornblume, Margerite und Klatschmohn.“ Heutzutage sei oft nur noch Gras und höchstens eine Wiesenraute dabei.

Seit April vergangenen Jahres wurde dafür der Boden auf den Lärmschutzwällen in Höver und Bilm bearbeitet, neue Pflanzen eingesät und nur vorsichtig gemäht. „Zur Projektarbeit gehört außerdem die Erfassung der Schmetterlingsfauna, der Besuchspfad mit den Tafeln ist ein weiterer Baustein“, erläutert Bernd-Henning Reupke, Umweltbeauftragter bei Holcim. Trotz der extremen Trockenheit im Vorjahr seien bereits erste Erfolge zu verzeichnen, resümiert Sandkühler: „Die bearbeiteten Flächen haben sich wider Erwarten gut entwickelt.“

Denn seit dem Beginn im April 2018 habe es den ganzen Sommer über kaum geregnet. „Trotzdem hatten wir deutliche Blühaspekte, besonders die Kornblume und verschiedene Kreuzblütler wie Ackersenf dominierten auf dem Höver-Damm“, erläutert die Diplom-Biologin. Der Damm in Bilm dagegen werde von einem starken Distelwuchs dominiert. „Das wiederum lieben die Tagfalter als Nahrungspflanze, trotzdem haben wir uns entschlossen, erneut zu mähen und nochmal neu einzusäen.“

Schwalbenschwänze sind geschlüpft

Ein Hauhechelbläuling, ganz frisch auf einer Kornblume geschlüpft. Quelle: Carola Sandkühler

Eine ganz besondere Überraschung habe es im April gegeben. „Bei 24 Grad flogen an den Flächen bei Bilm mehr als ein Dutzend frisch geschlüpfte Schwalbenschwänze umher“, freut sich Sandkühler. Denn der Schwalbenschwanz, der größte und schönste Tagfalter in Norddeutschland, sei in seinem Vorkommen gefährdet. Diesen Schmetterling bekomme man sonst nur einzeln zu sehen, weiß die die NVN-Vorsitzende aus eigener Erfahrung. „Ich freue mich, dass wir es geschafft haben, dem Schwalbenschwanz schon im ersten Jahr für seinen gesamten Lebensrhythmus etwas Gutes zu bieten.“

Dies deute auf ein biologisch gesundes Umfeld hin, das für die Eiablageplätze, die Raupenfutterpflanzen sowie die Überwinterung als Puppe erforderlich sei. An den bearbeiteten Lärmschutzwällen seien die Bedingungen optimal. „Insgesamt haben wir 20 verschiedene Schmetterlingsarten erfasst, die sich im Jahresverlauf in bis zu vier Generationen vermehren können“, sagt die Diplom-Biologin. Die Blumen dort sollten deshalb nicht gepflückt werden, denn sie seien die Lebensgrundlage für die Schmetterlinge und viele weitere Insekten.

Zementwerk will Projekt fortsetzen

Das Zementwerk im Hintergrund ist grau – doch ringsherum blüht es kräftig. Quelle: Privat

Auch für Erik Jantzen, Leiter des Holcim-Zementwerkes Höver, ist das Projekt eine Erfolgsgeschichte. „Wir wollen dieses Projekt deshalb über die reguläre Laufzeit hinaus fortsetzen“, kündigt er an. Denn die biologische Vielfalt auf dem Betriebsgelände sei bereits erhöht worden. Mit den jetzt vorliegenden ersten guten Ergebnissen verlaufe die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Wirtschaft damit wie erhofft: „Darauf wollen wir aufbauen.“

Außer den Informationstafeln bietet der Naturschutzverband auch wieder Exkursionen über die Flächen der Lärmschutzwälle an. Dazu sind alle Interessierten für Sonnabend, 29. Juni, um 15.30 Uhr sowie für Sonnabend, 3. August, um 15 Uhr eingeladen. In der rund einstündigen Führung wird auch über passende Wildblumensaaten für den eigenen Garten oder Balkon informiert. Treffpunkt ist jeweils am Ortsausgang von Höver an der Bilmer Straße.

Projekt soll Betriebsgelände ökologisch aufwerten

Bereits Ende 2017 hatten das Zementwerk Holcim und der Naturschutzverband Niedersachsen (NVN) eine Kooperationsvereinbarung für das Projekt „Lebensraum für Schmetterlinge verbessern“ abgeschlossen. Kurz darauf gab es die erste Förderzusage der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. „Wir freuen uns, dass es mit diesem Projekt gelingt, aktiven praktischen Naturschutz mit Umweltbildungsmaßnahmen zu verbinden“, sagt Geschäftsführer Karsten Behr. Diesem Anliegen sei die Stiftung besonders verbunden.

Finanziell wird das Projekt zudem über EU-Mittel (Europäischer Fond für regionale Entwicklung) sowie vom Land gefördert. Im Rahmen von dessen Sonderförderprogramm „Erhalt der Biologischen Vielfalt in Städten und Dörfern“ soll das Betriebsgelände hinsichtlich seiner ökologischen Nachhaltigkeit aufgewertet werden. Insgesamt wird dieses Umweltprojekt, das offiziell am 1. Februar vergangenen Jahres startete und eine Laufzeit von drei Jahren hat, mit rund 35.000 Euro gefördert.

Von Oliver Kühn

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