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Springe Erst Fundstücke sichern – dann bauen
Umland Springe

Ausgrabung im Neubaugebiet zur Schille in Bennigsen

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17:56 26.12.2019
Fundstücke und Finder: Mirko Langguth von der Stadt (von links), Regionsarchäologin Ute Bartelt, Atilla Kis von Archäofirm, Ortsbürgermeister Jörg Niemetz, Archäofirm-Geschäftsführer Tobias Poremba, HRG-Geschäftsführer Matthias Böhle und Projektleiterin Sabine Daues besichtigen das geplante Baugebiet Zur Schille in Bennigsen. Quelle: FOTOS
Bennigsen

Es fing damit an, dass Ute Bartelt dieses Gefühl im Bauch hatte, dass da was sein könnte. Und wenn Bartelt nach dem Blick auf eine Karte ein Gefühl hat, dann rollt wenig später meist ein Bagger. Gebaut wird dann fast immer auch, aber erst später. So ist das auch beim geplanten Baugebiet Zur Schille, wo die Regionsarchäologin jetzt gemeinsam mit einem Grabungsteam eine Siedlung aus der Zeit vor Christi Geburt entdeckt. Alle Befunde werden dokumentiert, die Funde gesichert. Danach erst kann das Baugebiet entstehen.

Im Vorfeld habe es in dem Bereich sehr viele Nachweise für eine Besiedlung in der Jungsteinzeit gegeben, sagt Bartelt. „Am Süllberg und am Steinkrug etwa gibt es auch Grabhügel“, weiß die Regionsarchäologin, die für die Stadt Springe immer dann einspringt, wenn Bauprojekte dort entstehen, wo die Vergangenheit Spuren hinterlassen haben könnte. Denn die Stadt hat mit der Region einen Vertrag darüber geschlossen, dass diese sich um die Sicherung, Erschließung und Dokumentation von Grabungsfunden kümmert.

Ute Bartelt irrte sich nicht

Vor einem Jahr rollte deshalb erstmals der Bagger des Unternehmens Archaeofirm. Damals wurden sogenannte Sondagen angelegt, um festzustellen, ob Bartelt mit ihrem Gefühl richtig lag – ob da wirklich etwas zu finden ist. Sie lag richtig. Derzeit wird das künftige Baugebiet deshalb Erdklumpen für Erdklumpen untersucht.

„Man muss sich den Boden wie eine Schwarzwälder-Kirschtorte vorstellen – die hat auch verschiedene Schichten – und durch die arbeiten wir uns durch“, erläutert die Regionsarchäologin. Käme der Bagger fürs Baugebiet, würde der, wie die Kuchengabel, alles durcheinanderbringen. Und die Relikte der Vergangenheit wären wild durcheinandergewirbelt.

Damit das nicht passiert, werden vorher die Befunde – das sind etwa Verfärbungen der Erde, die darauf schließen lassen, dass dort Pfosten im Boden steckten – dokumentiert. „Wir messen aus, wo sie sind, fotografieren sie und zeichnen sie in einer Karte ein.“ Dabei werden auch Funde gemacht: Scherben von Tongefäßen, Reste von Spangen oder Handwerksgeräten. Bei der Grabung in Bennigsen etwa wurde neben einer Menge Scherben auch eine Spinnwirtel gefunden. „Das ist ein Gewicht für eine Handspindel – und ein klarer Hinweis darauf, dass in den Häusern auch Handwerk betrieben wurde“, sagt Bartelt.

Mattias Böhle, Geschäftsführer der Hannover Region Grundstücksgesellschaft, würde gern jetzt schon bauen. Geht nur nicht, weil eben vor sehr langer Zeit schon einmal gebaut worden ist. „Wir planen hier den Bau von 56 Einfamilienhäusern“, sagt der Bau-Manager. Die Nachfrage sei riesig, stellt er heraus – aber mit steigendem Aufwand für die Archäologie sei auch mit steigenden Kosten für die Bauherren zu rechnen. Ortsbürgermeister Jörg Niemetz (CDU) jedenfalls ist voll des Lobes für das Bauvorhaben: „Das ist das größte Projekt seit vielen, vielen Jahren“, sagt er. Fast täglich träfen bei ihm Anfragen ein, wie und wo denn die Häuser zu kaufen seien.

