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Sehnde Sehnde: Neuer SPD-Rathauschef Olaf Kruse will Spielführer sein
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Sehnde: Neuer Rathauschef will Spielführer sein

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00:18 30.05.2019
Lässt sich feiern: Wahlsieger Olaf Kruse (links) wird von der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Silke Lesemann geherzt und von seinen Genossen begeistert beklatscht. Quelle: Oliver Kühn
Sehnde

Die SPD kann doch noch gewinnen: Herausforderer Olaf Kruse hat die Bürgermeisterwahl in Sehnde am Sonntag mit 53,9 Prozent der Stimmen deutlich gegen den CDU-Amtsinhaber Carl Jürgen Lehrke (46,1 Prozent) für sich entschieden. Kruse führt dabei nicht nur seinen Wahlkampfmarathon ins Feld, bei dem er an 3700 Haustüren geklingelt habe. „Die Grünen haben ihren Anteil an diesem Ergebnis, weil sie keinen eigenen Kandidaten aufgestellt haben, das war ein großer Vorteil.“ Die Bezeichnung Wahlsieger müsse man deshalb relativieren. Bei der CDU herrscht große Enttäuschung, und Lehrke hat angekündigt, sich nach mehr als 30 Jahren aus der Politik zurückzuziehen. Für die deutliche Niederlage habe er keine Erklärung. „Ich kann mir keinen Reim darauf machen.“

Kruse: Will Verwaltungsabläufe verschlanken

Mit 916 Stimmen vorn zu liegen spreche für einen Rückhalt in der Bevölkerung, sagt Kruse. Der Verwaltungsfachmann, bislang Leiter eines Kompetenzzentrums der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung, will ab November die Abläufe in der Stadtverwaltung verschlanken und effizienter machen. „Es kann nicht sein, dass man drei Wochen auf eine Genehmigung zur Aufstellung eines Foodtrucks warten muss“, nennt der 56-Jährige als Negativbeispiel aus seinem Wahlkampf. „Das muss schneller gehen, die Stadt ist Dienstleister für die Bürger.“ Jetzt freue er sich, die Arbeit von „der anderen Seite des Tisches“ anzugehen. Dazu gehörten vor allem die frühkindliche Bildung, der Bau der Turnhallen und neuer Feuerwehrhäuser.

Zudem wolle er seine Bürgernähe unter Beweis stellen, kündigt Kruse an. Er wolle künftig in alle Ortsteile gehen und dort eine offene Bürgersprechstunde anbieten. „Ich will in der Fläche präsent sein.“ Diese offizielle Form des direkten Kontakts gab es bei Lehrke nicht. Erst einmal muss der neue Rathauschef aber seine Nachfolge in zwei Ämtern regeln – die des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Rat und die des Ortsbürgermeisters in Wehmingen. Zudem muss ein Nachrücker für sein Ratsmandat gefunden werden. Für die Posten könne er sich „nahezu jeden und jede vorstellen“. Das entscheide aber die Fraktion. Auch die Grünen haben neues Selbstbewusstsein getankt. „Wir haben den Bürgermeister mit entschieden“, sagte der Fraktionsvorsitzende Günter Pöser schon am Wahlabend.

Lehrke: Habe guten Job gemacht

Mit Beifall im Stehen zollen die CDU-Mitglieder dem Wahlverlierer Carl Jürgen Lehrke (verdeckt im Sitzen) Respekt. Quelle: Oliver Kühn

Für Lehrke war es am Sonntag ein schwerer Abend, wie er einräumt. Defizite wirft er sich nicht vor. Er habe einen „guten Job“ gemacht. Bei den Berichten der Region Hannover etwa zur Einwohnerentwicklung und zum Gewerbe sei Sehnde bei den Zahlen immer oben gewesen. Die Entscheidung der Wähler müsse er nun akzeptieren. Ob der sich seit 2016 hinziehende Neubau der beiden Turnhallen eine Rolle gespielt habe, will der 61-Jährige nicht bejahen. Seine Ergebnisse seien in fast allen Ortsteilen gleich, und den Bolzumer etwa interessiere das weniger. Allerdings gab es aus vielen Vereinen Kritik an fehlenden Hallenzeiten – und deren Mitglieder kommen nicht nur aus der Kernstadt.

