Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sehnde Carl Jürgen Lehrke – Das waren seine wichtigsten Projekte
Umland Sehnde

Sehnde: Das Wachstum der Stadt stand immer im Mittelpunkt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:51 30.10.2019
18 Jahre lang hat Carl Jürgen Lehrke die Geschicke Sehndes mitgeprägt. Quelle: Olvier Kühn
Sehnde

Sehnde wächst kontinuierlich

Für Carl Jürgen Lehrke stand während seiner Amtszeit vor allem das Wachstum der Stadt im Mittelpunkt. Den Slogan „Sehnde – ganz nah draußen“ setzte er maßgeblich praktisch um. Die Stadt ließ er vor allem mittels neuer Baugebiete wachsen und lockte mit günstigem Baugrund im Speckgürtel von Hannover junge Familien in die Stadt. Sie senkten den Altersdurchschnitt erheblich – Sehnde gilt als jüngste Kommune in der Region. Lehrke verabschiedete in seiner Amtszeit 81 Bebauungspläne, davon 15 in seiner Amtszeit als ehrenamtlicher Bürgermeister. Die Anzahl der Einwohner wuchs von 22.200 (2004) auf mehr als 24.200 (2014). Auch die Gewerbegebiete expandierten, sodass sich in Sehnde auch neue Arbeitgeber niederließen.

Eines der neueren Baugebiete ist das Gebiet Kleines Öhr. Quelle: Oliver Kühn (Archiv)

Sehnde präsentiert sich als familienfreundliche Stadt

In Lehrkes Amtszeit wurde der Slogan „Familienstadt Sehnde“ kreiert. Dass dies nicht nur ein Titel war, den sich die Stadt selbst verpasste, musste die Verwaltung immer wieder beweisen. In den ersten Jahren als hauptamtlicher Bürgermeister brachte Lehrke die ersten Krippen auf den Weg und weitete die Betreuungszeiten in Kindertagesstätten sowie die Zahl der Hortplätze aus. Erstmals ermöglichte die Stadt privaten Trägern, Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt zu eröffnen. Das ließ sich die Stadt eine Menge Geld kosten. „Wenn man etwas verspricht und Familien in die Stadt locken will, muss man das auch halten“, sagte Lehrke immer. Neubürger werden bis heute mit Rucksäcken mit kleinen Geschenken und allem Wissenswerten über Sehnde persönlich begrüßt.

Lesen Sie auch: Der Marathon-Mann verlässt das Rathaus

Der bunte Zaun ist das Markenzeichen: Die Krippe Spatzennest an der Achardstraße. Quelle: Achim Gückel (Archiv)

Sehnde wird Teil der Börderegion

Mit den Bürgermeistern der Nachbargemeinden Algermissen, Harsum und Hohenhameln gründete Lehrke die ILEK-Börderegion. Das Integrierte ländliche Entwicklungskonzept, kurz ILEK, zielt darauf ab, den ländlichen Raum gleichzeitig als Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturraum weiterzuentwickeln. Ziel ist es, die Menschen in der ländlichen Region besser zu vernetzen. Für die vier Kommunen gibt inzwischen einen gemeinsamen Kultur- und Veranstaltungskalender sowie eine Radwegekarte.

Das Landschaftsfenster zwischen Wehmingen und Wirringen ist ein Projekt der ILEK-Böderegion. Quelle: Katja Eggers (Archiv)

Schulen werden stetig erweitert und modernisiert

Die Kooperative Gesamtschule (KGS) Sehnde wurde bereits zu Anfang der Amtszeit Lehrkes auf Ganztagsbetrieb umgestellt. Dafür musste eine Mensa gebaut werden. Auch danach wurde die Schule nach und nach etwa mit einer Turnhalle und einem Selbstlernzentrum erweitert. Eine große Herausforderung stellte der Brand der Turnhalle im Jahr 2016 dar. Die Planungen für eine neue Halle dauerten unter anderem wegen der Grundstücksfindung mehrere Jahre. Der Rat brachte den Bau von zwei neuen Hallen am Trendelkamp und einen Erweiterungsbau der Schule an der Waldstraße im vergangenen Jahr auf den Weg. Auch mehrere Sehnder Grundschulen sind inzwischen Ganztagsschulen mit Mensabetrieb und Nachmittagsangebot.

