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Springe Diskussion um Rückkehr zu G9
Umland Springe Diskussion um Rückkehr zu G9
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19:33 25.01.2019
Diese Schilder bleiben im Schrank: Im kommenden Jahr werden die Schüler im OHG kein Abitur machen. Quelle: FOTO
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Springe

Es war ein Hin und Her. 2011 legten Niedersachsens Gymnasiasten erstmals nach zwölf Jahren ihr Abitur ab. 2015 hat das Kultusministerium beschlossen, doch wieder zum Abitur nach 13 Jahren zurückzukehren. Für die Jugendlichen sei das eine klare Chance, sagt Kerstin Prietzel, Schulleiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG). Aber die Abschaffung des Turbo-Abis hat nicht nur Vorteile. Nadine Rische, Oberstufenkoordinatorin am OHG, befürchtet besonders bei Wiederholern, dass die Schulzeit zu lange dauern würde und somit die Motivation irgendwann fehlen könnte.

Ebenfalls bedauerlich sei, dass der Beginn der zweiten Fremdsprache nicht wieder in den Jahrgang sieben verschoben wurde, so Prietzel. Mit der Einführung von G8, also acht Jahre lang das Gymnasium zu besuchen, wurde die zweite Fremdsprache ab dem sechsten Jahrgang unterrichtet. „Das ist schlecht an G9“, sagt Prietzel. Klar ist auch: Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren bedeutet nicht, dass alles wieder so wird, wie es einmal war, ergänzt Oberstufenkoordinator Ralf Decker, der die Abschaffung des Turbo-Abiturs generell begrüßt.

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Sowohl etwas Gutes als auch etwas Schlechtes, sieht Anastasia Adamski, Schülersprecherin und Schülerin des elften Jahrgangs, in der Neuregelung: „Zum einen hat G9 einen Vorteil für all diejenigen, die noch nicht wissen, was sie nach der Schule machen wollen, oder für die leistungsschwächeren Schüler.“ Andererseits sei die längere Schulzeit für die Gymnasiasten schlecht, die bereits einen Plan haben und unabhängig sein wollen. „Dieses Jahr wiederholen wir ja vieles einfach nur.“

Doch genau in diesem Punkt sieht Prietzel eine Chance. Die Schüler haben mehr Zeit zur Vertiefung der Themen und ein Jahr zum Orientieren. Und auch Decker sieht in dem zusätzlichen Jahr einen Vorteil: „G9 bietet bessere Bedingungen für einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt.“ Die Zahl der Interessenten sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Außerdem hätten die Schüler wieder „mehr Zeit zum Lernen“. Rische ergänzt, dass durch G9 weniger Nachmittagsunterricht stattfinden müsse. „Das ist eine große Entlastung, auch für die Lehrer.“

Aus Sicht der Lehrer sei es außerdem ein klarer Vorteil für die Schüler, dass zwischen einem Leistungs- und einem Grundkurs genauer unterschieden wird. Die Änderung sieht vor, dass die Kurse auf erhöhtem Niveau fünfstündig unterrichtet werden, für Kurse auf grundlegendem Niveau sind lediglich drei Stunden pro Woche vorgesehen. Die Differenzierungen seien sehr gut, „auch wenn das für den Stundenplan schwieriger wird“, sagt Prietzel. Bei einem Stundenplankonzept mit doppelstündigem Unterricht sei es zwar eine kleine, aber durchaus überwindbare Hürde. „Als sich abzeichnete, dass G9 wiederkommt, habe ich mich sehr gefreut“, sagt Prietzel. Wenn den Schülern durch G9 ein bisschen Druck genommen werde, sei das gut. „Lernen ist eigentlich großartig“, betont Prietzel.

Im OHG wird im Schuljahr 2018/2019 der letzte Jahrgang nach zwölf Jahren Abitur machen. Dann ist ein Jahr Pause. Erst im Schuljahr 2020/2021 bringt das Gymnasium wieder Abiturienten hervor.

Ob und wie lange G9 bleibt, kann keiner sicher sagen. „Was Prognosen angeht, bin ich sehr vorsichtig geworden“, merkt Prietzel an. Die Rückmeldungen der Schüler seien im Großen und Ganzen positiv. Und auch ihre Kollegen stimmen ihrer Vermutung zu, dass G9 wohl erst einmal bleiben wird.

Auch wenn am Otto-Hahn-Gymnasium im kommenden Jahr keine Schüler ihr Abitur machen werden, wird es dennoch im folgenden Jahr Absolventen aus der Deisterstadt geben. Denn: Der schulische Zweig berufliches Gymnasium der Berufsbildenden Schule Springe ist von der Änderung nicht betroffen.

Die Oberstufe besteht dort bereits, wie in allen weiteren niedersächsischen Beruflichen Gymnasien, aus drei Jahren und ermöglicht somit Schülern, auch im folgenden Jahr ihre allgemeine Hochschulreife zu erreichen.

Von Julie Pape