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Springe Ärzteversorgung durch Überalterung in Gefahr: KVN fordert Maßnahmen für Nachwuchs
Umland Springe Ärzteversorgung durch Überalterung in Gefahr: KVN fordert Maßnahmen für Nachwuchs
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19:54 11.04.2019
Im ehemaligen Sparkassen-Hochhaus könnte ein Gesundheitshaus entstehen. Quelle: Saskia Helmbrecht
Springe

 Etwa die Hälfte aller praktizierenden Hausärzte in Springe ist älter als 60 Jahre – insgesamt sind es zehn der 19 Ärzte im Stadtgebiet. Und das ist mit Abstand der höchste Altersdurchschnitt in der gesamten Region Hannover.

Mit 52,6 Prozent hat Springe im Vergleich zu den anderen Regionskommunen einen Spitzenwert erreicht. Lehrte behauptet mit gerade einmal 30,8 Prozent mitnächsthöheren Wert Rang zwei. Das geht aus Zahlen hervor, die die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) jetzt vorgelegt hat. Deutschlandweit liegt der Anteil übrigens bei rund 34 Prozent. Von dem hohen Altersdurchschnitt sind neben Springe auch die Regionen Bad Pyrmont, Celle-Nord und Nenndorf besonders betroffen.

Über Hälfte der Hausärzte schließt bald Praxis

„In Springe ist das schon ein großes Problem“, bestätigt Sprecher Detlef Haffke. In den kommenden Jahren werden etwa die Hälfte aller Hausärzte in Springe ihre Praxis aufgeben und in Rente gehen. Dabei sind aktuell immer noch 1,5 Stellen in Springe unbesetzt. Ein Hausarzt betreut laut der Vereinigung derzeit 1581 Springer. Der Versorgungsgrad liegt derzeit noch über 100 Prozent. Statistisch gesehen gilt eine Kommune erst dann als unterversorgt, wenn weniger als 75 Prozent des errechneten Ärztebedarfs abgedeckt sind. Nur Burgdorf, Hannover-Stadt, Laatzen und Wunstorf sind für neue Hausarztniederlassungen gesperrt. In Großburgwedel etwa sind fünf Stellen frei, in Langenhagen sind es vier.

KVN fordert Aufstockung der Medizinplätze und Landarztquote

„Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache“, sagt Dr. Eckart Lummert, Vorsitzender der KVN-Bezirksstelle Hannover. Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Niedersachsen, fordert neben der Aufstockung der Medizinplätze auch die Einführung einer Landarztquote und eine schnellere Eingliederung des Nachwuchses. Doch auch das werde nicht ausreichen. Springe müsse einen Aktions- und Kooperationsplan aufstellen, bevor ein Arzt seine Praxis schließt und in Pension geht, sagt Barjenbruch. Ziel sei es, dass die ländlichen Regionen für neue Medizinier attraktiv bleiben. „Alles muss auf den Prüfstand. Gemeinden können zum Beispiel über kommunale Stipendien für angehende Medizinstudenten nachdenken, um den Nachwuchs zu fördern.“ Gleichzeitig müssten die Städte auch über die Schaffung von Ärztehäusern nachdenken, aber auch für eine Kinderbetreuung für Arztfamilien sorgen. Möglich wären auch spezielle Busse, die Senioren zu den Sprechstunden bringen.

Gesundheitshaus soll Rahmenbedingungen schaffen

Möglich wäre auch ein Medizinisches Versorgungszentrum im früheren Sparkassen-Hochhaus. 50 000 Euro steuert die Region für eine Konzepterstellung eines Gesundheitshauses bei. Die Ausschreibung läuft bereits. „Die Frage ist nur, in welcher Rechtsform und wer als Betreiber auftritt“, so Haffke. Er bestätigt, dass die KVN Gespräche mit den Beteiligten vor Ort führt. „Wir können aber nicht als Lückenbüßer für ein geschlossenes Krankenhaus eintreten.“ Denn ein Gesundheitshaus sei eben keine stationäre Einrichtung. „Und wir können keinen Arzt zwingen, seine Praxis aufzugeben und umzuziehen.“

„Haben Altersstruktur schon lange erkannt“

Für Springfeld sind die Zahlen der KVN ein klares Zeichen dafür, dass Springe auf dem richtigen Weg sei. „Wir haben bereits lange die Altersstruktur erkannt.“ Er weiß: Junge Ärzte legen Wert auf geregelte Arbeitszeiten und die Möglichkeit, Teilzeit arbeiten zu können. „Dafür schaffen wir in einem Gesundheitshaus die Rahmenbedingungen.“

Von Saskia Helmbrecht