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Sehnde Interview mit dem neuen Sehnder Bürgermeister
Umland Sehnde

Sehnde: Interview mit dem neuen Sehnder Bürgermeister

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00:20 03.06.2019
Ist ab 1. November neuer Chef im Sehnder Rathaus: Olaf Kruse (SPD). Quelle: Oliver Kühn

Zunächst einmal Gratulation zu Ihrem Wahlerfolg. Wie war die Nacht danach?

Ganz normal. Ich habe bis weit nach Mitternacht mehr als 80 Mails und ebenso viele WhatsApp-Nachrichten beantwortet, danach gut geschlafen und war sogar noch vor dem Wecker wach.

Welche Reaktionen haben Sie erfahren?

Sehr positive. Viele Glückwünsche, auch von Menschen, die ich bei meinen Haustürgesprächen erstmals getroffen habe. Auf der Straße habe ich schon oft hochgestreckte Daumen bekommen. Viele sagten, sie hoffen, dass ich meine Wahlversprechen halte. Daran lasse ich mich auch messen, denn Integrität und Glaubwürdigkeit sind mir wichtig.

Gab es auch negative Reaktionen, etwa Anfeindungen per Mail oder in sozialen Medien?

Nein, nur manchmal Zweifel oder Skepsis, ob sich wirklich etwas ändert. Wer Wünsche oder Anregungen hat, soll das ruhig kommunizieren, auch wenn vielleicht nicht alles umsetzbar ist.

Sind Sie stolz, der einzige SPD-Wahlsieger weit und breit zu sein?

Ich bin zufrieden, nicht stolz. Denn nach dem Stolz kommt der Übermut. Es ist der Erfolg einer kontinuierlichen Arbeit. Das war ein Langstreckenlauf, schließlich mache ich seit 2001 Kommunalpolitik. Ich will diesen Sieg auch nicht ausleben, denn jemand ist durch dieses Ergebnis ja auch betroffen.

Warum war dieser Erfolg gerade in Sehnde möglich?

Die Sehnder wollten den Wechsel. Es gab für mich vorher schon ein klares Signal, dass es gut sei, wenn das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters nach mehr als 14 Jahren mal wieder jemand anderes macht. „Zeit für Veränderung“ war ja auch mein Wahlkampfmotto.

Hätten Sie es ohne die Grünen geschafft?

Die Zusammenarbeit mit den Grünen war ein wesentlicher Baustein. Alles Weitere ist Spekulation, aber es wäre wohl schwieriger geworden und hätte mit drei Kandidaten vermutlich eine Stichwahl gegeben.

Macht Sie das nicht künftig in Ihren Entscheidungen ein bisschen abhängig?

Als Bürgermeister bin ich politisch neutral. Ich bin Sozialdemokrat, aber die Grünen haben meinen Blick auf Umweltpolitik geschärft. Die Grünen in Sehnde sind auch keine Dogmatiker, und jede Partei ist eigenständig.

Ihre Ratsgruppe aus SPD und Grünen hat künftig ein Mandat mehr. Welche Auswirkungen hat das?

Die Gruppe SPD-Bündnis 90/Die Grünen hat 15 Sitze, und die Stimme des Bürgermeisters aus den Reihen der SPD kommt hinzu. Bei 34 Sitzen im Rat benötigt diese Gruppe damit nur noch zwei weitere Stimmen für eine Mehrheit.

Spielen Sie damit auf die neue Gruppe Unabhängig für Sehnde (UfS) mit Hartmut Völksen und Fritz Wilke an?

Ich pflege mit Herrn Völksen einen freundschaftlichen Umgang und unterhalte mich auch mit Herrn Wilke, habe aber nicht das Netz ausgeworfen. Das ist Sache meines Nachfolgers an der Fraktionsspitze.

Ihre besten Ergebnisse haben Sie in Bolzum und Höver, Ihr Heimatort Wehmingen folgt erst an dritter Stelle. Wie kommt das?

