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Springe Platz 253: Darum ist Springe keine Stadt für Fahrradfahrer
Umland Springe Platz 253: Darum ist Springe keine Stadt für Fahrradfahrer
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19:01 10.04.2019
Laut der Erhebung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs macht Radeln in der Stadt aber wenig Spaß.       Quelle: Foto: Ralf T. Mischer
SPRINGE

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club stellt Springe ein miserables Zeugnis in Sachen Fahrradfreundlichkeit aus. In der Städtewertung seines aktuellen Fahrradklimatests landet die Deisterstadt im Vergleich mit Städten ähnlicher Größe nicht nur auf einem abgeschlagenen 253. Platz – von 311 Plätzen. Laut der Erhebung der Fahrrad-Lobbyisten hat sich die Fahrradfreundlichkeit in Springe im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2016 auch stark verschlechtert.

Im Rathaus macht man kein Geheimnis daraus, dass es um die Fahrradfreundlichkeit in der Stadt am Deister – noch – nicht zum Besten stehe. Aber die Verwaltung hat immerhin allen Grund, darauf zu verweisen, dass sie ja etwas unternommen habe: Immerhin hat die Stadt im Jahr 2016 ein Fahrradkonzept entwickelt, dessen Vorschläge aber von Teilen der Politik ausgebremst und deshalb nur halbherzig bis gar nicht umgesetzt wurden. So wundert es nicht, dass Fachbereichsleiter Jörg Klostermann einräumt, dass Springe nicht besonders fahrradfreundlich ist: „Wir haben da erheblichen Nachholbedarf.“

Allerdings könne sich die Verwaltung auch nur an den Prioritäten abarbeiten, die von der Politik gesetzt würden. Und dabei erkennt Klostermann ein „SechzigerjahreDenken“, das von der Vorliebe für Autos geprägt sei. Um Springe fahrradfreundlicher zu machen, müsse den Radlern aber der Vorrang vor dem Autoverkehr eingeräumt werden.

In Niedersachsen auf Platz 35

110 Teilnehmer haben sich an der Erhebung des Fahrrad-Clubs beteiligt, insgesamt stellen die Befragten der Stadt in Sachen Radfreundlichkeit die Schulnote 4,2 aus. Niedersachsenweit landet die Stadt im Vergleich mit ähnlich großen Kommunen auf Rang 35 von 37.

Die Teilnehmer der Umfrage finden allerdings auch Dinge, die nicht ganz so schlecht sind: So wird etwa die Erreichbarkeit des Zentrums mit dem Rad mit der Note 2,7 bewertet. Die Tatsache, dass Einbahnstraßen für Radler in die Gegenrichtung geöffnet wurden, erhält immerhin eine Drei. Ganz schlechte Noten kassieren allerdings die Breite der Radwege (5), die Führung an Baustellen (5) und das Angebot öffentlicher Fahrräder (5,2) – all das ist in Springe gar nicht vorhanden.

Besonders negativ fällt den Befragten auch auf, dass es, laut ihrer Einschätzung, kaum eine Fahrradförderung in jüngster Zeit gab.

„Das wundert mich nicht“, sagt Elke Thielmann-Dittert, Grünen-Ratsfrau, die sich immer wieder für die proaktive Förderung des Radverkehrs einsetzt. Generell hält sich Springe vom Terrain sehr geeignet fürs Radfahren – bis auf wenige Bereiche am Deister, die zu steil sind.

Allerdings müsse man „davon wegkommen, die Radfahrer in eine Ecke“ drängen zu wollen, „das Auto ist nicht allein selig machend“. Die Planer müssten aufhören, Straßen nur für den Durchgangsverkehr zu planen, sondern für die Anlieger – „für die muss man planen, nicht für den Durchgangsverkehr“.

Fachbereichsleiter Klostermann verspricht indes, dass sich derzeit zumindest ein großes Projekt in der Vorbereitung befinde, bei dem ein Konzept für den Alltagsradverkehr entwickelt werde – und zwar im Rahmen des integrierten ländlichen Entwicklungskonzepts.

Klostermann stellt jedoch klar, dass es, seiner Einschätzung nach, nur dann gelingen könne, die Stadt fahrradfreundlicher zu machen, wenn „man den Radfahrer in den Kopf der Autofahrer“ bekomme. Heißt: Der Autofahrer sollte wissen, dass Radfahrer unterwegs sind und aus der nächsten Kreuzung ein Radler einbiegen könnte.  

 

 

Von Ralf T. Mischer