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Bauern erklären moderne Landwirtschaft

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16:07 08.07.2019
Am Zuckerrübenfeld erklärt Andreas Fürstenau den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.             Quelle: Patricia Szabo
Gestorf

Um Feldfrüchte und deren Anbau zu erklären, aber auch, um Vorurteile auszuräumen, hat der Betrieb Vera von Ilten am Wochenende interessierte Bürger zu einer Fahrradtour nach Gestorf eingeladen. „Wir haben verschiedene Stationen vorbereitet und möchten zeigen, was wir im ersten halben Jahr gemacht haben“, sagte der Landwirt Andreas Fürstenau, der die Gäste auf der Radtour begleitete.

„Die Bevölkerung weiß gar nicht, was wir eigentlich tun“, so Fürstenau weiter. Medien und gefährliches Halbwissen seien schuld daran, dass konventionelle Landwirtschaft negativ behaftet sei. „In einer Stammtischrunde mit Landwirten haben wir im Januar entschieden, den Vorurteilen entgegenzuwirken, und die Bürger gefragt, was sie sich unter der Landwirtschaft vorstellen“, erläuterte Fürstenau, wie die Idee des Konzepts „Bauer trifft Bürger“ entstanden ist. Bereits die erste Diskussionsrunde sei ein Erfolg gewesen und habe rund 40 Interessierte angelockt.

Nachts optimale Bedingungen fürs Spritzen

Noch immer sorgten konventionelle Landwirtschaftsbetriebe mit großen Maschinen, Nachtfahrten und Pflanzenspritzen für Unbehagen, sagte Fürstenau. „Nachts haben wir optimale Bedingungen, weil die Luftfeuchtigkeit meist über 75 Prozent beträgt. Außerdem herrscht dann weniger Wind und man kann punktueller spritzen“, klärte der Landwirt über die nächtlichen Einsätze auf. Auch die Thermik sei nachts besser, denn tagsüber gelängen die Pflanzenschutzmittel aufgrund der Wärme schneller in die Atmosphäre. „Wir nutzen auch Glyphosat“, sagte Fürstenau. Der stark in die Kritik geratene Unkrautvernichter töte laut dem Landwirt „alles, was Chlorophyll enthält“, also Pflanzen – jedoch keine Tiere.

Anhand von Nullparzellen werde deutlich, wie sehr sich das Pflanzenschutzmittel auf den Ertrag der Ackerfrüchte auswirkt. Nullparzellen sind kleine Abschnitte, an denen weder mechanische noch chemische Maßnahmen zum Einsatz kommen und Landwirte beobachten können, wie sich die Feldfrüchte ohne Pflanzenschutzmittel entwickeln. Hier wird besonders deutlich: Wo auf Herbizide, also Unkrautvernichtungsmittel, verzichtet wurde, wuchert das Unkraut ungehindert.

Pflanzenschutzmittel beugen Bodenerosion vor

Pflanzenschutzmittel helfen nach Angaben von Fürstenau, der Bodenerosion entgegenzuwirken, weil keine wendende Bodenbearbeitung notwendig sei.

110 000 Rüben pro Hektar wachsen auf den Feldern rund um Gestorf. Gespritzt wird nach Angaben der Bauern aber nicht nur gegen das Unkraut: „Wir benutzen weitere Mittel gegen Blattläuse, die ein Virus übertragen, aber auch Spurenelemente und Flüssigdünger“. Wie fortgeschritten die Arbeit im Gegensatz zu früher sei, verdeutlichte der Landwirt an einem Beispiel: „Früher haben Frauen und Kinder jede Reihe von Hand gepflegt und brauchten von Aussaat bis zur Ernte rund 400 Stunden.“

Bei intensiver Landwirtschaft werde auch auf den Bodenschutz großen Wert gelegt. Anhand eines Bodenquerschnitts erklärte Bezirkslandwirt Björn Estorf die Beschaffenheit: „Die Landwirte sind abhängig vom Boden und müssen ihn kennen.“ Besonders der Boden unterhalb des Mutterbodens müsse erhalten werden, da dieser Wasser speichere und nicht vermehrt werden könne.

Hinter dem Zuckerrübenfeld wachsen Kartoffeln. „Hier werden Pommes-Kartoffeln für McDonald’s angebaut.“ Laut Estorf benötigt gerade diese Sorte besonders viel Dünger, weil die Pommes mindestens acht Zentimeter lang sein müssen: „Diese Kartoffeln bekommen doppelt so viel Stickstoff wie normale Speisekartoffeln.“

Von Patricia Szabo