Die Bauarbeiten an der Grundschule in Höver kommen voran. Die Schule braucht mehr Räume für ihren Ganztagsbetrieb. Quelle: Oliver Kühn (Archiv)

Umgehungsstraße bringt Gewerbe in die Stadt

Die Kommunale Entlastungsstraße war für die Stadt ein Meilenstein in der neuern Geschichte. Das Millionenprojekt wurde 2009 eröffnet. Die Umgehungsstraße verläuft zwischen Rethmar und Köthenwald. Laut Lehrke war die Umgehung die Voraussetzung für die weitere Gewerbeansiedlung im Osten von Sehnde. Die Sehnder Innenstadt wurde damit erheblich vom Verkehr befreit. Ohne die Straße wäre auch die heutige Entwicklung der Innenstadt so nicht möglich gewesen. Die Stadt profitiert von der Ansiedlung Gewerbetreibender und plant auch die Erweiterungen seiner Gewerbegebiete.

Carl Jürgen Lehrke (rechts) und der Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch eröffnen 2009 die Kommunale Entlastungsstraße. Quelle: Archiv

Kaliberg soll künftig Naherholung dienen

Von seinem Büro aus konnte Lehrke die Begrünung der ehemaligen Kalihalde, im Voksmund „Kalimandscharo“, gut verfolgen. Der Bergbau gehöre zu Sehnde, sagte er immer. Ziel sei es gewesen, mit dem begrünten Berg Naherholung und Natur für die Sehnder zu schaffen. Noch ist das nicht ganz gelungen. Die Begrünung der Halde soll noch bis 2021 dauern. Dennoch ist Lehrke stolz darauf, an dem Projekt mitgewirkt zu haben: Die Feste oben auf dem Kaliberg, die die Stadt in Zusammenarbeit mit Kali+Salz auf die Beine stellte, waren sehr erfolgreich und machten Sehnde auch in der Region bekannt.

Die Abdeckung der Kalihalde kommt voran. Im Jahr 2021 soll Schluss sein und der Berg freigegeben werden. Quelle: Katja Eggers (Archiv)

Energieversorgung bringt Geld ins Stadtsäckel

Auf dem Weg zur Privatisierung der Sehnder Wasserwirtschaft erfolgte zunächst die Gründung der Stadtwerke. Damit löste man diesen Teil der städtischen Aufgaben aus der Verwaltung hinaus. Die Energieversorgung Sehnde (EVS) wurde wenig später als Unternehmen und Tochter der Stadt gegründet, um zusätzlich die Versorgung der Sehnder mit Gas übernehmen zu können. Heute hält die Stadt an dem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen 70 Prozent der Anteile, Avacon gehören die restlichen 30 Prozent.

Die städtische Tochter Energieversorgung Sehnde (EVS) ist ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen. Quelle: Privat (Archiv)

JVA ist einer der größten Arbeitgeber

Das Kabinett der Niedersächsischen Landesregierung beschloss im November 1998 den Bau der Justizvollzugsanstalt (JVA) Sehnde, um der Überbelegung der anderen niedersächsischen Gefängnisse zu begegnen. Im Frühjahr 2002 wurde der Grundstein für das Gefängnis am Schnedebruch gelegt, im Dezember 2004 zogen die ersten Strafgefangenen ein. Das Gefängnis auf einem Gelände von mehr als 15 Hektar, das 534 Haftplätze besitzt, ist eine der größten Haftanstalten Niedersachsens. Mit knapp 300 Mitarbeitern ist es nach dem Klinikum Wahrendorff und der Stadtverwaltung einer der größten Arbeitgeber Sehndes.

