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Springe CDU-Fraktionschef kritisiert Diskussion über Dorfbüros
Umland Springe CDU-Fraktionschef kritisiert Diskussion über Dorfbüros
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18:50 03.04.2019
Über die Dorfbüros des Rathauses wird seit Monaten diskutiert. Quelle: Mischer
Springe

„Dieser ganze Aufstand erschließt sich mir einfach nicht.“ Als erster Ratspolitiker erklärt CDU-Fraktionschef Wilfred Nikolay klar und deutlich, dass er die vier Verwaltungsaußenstellen in den Ortsteilen für verzichtbar hält. Kurz vor der entscheidenden Ratssitzung müsse man sich von Eitelkeiten freimachen. „Es gibt viel wichtigere Dinge in Springe, um die wir uns kümmern sollten, als um diesen Quatsch.“

Drei Monate haben sich die Diskussionen in den Ortsräten fast ausschließlich um die Zukunft der Stadtteilbüros gedreht. Bürgermeister Christian Springfeld will sie ab Mai testweise schließen und stattdessen einen Fahrservice zum zentralen Rathaus etablieren. Gedacht ist der für Springer, die keine andere Möglichkeit haben, zum Burghof zu kommen.

In den Ortsteilen gab es zuerst Bedenken, dann immer lautere Kritik und mehrere unterschiedliche Anträge zu dem Thema. Die SPD brachte als Alternative zum Fahrservice die Einführung eines Bürgerkoffers ins Spiel: Mit ihm sollen Verwaltungsmitarbeiter Hausbesuche absolvieren können.

Die SPD-Forderung liegt zwar seit mehreren Tagen auf dem Tisch, kam aber für die weiteren politischen Beratungen zu spät. Der Verwaltungsausschuss lehnte die Schließungspläne in seiner Sitzung vor einer Woche mehrheitlich ab, fand aber keinen neuen gemeinsamen Nenner. Im Rat dürfte es deshalb spannend werden.

Die CDU-Fraktion hat keinen Antrag formuliert. Warum, erklärt der Vorsitzende Nikolay: Es gebe sehr unterschiedliche Meinungen zu dem Thema – jedes Mitglied dürfe frei entscheiden. Er selber habe sich die Diskussion bislang „etwas aus der Distanz angeschaut“, denn: „Wir in Altenhagen haben seit 16 Jahren keine eigene Außenstelle mehr. Und meinen Sie, die vermisst hier jemand? Die vermisst niemand.“ Die Dorfbüros seien ein Relikt der Vergangenheit – auf einem Level zu nennen mit Brieftauben und Telefonzellen. Wer sich an sie klammere, solle sich zugestehen, „dass es ihm vor allem um Eitelkeiten geht“.

Was Nikolay an der Debatte wundert: In der Zielvereinbarung der CDU und der SPD sei die Schließung der vier kleinen Rathausniederlassungen schon vor längerem vereinbart worden. „Wir waren uns bei dem Thema relativ einig. Und jetzt gibt es da eine Rolle rückwärts.“ Kosten sparen könne man so nicht.

Kritik gibt es aber nicht nur in Richtung der politischen Partner von der SPD. Auch Bürgermeister Springfeld habe sich zuletzt nicht geschickt verhalten. Der Verwaltungschef wiederholte mehrfach, dass er sich in Sachen Personalverteilung nicht vom Stadtrat reinreden lassen wolle. „Aber wenn das keine Sache ist, über die die Politik entscheiden soll, was ist denn dann eine Sache der Politik?“, fragt Nikolay. Der Rat dürfe und müsse gestalten können, ob es die Außenstellen gibt und – falls sie wegfallen – welche Alternativen aufgebaut werden.

Von Marita Scheffler