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Sehnde Kandidaten stehen zwei Stunden lang Rede und Antwort
Umland Sehnde

Sehnde: HAZ-Forum zur Bürgermeisterwahl im KGS-Forum

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18:06 07.05.2019
Moderator Oliver Kühn (von links) befragt zwei Stunden lang Amtsinhaber Carl Jürgen Lehrke und dessen Herausforderer Olaf Kruse. Quelle: Achim Gückel
Sehnde

Nein, krawallig und laut ist dieser Wahlkampf um das Bürgermeisteramt in Sehnde nicht. Deswegen ist er aber noch längst nicht langweilig. Das ist am Montagabend beim hervorragend besuchten HAZ-Forum zur Bürgermeisterwahl im Forum der Kooperativen Gesamtschule deutlich geworden.

Wer soll vom 1. November an für sieben Jahre Bürgermeister Sehndes sein: Carl Jürgen Lehrke (links) oder Olaf Kruse? Quelle: Achim Gückel

Moderator und HAZ-Redakteur Oliver Kühn nahm dort vor deutlich mehr als 150 Gästen Amtsinhaber Carl Jürgen Lehrke (CDU) und dessen Herausforderer Olaf Kruse (SPD) zwei Stunden lang ins Kreuzfeuer der Fragen. Diese hatten zuvor die Leser an die Redaktion übermittelt. Dabei wurde schnell deutlich: Die beiden Kontrahenten pflegen einen respektvollen Umgangston. In manchen Dingen, die das öffentliche Leben in Sehnde betreffen, weichen ihre Ansichten auch nicht wirklich weit voneinander ab. Aber es gibt auch ein paar Themen, die Kruse anders sieht als der Amtsinhaber.

Lehrke: Manche Projekte brauchen Zeit

Da ist zum Beispiel die Frage, warum knapp drei Jahre nach dem verheerenden Brand der Sporthalle an der Waldstraße noch nicht einmal mit dem Neubau an der Chausseestraße begonnen wurde. Manche Projekte bräuchten Zeit, antwortet Lehrke. Grundstücksverhandlungen und Standortfindung seien nicht einfach gewesen. Dafür beginne man nun aber mit dem Bau der KGS-Erweiterung, immerhin 17 Klassenräume, auf der Fläche der abgebrannten Halle – und müsse dafür keinen einzigen Baum im angrenzenden Papenholz fällen. Kruse nennt die Angelegenheit mit der neuen Sporthalle hingegen ein „Reizthema“, und er selbst habe sich „durchaus etwas mehr Zügigkeit“ bei der Angelegenheit gewünscht.

Gut 150 Gäste kommen zum HAZ-Forum. Quelle: Achim Gückel

Später geht es um das immer wieder mal heiß diskutierte Thema einer Beheizung für das Wasser im Waldbad. Wann es diese denn endlich geben werde, zitiert Moderator Kühn eine der Leserfragen. Lehrke betont, die Sache werde derzeit geprüft. Da sich ein Freibad aber niemals kostendeckend betreiben lasse, müsse man sehen, „was uns diese Heizung wert ist“. Kruse hingegen erinnert an die Modernisierung des Waldbads vor einigen Jahren. Schon damals habe die SPD den Einbau einer Heizung angeregt. „Wir konnten uns aber nicht durchsetzen“, sagt der Sozialdemokrat.

Kandidaten sehen Entwicklung der Wirtschaft unterschiedlich

Auch bei der Einschätzung, wie sich Sehndes Wirtschaft in den vergangenen Jahren entwickelt hat, gehen die Meinungen der Kandidaten auseinander. Lehrke spricht von einer statistischen Zunahme bei der Anzahl der Beschäftigten von 65 Prozent in den vergangenen 20 Jahren. Das sei ein großer Erfolg für die Stadt. Kruse bemängelt hingegen, dass die Stadt in den vergangenen Jahren nicht in der Lage gewesen sei, neue Gewerbeflächen auszuweisen. Das sei erst jetzt zwischen Borsigring und Umgehungsstraße möglich – und zwar nur auf Druck aus der Politik.

Kruse: Neue Wohnungen sind sehr hoch im Preisniveau

Und schließlich ist da noch das Thema von neuem, bezahlbarem Wohnraum. Diese Aufgabe dürfe man nicht allein den Privatunternehmen überlassen, meint Kruse. Was zuletzt an Wohnungen in der Stadt geschaffen worden sei liege „sehr hoch im Preisniveau“. Lehrke kontert: Allein im neuen Baugebiet Maschwiesen entstünden jetzt 36 Wohnungen für Mieter mit Berechtigungsschein. Auch auf dem Gelände der Keramischen Hütte werde bezahlbarer Wohnraum entstehen.

