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Springe Kita-Platznot war nicht vorhersehbar
Umland Springe

Kita-Platznot war nicht vorhersehbar

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19:28 06.06.2019
Mehr Kinder als ursprünglich vorausberechnet werden Anspruch auf einen Kita-Platz haben – doch ob ein Platz für die da sein wird, ist ungewiss.   Quelle: Monika Skolimowska/dpa
Springe

Bekannt ist, dass rund 200 Kita-Plätze derzeit in Springe fehlen, in der gesamten Region sind es 1600 Betreuungsplätze. Die Frage ist aber: wieso eigentlich?

Jahrelang war in Deutschland die Rede vor einer vergreisten Gesellschaft und schrumpfenden Städten. Jetzt steigt die Geburtenrate wieder – entgegen den Prognosen.

Nicht planbare Gesetzesänderungen

Die Region Hannover legt jährlich Zahlen vor, wie viele Kinder im Krippen- und Kindergartenalter in Springe leben. Aufgabe der Kommunen sei es dann, den daraus resultierenden Bedarf an Betreuungsplätzen abzuleiten. „Allein in dem Jahr 2017 stieg die Anzahl der Null- bis Fünfjährigen im Zuständigkeitsgebiet der Region um 675 auf insgesamt 24 763 Kinder“, weiß Regionssprecherin Sonja Wendt. Das liege zum einen daran, dass viele Familien mit jungen Kindern aus Deutschland, aber auch aus dem Ausland zugezogen seien. „Hinzu kommen die nicht planbaren neuen Gesetzesänderungen im Jahr 2018, wie die veränderte Möglichkeit, schulpflichtige Kinder zurückzustellen, oder auch die Beitragsfreiheit“, ergänzt Wendt.

2021 haben 34 000 Kinder Rechtsanspruch auf Kita-Platz

In einem Themenfeldbericht zum Kita-Jahr 2017/2018 hatte die Region hochgerechnet, dass zum 31. Dezember 2018 in Springe 771 Kinder unter drei Jahre alt sein werden – tatsächlich waren es aber 820. Laut aktueller Bevölkerungsvorausrechnung soll bis 2021 die Zahl der Kita-Kinder in der gesamten Region um 5,2 Prozent steigen. Heißt: Nach dieser Rechnung sollen somit knapp 34 000 Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Krippen- oder Kindergartenplatz Ende 2021 haben.

Eine Familie hat bereits geklagt

Auch wenn die Städte insgesamt schon auf einem guten Weg seien, neue Plätze zu schaffen, würden neue Gesetzesänderungen die Engpässe vor Ort, die ohnehin schon durch den Bevölkerungszuwachs entstehen, noch verstärken, sagt Wendt. Bereits jetzt liegt der Region eine Klage wegen des Rechtsanspruches auf einen Kitaplatz vor.

Klar ist aber auch: Springe ist mit diesem Problem nicht alleine. Etwa 250 Kita-Plätze fehlen zum Beispiel in Burgdorf, im 25 Kilometer entfernten Barsinghausen sollen es rund 100 Plätze sein. In Neustadt ist die Rede von rund 180 fehlenden Plätzen, in Isernhagen kursiert die Zahl 200. „Manche Dinge, wie etwa die Beitragsfreiheit waren eben nicht vorhersehbar“, sagt Schulamts-Chefin Gabriele Tegtmeyer. „Wenn man überlegt, dass wir vor zehn Jahren noch Angst hatten, zum Beispiel die Völksener Grundschule schließen zu müssen, die jetzt voll ist.“

Springe bekommt von der Region für den Ausbau von Betreuungsplätzen über die Kita-Baukostenförderung jeweils rund 5300 Euro pro Platz.

Von Saskia Helmbrecht