Oder waren die Sehnder nach fast zwei Dekaden mit Lehrke an der Spitze einfach bereit für einen Wechsel? „Das weiß ich nicht“, sagt der Noch-Bürgermeister. Er sei viel unterwegs gewesen, habe beim Brötchenholen gute Gespräche geführt. Ob der 61-Jährige, der mit seiner dritten Kandidatur lange gezögert hatte, vielleicht der falsche Kandidat gewesen war, beantwortet der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Lutz Lehmann mit einem „klaren Nein“: „Die Mitglieder haben ihn einstimmig nominiert, die Bürger wollten aber offenbar einen Wechsel.“ Die Enttäuschung sei deshalb groß, das deutliche Ergebnis habe ihn überrascht.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Hoffmann studiert die ersten Ergebnisse - da war die deutliche Wahlniederlage noch nicht abzusehen. Quelle: Oliver Kühn

Für die Sehnder CDU bedeute dies, sich neu zu orientieren, schließlich habe man einen Bürgermeister verloren. Wie sich die Partei künftig aufstellen wird, stehe aber noch nicht fest. Erst einmal müsse man sich die Ergebnisse genau anschauen und analysieren. Auch dazu, wer Spitzenkandidat für die Kommunalwahlen in rund zwei Jahren sowie die Bürgermeisterwahl in sieben Jahren werden könnte, wollte sich Lehmann noch nicht äußern. „Diese Suche geht nach der Sommerpause los“, kündigt der Stadtverbandschef an. Denn ein Kandidat muss schließlich aufgebaut werden und Zeit haben, sich zu profilieren.

Zeitenwende für Rathausmitarbeiter

Im Rathaus konnten die Bürger die fortlaufende Aktualisierung der Ergebnisse verfolgen. Quelle: Oliver Kühn

Auch für die Rathausmitarbeiter bedeutet der Wahlsieg Kruses eine Zeitenwende. Eine gewisse Betroffenheit war hier und da schon am Sonntag im Rathaus zu spüren. „Ich kann die Unsicherheit gut verstehen, das war über 18 Jahre ja auch eine gewisse Gewöhnung.“ Er wisse zwar, dass er teils den Ruf genieße, ein bisschen ungeduldig zu sein. „Ich sehe mich aber als Spielführer und freue mich auf die Zusammenarbeit.“

Kommentar: Die Grünen waren das Zünglein an der Waage

Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke (CDU) verliert sein Amt, und die SPD erobert nach 18 Jahren das Rathaus zurück – das ist nicht nur eine faustdicke Überraschung, sondern eine kleine Sensation und war in dieser deutlichen Form nicht absehbar. Vielleicht war nach dieser langen Zeit bei vielen Sehndern einfach der Wunsch nach Veränderung groß geworden. Dafür spricht die deutlich bessere Wahlbeteiligung.

Aber das ist nur ein Faktor. Vielmehr dürfte der bundes- und europaweite Aufwind der Grünen den Ausschlag gegeben haben. Die Grünen hatten sich früh auf Herausforderer Olaf Kruse festgelegt, mit dem sie seit drei Jahren in einer Ratsgruppe zusammenarbeiten. Weil die Ökopartei auf einen eigenen Kandidaten verzichtet hat, blieb ihren Wählern somit nur die Wahl für den SPD-Mann.

Und der hatte dafür in dieser Periode den Grundstein gelegt, weil er grüne Politik mit seiner Fraktion in gemeinsamen Anträgen im Rat offensiv verfolgt hatte. Von der Forderung nach einem Verbot von Glyphosat und Pestiziden – die die CDU/FDP-Gruppe nicht einmal diskutieren wollte – bis zum Drängen, mehr Blühstreifen für Insekten anzulegen. Auch die Entscheidung für ein Familienzentrum kommt von den beiden Gruppenpartnern. Auch dagegen hatte die CDU gestimmt, der Bürgermeister hatte sich enthalten.

Bei der CDU heißt es jetzt nicht nur Wunden lecken, sondern es steht vermutlich auch ein Generationswechsel an. Sie muss sehen, wie sie sich künftig als Partei ohne den Amtsbonus eines Bürgermeisters aus ihren Reihen positioniert und neu orientiert – denn in gut zwei Jahren stehen bereits die nächsten Kommunalwahlen an. Vielleicht hat auch das parteiinterne Gezanke der letzten Jahre, bei der die ehemaligen Ratsherren Wolfgang Ostermeyer zur AfD und Hartmut Völksen zur neuen Gruppe Unabhängig für Sehnde (UfS) wechselten, Stimmen gekostet.

Von Oliver Kühn

Von Oliver Kühn

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