Sehnde: Die Corona-Notbetreuung in Sehndes Kitas läuft gut
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Sehnde Corona-Notbetreuung in Sehndes Kitas läuft gut
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Sehnde: Die Corona-Notbetreuung in Sehndes Kitas läuft gut

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13:55 30.03.2020
Die Kita Spatzennest ist geschlossen. In anderen Einrichtungen der Stadt Sehnde gibt es eine Notbetreuung. Quelle: Sybille Heine
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Sehnde

Abstand halten ist das Zauberwort in Zeiten der Corona-Krise. Doch was heißt das für die Erzieherinnen, die die Notbetreuung von 39 Kindern in sieben der 14 Kindergärten in der Stadt Sehnde übernommen haben? „Der Abstand von eineinhalb Metern kann nicht eingehalten werden“, sagt Bürgermeister Olaf Kruse. Schutzanzüge und Masken seien ebenfalls tabu, denn sie würden die Kinder erschrecken. „Der Erziehungsberuf bringt besondere Herausforderungen mit sich. Meine Wertschätzung für diese Berufsgruppe ist noch weiter gestiegen, weil sich die Erzieherinnen zurzeit einem Risiko aussetzen“, betont der Verwaltungschef.

Jedes Zahnrad ist wichtig

Immerhin würden nur Kinder von Eltern betreut, die zu sogenannten systemrelevanten Berufsgruppen wie Ärzten, Pflegepersonal und Polizisten gehören – die aber gleichzeitig vermehrt möglichen Infektionen ausgesetzt seien. „Die Erzieherinnen tragen dazu bei, dass das Gesamtsystem funktioniert“, unterstreicht Kruse. „Jedes Zahnrad hat Relevanz.“

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„Die Notbetreuung läuft gut“, zieht Katharina Strauß, städtische Fachdienstleiterin Kindertagesstätten und Jugend, eine erste Bilanz. Es gebe keine kritischen Nachfragen von Eltern, die nicht in den Genuss der Sonderbehandlung kommen. Die Anmeldung läuft über die städtische Homepage. Dort findet sich ein Anmeldebogen. Die Vergabe der Plätze wird zentral durch die Verwaltung geregelt. Werden normalerweise 25 Kinder pro Gruppe betreut, sind es jetzt nur fünf.

„Nicht jedes Kind kann allerdings in seiner Stammkita betreut werden“, sagt Strauß. Wenn es für eine Einrichtung nur eine Anmeldung gebe, sei es nicht sinnvoll, das einzelne Kind dort allein zu betreuen. Eltern müssten einen Standortwechsel in Kauf nehmen, hätten aber bisher Verständnis für die Umstellung gezeigt. Die Teams in den Notbetreuungsgruppen sollten möglichst konstant bleiben.

Kinder kommen gut klar

Die Kinder kommen offenbar gut mit der veränderten Situation klar – das hat die Fachdienstleiterin von den Erzieherinnen erfahren. „Sie schließen neue Freundschaften. Es gibt weniger Probleme,als sich Erwachsene das vorstellen“, sagt Strauß. Sollten die Kindergärten nach fünf Wochen wieder geöffnet werden und der normale Betrieb starten, sei es nicht möglich, so zu tun, als sei nichts gewesen. „Wir müssen die Kinder dort abholen, wo sie gerade in der Entwicklung stehen und notfalls erneut eine Eingewöhnungsphase anbieten“, erklärt die Fachdienstleiterin.

Erzieher bereiten sich auf Zeit nach der Krise vor

150 pädagogische Mitarbeiter, Erzieher, Sozialassistenten, Heil- und Sozialpädagogen beschäftigt die Stadt Sehnde. Ein Drittel sei zurzeit nicht im Dienst, weil die Mitarbeiterinnen zur Risikogruppe gehören, Resturlaub in Anspruch nehmen, Überstunden abbauen oder wegen Krankheit ausfallen, sagt Katharina Strauß, städtische Fachdienstleiterin Kindertagesstätten und Jugend. Die meisten Erzieherinnen seien in der Notbetreuung eingesetzt. Der Rest habe Arbeiten übernommen, für die im normalen Betrieb zu wenig Zeit zur Verfügung stehe. „Sie bringen die Einrichtung auf Vordermann, überarbeiten die pädagogische Konzeption, bereiten Elterngespräche vor und nach, erstellen Entwicklungsbögen für die Kinder, planen Fortbildungen, machen Teambesprechungen und basteln Dekoration passend zur Jahreszeit“, zählt Strauß die Tätigkeiten auf. Die Zeit werde gut genutzt. Geplant werde auch der Wiedereinstieg nach der Corona-Krise. Wie es nach dem 20. April weitergehe, sei aber noch offen. Es seien Freistellungen bei vollem Gehalt möglich.

Auch Olaf Kruse denkt perspektivisch. Solange Corona das Land im Griff habe, würden die Kita-Beiträge erstattet, sagt er. Erstmalig ab April werde diese Beschlusslage umgesetzt. Jede Kommune entscheide selbst, ob sie die Gebühren aussetze. Sehnde habe sich als Familienstadt dafür entschieden, sagt der Bürgermeister. In Sehnde gebe es insgesamt 1025 Betreuungsplätze in Kindergärten, Krippen und Horten, davon seien 875 städtisch, und 150 gehören zu freien Trägern. Die Gebührenbefreiung koste pro Monat rund 95.000 Euro. „Ob wir im Mai in ruhigeres Fahrwasser kommen, hängt von uns allen ab“, betont Kruse.

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Von Sybille Heine