In vielen Themen sind sich Lehrke, der seit 2005 hauptamtlicher Bürgermeister Sehndes ist, und Kruse, der im Rat der Stadt die SPD-Fraktion führt, indessen ziemlich einig. Eine nachhaltige Belebung der Mittelstraße etwa könne man zwar politisch forcieren, letztlich seien es aber die Sehnder selber, die über das Schicksal der Einkaufsmeile entschieden. „Wenn da nur wenige hingehen, dann wird es schwierig“, sagt Lehrke. „Es steht und fällt mit denen, die dort einkaufen“, meint Kruse. Der Sozialdemokrat vergleicht indessen alle bisherigen Versuche, die Mittelstraße mehr nach vorn zu bringen, als Maßnahmen der Ersten Hilfe. Es sei aber „eine Operation“ nötig, um nachhaltig etwas zu bewirken. Man müsse den Branchenmix verbessern und dafür mehr Wirtschaftsförderung betreiben.

Mit dem Assewasser ist niemand glücklich

Beim Streitthema „Assewasser“, das vielen Sehndern Sorgen bereitet, runzeln indessen der Amtsinhaber und sein Herausforderer gleichermaßen die Stirn. Dass die Einleitung der Zutrittswässer aus der Asse in das Sehnder Kalibergwerk genehmigt sei, erfreue niemanden, meint Lehrke. Immerhin sei es aber gelungen, Nebenbestimmungen zum Umgang mit dem Wasser durchzusetzen. „Das ist das, was wir erreichen konnten“, sagt Lehrke – und erinnert daran, dass die Flutung des Bergwerks voraussichtlich schon in zwei Jahren erledigt und Sehnde in Sachen Assewasser ohnehin nur „die Zweitlösung“ sei. Kruse lobt bei dem Thema ausdrücklich die Bürgerinitiative, die gegen das Assewasser kämpft. Diese habe den politischen Diskussionen wichtige Impulse gegeben.

Nach zwei Stunden endet die Fragestunde mit den Kandidaten. Gezofft haben sie sich nicht. Aber mindestens in den Zwischen- und Untertönen ist deutlich geworden, dass die beiden Männer durchaus unterschiedliche Herangehensweisen haben, wenn es im die Sehnder Kernthemen gibt.

„Was nehmen Sie als erstes in Angriff?“

Das wird auch bei der Abschlussfrage deutlich. Moderator Kühn will wissen, welche Angelegenheit sie als erste in Angriff nehmen würden, wenn sie zum Bürgermeister gewählt werden. „Ich würde mir erstmal das Personal anschauen und eventuell anders positionieren“, sagt Kruse. Lehrke antwortet schließlich, wie es von einem Amtsinhaber zu erwarten ist: „Ich habe viele Prozesse in Gang gebracht. Die möchte ich gern weiterführen.“

Die zwei Kandidaten für das Bürgermeisteramt

Olaf Kruse (56, SPD) ist in Bolzum aufgewachsen und 1996 nach Wehmingen gezogen. Seit dem Jahr 2001 hat er einen Sitz im Rat der Stadt, mehr als fünf Jahre ist er dort mittlerweile Vorsitzender der SPD-Fraktion. Seit der jüngsten Kommunalwahl ist Kruse auch Ortsbürgermeister seines Heimatdorfs, wo er sich nicht nur für die Kommunalpolitik, wo er sich nicht nur für die Kommunalpolitik, sondern auch ehrenamtlich in der Feuerwehr engagiert. Der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte und diplomierte Verwaltungswirt arbeitet seit 1984 bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Hannover. Kruse ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder.

Carl Jürgen Lehrke (61, CDU) ist waschechter Sehnder und bereits seit mehr als 30 Jahren in seiner Heimatstadt politisch aktiv. 18 Jahre ist er Bürgermeister der Stadt, seit seiner ersten Wahl im Jahr 2005 versieht er diesen Posten als Hauptamtlicher. Der gelernte Landwirt und Vater dreier erwachsener Kinder sowie Großvater zweier Enkel ist aktives Mitglied der Feuerwehr, wo er noch immer zur Einsatzabteilung gehört. Er engagiert sich außerdem in einer Reihe von Sehnder Vereinen. Unter anderem ist Lehrke im Vorstand des Kulturvereins aktiv.

Von Achim Gückel

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