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Sehnde Flüchtlingsfrauen lernen Fahrrad fahren in Rethmar
Umland Sehnde

Sehnde: Flüchtlingsfrauen lernen Fahrrad fahren in Rethmar

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11:09 28.09.2019
Flüchtlingsfrau Nadja meistert den Hütchen-Parcours, Tinka Dittrich (links) vom ADFC gibt Anweisungen. Quelle: Katja Eggers
Rethmar

Lafa Kahlil lenkt ihr Fahrrad konzentriert um die Hütchen herum. Sie ist noch etwas unsicher, aber auch sehr, sehr stolz. Denn Lafa Kahlil kann jetzt Fahrrad fahren. Sie ist eine von elf Flüchtlingsfrauen aus Syrien, Somalia, Afghanistan und dem Irak, die in Rethmar einen Fahrradkurs besucht haben. „Das ist eine Premiere“, sagt Ortrud Mall, Vorsitzende des Vereins Flüchtlingshilfe Sehnde, der das Training organisiert hat. Den Wunsch dazu hatten die Frauen geäußert, denen Fahrradfahren in ihrer Heimat oft verboten war.

Am Freitagnachmittag endete der Kurs. Zum Abschluss bekamen die Teilnehmerinnen von Mall nicht nur eine Teilnahmebescheinigung überreicht, sondern von der Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe auch ein Fahrrad zur Verfügung gestellt. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung spendete die passenden Kopfbedeckungen: Regionalverlagsleiter Torsten Schirmer überreichte den Frauen elf Fahrradhelme. „Die Aktion ist sehr unterstützenswert, ich bin begeistert, was die Frauen geschafft haben“, sagte er anerkennend.

Regionalverlagsleiter Torsten Schirmer überreicht den Flüchtlingsfrauen die Fahrradhelme. Quelle: Katja Eggers

Am Anfang trainieren die Frauen auf Tretrollern

In der Tat ist das Erreichte keine Selbstverständlichkeit. „Jemand der als Kind Radfahren gelernt hat, kann gar nicht nachvollziehen, wie schwer das für Erwachsene ist“, erklärte Mall. In ihren Heimatländern hätten die Frauen keine Möglichkeit gehabt, Radfahren zu lernen. Mitunter sei es sogar verboten gewesen. Weil Frauen in ihren Ländern zudem oftmals kein Bein zeigen dürfen und lange Gewänder tragen, sei Fahrradfahren keine Option gewesen, sagte Mall.

In Rethmar trugen die meisten Flüchtlingsfrauen beim Fahrradtraining Hosen. Zwei Wochen lang haben sie jeden Nachmittag auf dem Gelände des ehemaligen Bundessortenamtes geübt. Tinka Dittrich vom ADFC Hannover hat ihnen das Radfahren mit einem speziellen Konzept beigebracht. Es heißt „Moveo ergo sum“, was so viel bedeutet wie „Ich bewege mich fort, also bin ich“. Los ging es an den ersten Tagen erst einmal auf Tretrollern. Die Frauen trainierten damit zunächst, das Gleichgewicht zu halten, nach links und recht zu lenken und im Kreis zu fahren.

Die Frauen probieren ihre neuen Helme aus. Quelle: Katja Eggers

Ein großes Stück Freiheit

Am fünften Tag stiegen die Teilnehmerinnen dann auf kleine Klappräder um. Später kam das normale Damenfahrrad dazu. „Ziel des Konzeptes ist es, die Frauen ganz langsam an das Fahrrad heranzuführen“, erklärte Dittrich. Der erste und eigentlich auch wichtigste Schritt sei aber gewesen, dass sich die Frauen überhaupt entschieden hätten, Fahrradfahren zu lernen. Im Kurs haben sie nun die Grundlagen gelernt. „Wichtig ist aber auch, dass sie nach dem Kurs nun wirklich aufs Rad steigen und fahren“, betonte Dittrich.

Die neu erworbene Fähigkeit bedeutet für die geflüchteten Frauen, dass sie ein großes Stück Freiheit gewonnen haben. „Sie sind jetzt viel mobiler und müssen zum Einkaufen oder Arzt nicht mehr mit dem Bus fahren“, erklärte Mall. Möglich wurde der Kurs aber auch deshalb, weil sich ehrenamtliche Helfer während des Trainings um die Kinder der Frauen kümmerten.

Gekostet hat der Kurs rund 800 Euro. Die Lotto-Sportstiftung hat das Projekt mit 500 Euro unterstützt. Ein weiterer Fahrradkurs ist für Frühjahr 2020 geplant.

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Von Katja Eggers

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