Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sehnde Optiker Die Brille am Marktplatz schließt seine Türen
Umland Sehnde

Sehnde: Optiker Die Brille am Marktplatz schließt seine Türen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 07.11.2019
Monika Heitmann und Jürgen Puppe schließen ihr Geschäft zum Ende des Jahres. Quelle: Laura Beigel
Sehnde

Sie haben ihren letzten Arbeitstag bereits vor Augen: Am Sonnabend, 14. Dezember, schließen Monika Heitmann und Jürgen Puppe ihren Laden Die Brille am Marktplatz. Einen Nachfolger haben die beiden Optikermeister nicht gefunden. Somit wird ein weiteres Geschäft in Sehnde künftig leer stehen.

Mehr als 4000 Kunden aus der Stadt und den umliegenden Ortschaften haben ihre Brillen am Marktplatz gekauft. Die persönliche Beratung vor Ort hätten viele Käufer geschätzt, sodass über die Jahre eine besondere Vertrautheit entstanden sei. „Viele der Kunden kenne ich noch, da sind sie an der Hand ihrer Mutter in den Laden gekommen“, erinnert sich Puppe.

32 Jahre Optiker in Sehnde

Seit 32 Jahren ist der heute 68-Jährige Optikermeister in Sehnde. Als Zehnjähriger wollte er noch Medizin studieren, doch das Schicksal lenkte ihn in andere Bahnen. Er begann eine Ausbildung zum Augenoptiker in Hannover und besuchte die Meisterschule in Köln. Von 1987 bis 2006 arbeitete er als technischer Betriebsleiter in einem Augenoptik-Fachgeschäft in Sehnde. 2007 machte sich Puppe schließlich selbstständig, nachdem er von dem neuen Inhaber nicht mehr übernommen worden war.

„Eines Tages ist dann Frau Heitmann hereingeschneit“, beschreibt Puppe den Moment, als ein neues Kapitel seines Geschäftslebens aufgeschlagen wurde. Heitmann hatte zum damaligen Zeitpunkt bereits 16 Jahre lang als Augenoptikerin in Lehrte gearbeitet und beschlossen, einen beruflichen Neustart zu wagen. Am 3. Dezember 2011 eröffnete sie zusammen mit Puppe das Geschäft Die Brille am Marktplatz.

Es war ebenfalls die 65-Jährige, die an den Augenoptikermeister herangetreten ist, um ihn in ihre Pläne für den Ruhestand einzuweihen. „Ich habe gemerkt, dass auch das Leben außerhalb des Geschäfts meine Aufmerksamkeit braucht“, sagt Heitmann. Sie will die neu gewonnene Freizeit vor allem mit ihren Enkelkindern verbringen. Trotzdem möchte sie ihren Dienst nicht komplett quittieren und will deshalb stundenweise bei ihren Söhnen Hendrik und Steffen in Lehrte arbeiten.

Wenn das Brillengeschäft schließt, steht ein weiterer Laden am Marktplatz leer. Quelle: Laura Beigel

Puppe konnte sich anfangs nicht mit dem Ruhestand anfreunden: „Ich habe ein halbes Jahr mit mir gerungen, ob ich den Laden nicht allein weiterführen kann.“ Doch inzwischen habe er sich mit dem Gedanken angefreundet, sodass beide Inhaber voller Vorfreude auf ihre Pension blicken. Am Sonnabend, 7. Dezember, verhängen sie einen Annahmeschluss für mögliche Aufträge, wollen aber schon vorher den Betrieb schrittweise drosseln.

Konkurrenz durch Internet und Angebot in Hannover

„Wenn wir drei Augen hätten, würde eins lachen und zwei würden weinen“, sagt Puppe. „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir noch zehn oder 20 Jahre weitermachen können.“ In den acht Geschäftsjahren habe es dennoch einige merkliche Veränderungen gegeben. Zum einen habe die Konkurrenz durch das Optiker-Großangebot in Hannover und zahlreiche Internetanbieter merklich zugenommen.

Zum anderen habe die Stadt an Attraktivität verloren, meinen die beiden Betreiber. Obwohl durch die Neubaugebiete viele Menschen nach Sehnde gezogen seien, würden sich nur wenige von ihnen in die Innenstadt verirren. Viele der Geschäftsleute seien zudem – wie sie selbst – in die Jahre gekommen und neue Gründer kaum vorhanden. „Nur wenige haben den Mut zu sagen: Ich mache das“, sagt Heitmann.