„Es ist etwas Besonderes“

Auf die Frage, ob die Entdeckung der Siedlung eine große archäologische Sensation sei, zuckt Bartelt mit den Schultern. Dann setzt sie an: „Es ist das erste Mal, dass bei Bennigsen eine größere historische Siedlungsfläche geöffnet und freigelegt wurde. Also ist es etwas Besonderes.“ Aber Archäologie sei immer etwas Besonderes. Immerhin gäbe es aus der Zeit vor Christus keine schriftlichen Überlieferungen.

Die Funde, die jetzt entdeckt worden seien, lieferten gute Hinweise darauf, wie die Ur-Bennigser gelebt hätten. Und: Der Siedlungsplatz an der Schille habe schon damals optimale Bedingungen geboten. „In 500 Metern Entfernung gab es Wasser, gleichzeitig bekam man in der Niederung keine nassen Füße.“

Für die aktuelle Siedlung, sagt Böhle, solle im kommenden Jahr mit der Vermarktung begonnen werden. „Die ersten Häuslebauer könnten dann im Jahr 2021 starten.“

In den kommenden Tagen wird aber erst einmal weitergegraben. Tobias Poremba, Geschäftsführer der ausführenden Grabungsfirma Archaeofirm aus Langenhagen, schätzt, dass die letzten Funde und Befunde in der ersten Januarwoche aus dem Boden gesichert werden können.

Die Grabungsarbeiten in der Schille sind übrigens so etwas wie eine Amtshilfe der Region für die Stadt. Denn Springe beschäftigt keine eigene archäologische Fachkraft. Stattdessen springt die Regionsarchäologin ein – die Stadt Springe bezahlt für die Leistungen; ähnlich wie die Städte Langenhagen oder Neustadt am Rübenberge.

Kosten werden eingepreist

Dass vor dem Bauen gegraben wird, findet HRG-Chef Böhle übrigens richtig. „So müssen sich künftige Hausbesitzer nicht mit Archäologie-themen beschäftigen – und die Preise für die Untersuchung sind bereits in den Kosten für die Häuser drin.“ Die aktuelle Prognose der Expertin ist, dass die Siedlung aus der Zeit vor Christi Geburt stammt. Genauere Daten soll eine Analyse der Keramikfundstücke liefern. „Archäologie ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, sagt Bartelt.

Dann rollt schon wieder der Bagger. Er nimmt im nächsten Untersuchungsabschnitt die Erde vom Boden und arbeitet sich bis zu der Erdschicht, also der Zeit vor, in der die Siedlungsspuren zu erwarten sind. Danach ist Handarbeit gefordert: Die Archaeofirm-Mitarbeiter tragen mit einer Kelle die Erde ab. Scherben, Werkzeuge und andere Fundstücke werden herausgelesen. Sie sind zu erkennen als winzige Einsprengselungen im Boden.

Und auch die Befunde werden in einer Karte eingezeichnet und fotografiert. „Wir Archäologen sind wie ein CSI-Team im Fernsehen. Alle Spuren werden fein säuberlich festgehalten“, erläutert die Regionsarchäologin. Und nachdem die Archäologen fertig sind, sind alle Spuren weg. Dann kann – endlich – gebaut werden.

Das jüngste Bauprojekt der HRG in Springe ist am Großen Graben in der Kernstadt. Die Grundstücke auf der 95 000 Quadratmeter großen Fläche sind komplett verkauft und größtenteils bebaut. Entstanden sind frei stehende Einfamilienhäuser.

Von Ralf T. Mischer

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