Ich bin in Bolzum geboren und aufgewachsen, der Ort ist sozialdemokratisch geprägt wie auch Höver. In Wehmingen hatte ich nur 32 Stimmen Vorsprung, vielleicht wollten ja einige Bürger ihren Ortsbürgermeister behalten. Ich bin den Wehmingern aber nicht gram, sondern will alle überzeugen, dass der richtige Mann im Rathaus sitzt.

Wie beurteilen Sie die gestiegene Wahlbeteiligung?

Ich freue mich über jeden, der mehr zur Wahl geht. Eine tiefergehende Analyse ist mir nicht möglich. Aber die Menschen wollten eine Veränderung, deshalb ist mir das Ergebnis auch eine Verpflichtung.

Wie wird sich Ihr Leben nun verändern? Gehören Anzug und Schlips künftig auch dazu?

Ich bin kein ausgewiesener Schlipsträger, eher Sakko mit offenem Kragen. Nur bei besonderen Anlässen wie Ehrungen mit dem Bundesverdienstkreuz werde ich Krawatte tragen. Auch beim Neujahrsempfang kann ich mir das vorstellen. Aber ich glaube nicht, dass sich mein Leben nun wesentlich verändern wird, ich leiste ja jetzt schon täglich zwei bis drei Stunden kommunalpolitische Arbeit zusätzlich zu meinem Beruf. „Die Sendung mit der Maus“ werde ich mir sonntags weiterhin anschauen, denn ich bin ein absoluter Maus-Fan, seit ich die Sendung mit meinen Kindern gesehen habe. Die Leute schauen jetzt vielleicht, wo und was meine Frau und ich kaufen. Meine Frau wird mich in der neuen Funktion unterstützen, aber dabei bleibt sie die Frau des Bürgermeisters und wird nicht zu „Frau Bürgermeister“.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre neue Aufgabe vor?

Anfang August werde ich meinen jetzigen Job beenden, ich habe noch einiges an Urlaub und auf dem Zeitkonto. Ich hoffe, dass ich mich dann im Rathaus schon mit einbringen kann, um mithilfe des noch amtierenden Bürgermeisters einen fließenden Übergang hinzukriegen. Ich werde mir Regelungen anschauen und mich in Vorgänge einlesen.

Planen Sie, den Posten eines Stadtsprechers zu schaffen?

Lassen Sie mich erst mal anfangen, Fachdienstleiter müssen aber auch auskunftsfähig sein.

Sie sagten nach der Wahl, die Rathausmitarbeiter seien an Ihren langjährigen Vorgänger gewöhnt. Wie wollen Sie sie umgewöhnen?

Die Frage ist, ob man sie umgewöhnen muss. Sie müssen sich an mich gewöhnen und ich mich an sie. Ich will mit allen Gutes für Sehnde erreichen. Ich erwarte volle Leistung, will außer fordern aber auch fördern. Ich will Dinge delegieren und Verantwortung abgeben, das natürlich aber auch überprüfen. Bei Fehlern will ich gemeinsam nach Lösungen suchen. Es ist auch wichtig zu wissen, wo es private Probleme gibt, weshalb die Arbeitskraft leidet.

Was sagt Ihre Familie zu Ihrem Wahlsieg und Ihrer neuen Zukunft?

Die freuen sich alle. Meine Schwester etwa war bei jeder Veranstaltung, mein Sohn hat meine Internetpräsenz optimiert, meine Frau und Tochter haben die Briefe an die Jungwähler quergelesen. Sogar meine Mitarbeiter aus Süddeutschland haben den Liveticker der HAZ mitverfolgt.

Was werden Sie in Ihrem neuen Büro aufhängen oder aufstellen?

Familienbilder gehören zu meinem Schreibtisch. Auch mehr als drei Blumen, denn die verändern das Raumklima. Meine Urkunde als Diplom-Verwaltungswirt werden Sie aber nicht in meinem Büro finden.

Von Oliver Kühn

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