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Springe Kita-Platz-Not: Eltern buchen jetzt Tagesmütter
Umland Springe Kita-Platz-Not: Eltern buchen jetzt Tagesmütter
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19:18 24.03.2019
„So extrem war es noch nie“: Die Wartelisten bei den Springer Tagesmüttern sind derzeit lang. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Springe

Die Unsicherheit ist groß: Zahlreiche Eltern in Springe werden voraussichtlich in diesem Jahr keinen Kita-Platz für ihr Kind bekommen. Um doch noch eine Betreuung sicherzustellen, ist der Ansturm auf die Tagesmütter in Springe derzeit enorm, sagen die Tagesmütter Andrea Tschirch und Christiane Reese.

„Das Telefon steht gerade nicht still“, sagt Tschirch. Bereits im vergangenen Jahr sei bei den Tagesmüttern die Nachfrage sehr groß gewesen. Die Eltern seien verunsichert und wüssten nicht, was sie tun sollen, wenn sie auch bei der zweiten Vergaberunde der Kita-Plätze leer ausgehen werden. „Ich habe schon für das nächste Jahr eine lange Warteliste.“ Bei Reese läuft die Warteliste sogar bis 2021. „So extrem war es noch nie.“

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Bis zu fünf Kinder können die Tagesmütter gleichzeitig betreuen, sie können aber bis zu acht Verträge mit Familien abschließen, weil die Zeiten, die Eltern für eine Betreuung ihres Kindes benötigen, gesplittet werden können, erklärt Tschirch das sogenannte Platzsharing. Weil die Tagesmütter selbstständig sind, können sie selbst entscheiden, welche Anfragen sie annehmen und welche nicht. Eine Altersgrenze gibt es nicht, betont Tschirch. Auch wenn die Bennigserin den Besuch eines Kindergartens ab etwa drei Jahren empfiehlt.

Reese betont aber auch, dass trotz der großen Kita-Platz-Not eine Betreuung der Kinder von einer Tagesmutter für viele „keine Notlösung“ sei, sondern sich einige Eltern auch bewusst für diese Variante entscheiden. Dennoch habe sie zuletzt oft festgestellt, dass Mütter, die gerade erfahren haben, dass sie schwanger sind, sofort zum Telefon greifen, um sich bereits frühzeitig um eine Betreuung zu bemühen. „Diese Tatsache habe ich in den vergangenen Jahren nicht so stark wahrgenommen wie jetzt.“

Stadtelternrat tagt am Mittwoch

Das neue Punktesystem und die erste Kita-Platz-Vergaberunde sollen auch während der nächsten Sitzung des Kita-Stadtelternrates am Mittwoch, 27. März, diskutiert werden. Die Mitglieder treffen sich um 19.30 Uhr im DRK-Kindergarten in Völksen. Sowohl Fachbereichsleiterin Hannah Kahle als auch Sozialausschuss-chef Bastian Reinhardt (SPD) haben ihr Kommen zugesichert. Die Vorsitzende Caroline Gonschorek hofft, bei der Sitzung erste Zahlen zu bekommen, wie viele Plätze nach einer ersten Einschätzung nun fehlen werden. Auch, dass Eltern nur noch einen Wunschplatz für die Kita angeben können, soll besprochen werden. „Das kam für uns aus heiterem Himmel damals.“ Die Sitzung des Stadtelternrates ist öffentlich.

Dass erst im Mai, wenn die zweite Vergaberunde abgeschlossen ist, die Eltern Gewissheit haben, ob sie einen Kita-Platz bekommen werden, mache die „Situation sehr nervenaufreibend“, weiß Reese. „Erst im Mai eine Zusage zu bekommen, ist eigentlich super spät, wenn man ab August wieder arbeiten gehen will.“ Klar ist aber auch: „Weil es einfach zu wenig Plätze gibt, wird immer jemand unzufrieden sein. Es wurde zu spät etwas unternommen, um mehr Plätze zu schaffen.“

Diskussion über Punktesystem

Monatelang hatte auch der Kita-Stadtelternrat mit der Verwaltung und der Politik über das neue Punktesystem zur Vergabe der Kita-Plätze diskutiert, sagt die Vorsitzende Caroline Gonschorek. „Jedem ist klar, dass die Punkte schwer zu gewichten sind und es oft eine Frage der Abwägung war.“ Die Stadt hatte angekündigt, beim Punktesystem nachbessern zu wollen, das in diesem Jahr erstmalig angewendet wurde. „Trotz der diversen Einzelfälle, die man jetzt festgestellt hat, ist das neue System besser als das alte, weil zum Beispiel der Fahrtweg berücksichtigt wird“, sagt Gonschorek. Gleichzeitig kritisiert sie aber die Informationspolitik. „Dass die Eltern gar keine Nachricht erhalten, wenn sie in der ersten Vergaberunde keinen Platz bekommen haben, finde ich nicht gut.“ Dennoch lobt sie die Arbeit von Fachbereichsleiterin Hanna Kahle ausdrücklich. „Frau Kahle kann keine Plätze herbeizaubern. Jahrelang, bevor Frau Kahle nach Springe kam, ist bereits im Vorfeld viel schiefgelaufen, dafür ist sie nicht verantwortlich.“ Gonschorek befürchtet, dass sich aus der Kita-Platz-Not in den kommenden Jahren auch Probleme in den Schulen und in der Ganztagsbetreuung ergeben werden. „Denn auch die Kita-Kinder kommen irgendwann in die Schule.“

Von Saskia Helmbrecht