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Sehnde Höver: Archivare bewahren Ortsgeschichte
Umland Sehnde Höver: Archivare bewahren Ortsgeschichte
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14:36 29.01.2019
Reimund Wohlgemuth (von links), Dietrich Puhl und Hans-Georg Falter kümmern sich als Archivare des Heimatbundes auch um die Sammlung von Ulrich und Lisa Drews. Diese füllt die vier Schränke hinter ihnen. Quelle: Sandra Köhler
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Höver

Ihr Hauptquartier hat die Archivgruppe der Heimatbundgruppe Unser Höver im Obergeschoss der Turnhalle an der Schützenstraße. Dort tauchen Reimund Wohlgemuth, Dietrich Puhl, Hans-Georg Falter und Torsten Meier tief ab in Dokumente, Fotografien, Karten und andere Artefakte, die viel über die Ortsgeschichte verraten. Jeden Montag von 15 bis 17 Uhr vergraben sie sich dort.„Wer mehr über seine Familie oder bestimmte Höfe wissen will, kann uns ebenso besuchen wie Menschen, die etwa bei einer Wohnungsauflösung Fotos gefunden haben, die ihnen nicht viel bedeuten, aber einen Bezug zu Höver haben“, sagt Puhl.

Einen Großteil ihrer Zeit verwenden die Hobbyhistoriker darauf, den Nachlass von Ulrich Drews zu sichten und auszuwerten. Vier Aktenschränke füllen die Ordner, in denen Drews, der die Heimatstube in den Achzigerjahren betreute, und seine Mutter Lisa feinsäuberlich alle Presseveröffentlichungen über Höver ab dem Jahr 1955 sammelten. „Burgdorfer Kreisblatt und Lehrter Stadtblatt, Hannoversche Allgemeine und Neue Presse, Hannoversche Rundschau: alles was erschienen ist, haben die ausgeschnitten und mit Uhu auf Blätter geklebt und abgeheftet“, sagt Wohlgemuth. Erhalten hat der Verein diese Sammlung im Jahre 2015, und noch ist kein Ende der Beschäftigung abzusehen. „Im Zuge dieser Arbeit hat sich herausgestellt, dass der Anteil, den Lisa Drews daran hat, wesentlich umfangreicher ist, als wir am Anfang gedacht haben“, erläutert Falter.

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Aus der Sammlung von Emmi Dannow stammen Kopien von älteren Dokumenten, die im Original in verschiedenen Archiven zu finden sind. Quelle: Sandra Köhler

Doch nicht nur um die Drewsche Sammlung kümmern sich die ehrenamtlichen Archivare. Faszinierende Einblicke in die Geschichte des Ortes, der 1309 erstmals urkundlich erwähnt wurde, vermitteln Dokumente, die Emmi Dannow dem Verein zur Verfügung gestellt hat. „Die sind älteren Datums, dafür ist sie beispielsweise ins Stadtarchiv nach Hannover und in Kirchenarchive gefahren und hat Kopien gemacht“, sagt Schriftführer Manfred Holaschke. Diese seien wie die alten Schulchroniken teils in alter deutscher Schrift oder Sütterlin abgefasst. „Wir bemühen uns, die zu übersetzen, aber manchmal müssen wir auch aufgeben“, gibt der Vereinsvorsitzende Ernst Köhler einen Einblick in die Herausforderungen der Archivarbeit. „Wir würden uns freuen, wenn es da jemanden gäbe, der uns da noch unterstützt.“

Alte Fotos müssen digitalisiert und archiviert werden. Nicht auf jedem Zeitzeugnis finden sich Entstehungsjahr und Namen der abgebildeten Personen. Quelle: Sandra Köhler

Bei Fotografien, zu deren Digitalisierung der Verein extra einen Scanner angeschafft hat, tun sich andere Schwierigkeiten auf. „Nur auf den wenigsten Fotografien sind das Entstehungsjahr und die Namen der Abgelichteten vermerkt“, sagt Falter. „Und wenn es sich beispielsweise um ein Bild aus dem Jahr 1930 handelt, gibt es nicht mehr viele Höveraner, die wir fragen können.“ Glücksfunde seien etwa Gruppenfotos von Schützenfesten: „Da steht auf den Scheiben immerhin die Jahreszahl“, sagt Falter. Um solch kostbare Zeugnisse für den Ort lange erhalten zu können, wurde professionelles Equipment zur Lagerung angeschafft. Etwa Archivkartons aus säurefreiem Papier.

Doch die Archivare wollen nicht nur historische Zeugnisse bewahren, sondern das dort gesammelte Wissen Bürgern auch zur Verfügung stellen. So habe seinerzeit auch alles mit der Arbeit an der Ortschronik begonnen, erinnert sich Puhl: „Aber wir haben festgestellt, dass es viele Themen gibt, die darin zwar keinen Raum gefunden haben, aber es wert sind, aufgearbeitet zu werden.“ Oder anderen weitererzählt werden können. Ergebnis dieser Überlegung ist das Heimatkundemagazin „Mehr als Mergel“, das der Verein in unregelmäßigen Abständen herausgibt – auf eigene Kosten, ohne städtische Zuschüsse.

Heft drei widmet sich Straßennamen

Die dritte Ausgabe des unregelmäßig erscheinenden heimatkundlichen Heftes „Höver: Mehr als Mergel“ ist fertig. Das Premierenheft erschien im August 2017, Nummer 2 im Februar 2018. Auch diesmal haben sich die Autoren wieder Themen vorgenommen, die keinen Platz in der Ortschronik fanden oder es wert sind, vertieft zu werden. Reimund Wohlgemuth erklärt dabei Straßennamen, die in Höver häufig auf besonderen Gegebenheiten und Persönlichkeiten des Ortes basieren.

Ein zentrales Thema ist und war der Staub und Lärm, der von der Zementfabrik ausgeht und die Gemüter immer wieder erhitzte. Dietrich Puhl widmet sich diesem Thema und zeichnet den Weg zum heutigen Stand nach. Auch die Höverschen Kippen als ganz besonderes Biotop und die Entstehung der Heimatstube Höver werden belichtet. „Wir wollen nicht nur historisch Interessierte ansprechen“, sagt Hans-Georg Falter. Deshalb kommt auch das neue Baugebiet Südwiese zu seinem Recht und wird im Modell vorgestellt. „Es wird immer wieder gefragt, was da genau hinkommt, deshalb wollen wir ein wenig Aufklärungsarbeit leisten“, sagt Manfred Holaschke.

Wie die Vorgänger, die sich mit der Geschichte Hövers und der Zementfabrik sowie dem Lehrschwimmbecken beschäftigten, ist auch das neue Heft in einer Auflage von 300 Exemplaren gedruckt worden. Es wird im Schützenheim und im Kiosk ausliegen. Künftig sollen die Hefte auch im Internet zu finden sein. Doch dazu müsse die neue Seite des Heimatbundes erst an den Start gehen, sagt der Vorsitzende Ernst Köhler: „Wir sind fast fertig.“

Von Sandra Köhler