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Sehnde Politiker machen Druck: Stadt soll Blühstreifen anlegen
Umland Sehnde Politiker machen Druck: Stadt soll Blühstreifen anlegen
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14:08 22.02.2019
Ackerrandstreifen sollen in Sehnde mit Blütenpflanzen versehen werden. Quelle: Oliver Kühn (Archiv)
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Sehnde

Die Sehnder Politiker im Stadtentwicklungsausschuss sind sich einig, dass sich die Stadt Sehnde beim Thema Artenvielfalt stärker einbringen muss. Die Verwaltung soll kommunale Grünflächen nach und nach mit Blühstreifen versehen. Das Thema wollen die Politiker im Sehnder Dialog auch mit den Bürgern diskutieren.

Fakt ist, dass die Zahl der Insekten deutschlandweit in den vergangenen 25 Jahren massiv zurückgegangen ist. Betroffen seien auch die heimischen Bienenarten – mit erheblichen ökologischen Folgen, sagt Günter Pöser, Fraktionschef der Sehnder Grünen. „Wir sind uns da über alle Fraktionen hinweg einig, dass da mehr getan werden muss.“ Die Grünen fordern in ihrem Antrag daher die Ansaat von Blühpflanzen auf städtischen Grünflächen. Die Mitarbeiter des Bauhofs sollen die Flächen danach so mähen, dass eine dauerhafte Erhaltung ohne erneutes Einsäen möglich ist. Weiterhin sollen laut dem Antrag kommunale Wegeseitenränder an Feld und Wirtschaftswegen für den „Natur- und Artenschutz revitalisiert“ werden. Die Grünen fordern etwa, dort standortheimische Gehölze zu pflanzen und der natürlichen Entwicklung zu überlassen oder auch mehrjährige Blütenpflanzen einzusäen.

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In Bevölkerung herrscht breiter Konsenz

Für Pöser ist klar, dass dieser Vorstoß für die Verwaltung eine Umstellung im Konzept und in der Pflege der städtischen Flächen bedeutet. So müssten die Mitarbeiter des Bauhofs im Sinne des Erhalts von Blühstreifen oder Wiesenflächen etwa auf den Einsatz eines Mulchmähers verzichten, sagt Pöser. Dennoch sieht er den Weg hin zu den Blühstreifen für unumgänglich. „Dazu herrscht auch in der Bevölkerung ein breiter Konsens.“

Der Grüne ist aber auch der Meinung, dass jeder Einzelne etwas für die Artenvielfalt tun kann. Deshalb habe sich der Ausschuss auch entschieden, das Thema in den Sehnder Dialog zu bringen. Beim Sehnder Dialog werden Themen aus den Ausschüssen herausgenommen, mit den Bürgern diskutiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht. „Wir brauchen dazu viel mehr Information und Aufklärung“, sagt Pöser. Denn es könne jeder in seinem Garten schon durch die Aussaat von Blütenpflanzen etwa für mehr Artenvielfalt sorgen. Auch müsse man den Leuten erklären, warum es nicht immer Sinn mache, den Garten etwa im Herbst von allem Laub zu befreien. Und auch kleinere Waldflächen wie das Papenholz müssten nicht immer aufgeräumt sein, da Totholz etwa Insekten ein Zuhause biete.

Der Stadtentwicklungsausschuss stimmte dem Antrag der Grünen schließlich zu. Die Mitglieder hätten sich nun darauf verständigt, bei der Verwaltung Druck zu machen, damit die Blühstreifen an einigen Stellen noch in diesem Jahr realisiert werden können, sagt der Vorsitzende Edgar Bäkermann (SPD). Die Verwaltung soll bereits in den nächsten Wochen konkrete Informationen zum Thema Artenvielfalt liefern. Unter anderem soll sie darin konkrete Flächen benennen, auf denen Blühstreifen möglich sind und wie sie diese bewirtschaften will. „Wir werden da jetzt dranbleiben“, sagt Bäkermann.

Grüne wollen Randstreifen von Landwirten zurückholen

In einem zweiten Antrag wurde die Verwaltung damit beauftragt zu klären, an welchen Stellen kommunale Ackerrandstreifen von den Landwirten zurückgewonnen werden können, um diese ebenfalls zur Stärkung der Artenvielfalt in Blühstreifen umzufunktionieren. Pöser hat dazu auch schon eine Idee, wie die Verwaltung ohne eigenes Personal zügig zu Ergebnissen kommen kann: Studenten könnten im Rahmen eines Projektes Karten vergleichen und damit die notwendige Datengrundlage schaffen, um potenzielle Flächen zu identifizieren. „Die Verwaltung soll dazu jetzt mit der Uni Hannover Kontakt aufnehmen“, sagt Pöser. Er macht aber auch klar, dass man die Landwirte nicht als Gegner sieht: „Wir wollen sie mit ins Boot holen.“

Von Patricia Oswald-Kipper

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