Kaum was los: Unter der Woche gibt es nur wenig Laufkundschaft auf der Mittelstraße. Quelle: Laura Beigel

Deshalb war es auch ihnen nicht gelungen, einen Nachfolger zu finden. Nur ein einziger Interessent habe sich die Räumlichkeiten angeschaut, sich aber schließlich doch nicht getraut. Deshalb wird der Laden im Dezember geräumt: Ein Sozialkaufhaus nehme gut erhaltene Möbelstücke mit, einige Brillenfassungen wandern nach Lehrte zu ihren Söhnen. Nach der Schließung sollen Kunden dort ebenfalls aufgefangen und weiter betreut werden.

Alles hängt von der Edeka-Erweiterung ab

Wenn das Brillengeschäft schließt, gibt es am Sehnder Marktplatz nur noch einen Friseur, die Eisdiele und eine Fußpflege. Demnächst wird es neben dem Brillengeschäft noch einen weiteren Leerstand geben, wenn die dortige Beratungsstelle schließt. Zwei andere Läden stehen immer wieder leer, doch die Stadt spricht dabei nicht von Leerständen, sondern von Zwischenvermietungen bis zur geplanten Erweiterung des Edeka-Marktes an der Mittelstraße. An den Mieten könne es nicht allein liegen, sagt Ines Raulf vom Stadtmarketing. Diese seien laut Immobilienatlas „nicht unüblich hoch“.

Raulf räumt ein, dass die Kundenfrequenz am Marktplatz und an der Mittelstraße zu wünschen übrig lasse, wovon auch der Wochenmarkt betroffen sei. Mehr Besucher in die Innenstadt zu bekommen, hänge deshalb entscheidend von der geplanten Edeka-Erweiterung ab – sozusagen als Anker für das gesamte Gewerbe. Deshalb sei im Einzelhandelsgutachten vor vier Jahren auch dieser Standort mit Expansionsmöglichkeiten für den Lebensmittelversorger ausdrücklich festgeschrieben worden: „Wenn er wegginge, wäre die Mittelstraße tot.“

 Doch die Umgestaltung ist wegen der Enge in der Innenstadt schwierig und zieht sich schon seit rund zwei Jahren hin. Dafür brauche man einen langen Atem, sagt Raulf. Handel und Gewerbe an der angrenzenden Peiner Straße dagegen florierten – dies ist jedoch die Bundesstraße 65 mit viel Durchgangsverkehr.

Die Zukunft für die Mittelstraße und den Marktplatz sieht Raulf in der Gastronomie mit Restaurants oder Cafés, nach denen besonders immer wieder Neubürger fragten. „Aber derzeit ist dort nichts frei“, bedauert sie. Auch bei der Aufenthaltsqualität sei noch viel Luft nach oben. Die Bemühungen des Arbeitskreises Ortszentrum aus Politik und Verwaltung mit Spielgeräten, Sitzblumen, Pflanzringen und besonderen Aktionen haben aber bislang keinen durchschlagenden Erfolg gebracht.

Lesen Sie auch

Von Laura Beigel

Chronisch krank sein heißt nicht, keinen Spaß (mehr) am Leben zu haben. Teilnehmerinnen des ersten Kurses der Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben (Insea) in Sehnde haben sich jetzt nach einem Vierteljahr zum Erfahrungsaustausch wiedergetroffen.

07.11.2019

Der Sehnder Ratsherr Hartmut Völksen hat Ex-Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke (CDU) einen „krassen Verstoß gegen Datenschutzgrundsätze“ vorgeworfen, indem er interne Unterlagen unrechtmäßig weitergeleitet haben soll. Lehrke bestreitet das.

06.11.2019

Im Sehnder Ortsteil Rethmar ist ein Jaguar verschwunden – und zwar eine riesige Nachbildung der eleganten Kühlerfigur. Die mehr als 2,50 Meter lange, rund 80 Kilo schwere silberfarbene Skulptur stand vor dem MTV-Vereinshaus. Vor ein paar Tagen wurde sie gestohlen.

06.11.2019