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Springe Feuerwehren wollen keine gemeinsamen Standorte
Umland Springe Feuerwehren wollen keine gemeinsamen Standorte
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00:41 27.04.2018
In Springe ist eine Diskussion darüber entbrannt, wie sich die Feuerwehr in der Kernstadt künftig aufstellt.
In Springe ist eine Diskussion darüber entbrannt, wie sich die Feuerwehr in der Kernstadt künftig aufstellt. Quelle: dpa
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Springe

Wie stellt sich die Feuerwehr in der Kernstadt und den Ortsteilen künftig auf? Über diese Frage sind nicht nur in Politik und Verwaltung schon länger Debatten ausgebrochen – auch innerhalb der Feuerwehr wird das Thema durchaus kontrovers diskutiert. Aktueller Anlass: Überlegungen, in einigen Ortsteilen zentrale Fahrzeughallen zu bauen, die mehrere Wehren gleichzeitig nutzen sollen.

Neu sind solche Gedankenspiele nicht: Schon Ende 2014 spekulierte der damalige Bürgermeister Jörg-Roger Hische gar laut, „ob es nicht Sinn machen würde, die Feuerwehren Alferde, Holtensen und Boitzum irgendwann zusammenzulegen“ – ein Zitat aus einem Finanzausschuss-Protokoll.

Könnten neue Gerätehäuser schneller gebaut werden?

Bei den Überlegungen blieb es damals – auch, weil für viele Dörfer und viele gerade kleinere Ortsfeuerwehren ihre Selbstständigkeit enorm wichtig ist. Und trotzdem geht es auch um genau diese drei Ortsteile.

Anlass: Alferde gehört zu den Feuerwehren, die in den kommenden Jahren ein neues Gerätehaus bekommen sollen. Die Idee ging nun etwa so: Jede der drei Ortsfeuerwehren solle selbstständig bleiben, ihr eigenes Gebäude und ihre eigene Infrastruktur behalten – insbesondere größere Fahrzeuge könnten aber an einer zentralen Stelle untergebracht werden.

Kürzlich kamen Vertreter aller Ortsfeuerwehren mit dem Stadtkommando um Stadtbrandmeister Herbert Tschöpe und den beiden Fraktionschefs von SPD und CDU, Bastian Reinhardt und Wilfred Nikolay, zusammen. „Es ging darum, ein Votum zu bekommen: Können sich die Feuerwehren grundsätzlich vorstellen, Standorte zusammenzufassen?“, bestätigt Reinhardt auf Anfrage. Auf diese Weise sei es auch möglich, die vielfach kritisierten Wartezeiten bei Planung und Bau für neue Gerätehäuser zu straffen – von Geld und Arbeitsaufwand ganz zu schweigen. Antwort: Sie können es nicht vorstellen, die Feuerwehren. Dieses Ergebnis interner Beratungen habe er unter anderem den beiden Fraktionsvorsitzenden und Bürgermeister Christian Springfeld so auch mitgeteilt, teilte Stadtbrandmeister Tschöpe mit.

Viele Aktive arbeiten auswärts und sind bei einem Alarm nicht vor Ort

Er macht keinen Hehl daraus, dass er anders als die Kameraden in den Orten in diesem Fall den von SPD und CDU angeregten Schritt sogar begrüßt hätte: Seine Aufgabe als Stadtbrandmeister sei es, den Brandschutz für die Bevölkerung sicherzustellen. Das Problem sei aber, dass es gerade in kleineren Orten wie Boitzum zwar viele Aktive bei der Feuerwehr gebe – diese aber auswärts arbeiteten, sodass sie bei Einsätzen an Werktagen nicht zur Verfügung stünden.

Die Pläne von SPD und CDU könnten hilfreich sein, so Tschöpe, die Einsatzplanungen zu diesen kritischen Zeiten so vorzunehmen, dass mehr Feuerwehrkräfte zeitig zur Verfügung stünden. Dass einige zu den zentral abgestellten Fahrzeugen dann weiter anfahren müssten, sei aus seiner Sicht weniger problematisch: „Ich fahre in der Kernstadt von meinem Haus zur Feuerwehr 2,8 Kilometer durch bebautes Gebiet.“ Das dauere mitunter länger, als zwischen zwei Dörfern hin und her zu gelangen.

Reinhardt betont, es sei nie um die Schließung einzelner Ortsfeuerwehren gegangen – vor allem habe man aber nichts über die Köpfe der Kameraden hinweg beschließen wollen. Er wehrte sich schon bei der Jahresversammlung der SPD am Wochenende gegen entsprechende Kritik an den Gesprächen: Es müsse erlaubt sein, sich zumindest als Gedankenspiel mit einer Standortoptimierung auseinanderzusetzen.

Selbstkritisch räumt Reinhardt aber auch ein, es sei offenbar nicht gelungen, das Anliegen unmissverständlich rüberzubringen. „Für mich ist das Votum der Feuerwehren aber bindend.“

Von Christian Zett und Anne Brinkmann-Thies