Die JVA ist einer der größten Arbeitgeber in Sehnde. Quelle: privat

Waldbad wird für Millionen saniert

Vor knapp zehn Jahren startete die Sanierung des Sehnder Waldbads. Das Freibad aus den Dreißigerjahren wurde dabei für einen Millionenbetrag rundum erneuert. Auch dies war keine leichte Entscheidung für die politischen Entscheidungsträger. Um die Bürger mitzunehmen, stellte die Stadt verschiedene Varianten für die Sanierung vor und startete eine Meinungsumfrage. Auch das Lehrschwimmbecken Höver wurde in den vergangenen Jahren für viel Geld saniert. Lehrke hält die beiden Einrichtungen „für die Lebensqualität der Sehnder für unverzichtbar“.

Das Waldbad Sehnde wurde vor einigen Jahren erneuert. Quelle: Reiner Luck (Archiv)

Flüchtlingshilfe wird zum Erfolgsmodell

Die Flüchtlingskrise stellte auch die Stadt Sehnde vor große Herausforderungen. Die Stadt richtete eine neue Stelle im Rathaus ein, die sich seitdem um die Bedürfnisse der Asylbewerber kümmert. Zusammen mit dem Flüchtlingshilfeverein konnte der Ansturm gut bewältigt und die neuen Mitbürger gut integriert werden. Lehrke ist stolz darauf, „dass die Stadt Sehnde keine Turnhalle zur Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung stellen musste.“ Mit kreativen Ideen wurde etwa ein Hotel in eine Sammelunterkunft umgewandelt oder eine Wohnung im ehemaligen Jugendfreizeitheim umgebaut.

Auf dem Gelände des Bundessortenamtes befindet sich zurzeit die Sehnder Flüchtlingshilfe. Quelle: Patricia Oswald-Kipper (Archiv)

Ehrenamt ist für Sehnde unverzichtbar

Carl Jürgen Lehrke hat in den vergangenen Jahren 107 Ehrenamtskarten ausgegeben – zuletzt im September 32 auf einen Schlag. Lehrke hält das Ehrenamt für „unverzichtbar, was man gar nicht genug würdigen kann“. Ohne die freiwilligen Helfer würde es in der Stadt nicht laufen, sagt er. Besonders die Feuerwehr liegt ihm dabei am Herzen. Ohne die ehrenamtlichen Einsatzkräfte sei der Brandschutz nicht sicherzustellen. Er setzte sich deshalb für den Neubau und den Anbau mehrerer Feuerwehrhäuser ein. Die Ehrenamtlichen müssten auch spüren, dass sie unterstützt werden – um sie für ihre Arbeit zu begeistern und zu halten. Er selbst ist seit Jahren in der Feuerwehr Sehnde aktiv und half auch beim Löschen Turnhalle Waldstraße aktiv mit.

Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke übergibt die Ehrenamtskarten an die Lesepatinnen Monika Ellers (links) und Monika Brockmeyer. Quelle: Patricia Oswald-Kipper (Archiv)

Von Patricia Oswald-Kipper

Für Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke endet eine lange Amtszeit. 18 Jahre, davon mehr als 14 Jahre als hauptamtliches Stadtoberhaupt und Verwaltungschef, hat der 62-Jährige hinter sich. Eine Bilanz.

30.10.2019

Die Einwohner von Sehnde-Bilm beschäftigen sich seit Wochen mit ihrem Wintermarkt. Der findet zwar erst am 23. November statt, wird aber schon jetzt eifrig vorbereitet.

29.10.2019

Das Hannoversche Straßenbahn-Museum in Sehnde-Wehmingen feiert mit einem Aktionstag zum Motto „Herbststimmung“ am Donnerstag, 31. Oktober, den Abschluss einer erfolgreichen Besuchersaison. Auf dem Programm stehen an diesem Tag unter anderem ein Laternenumzug sowie ein Feuerwerk.

28.10.2019