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Springe Köllnischfeld wird Naturschutzgebiet – Stadtförster sieht das kritisch
Umland Springe

Köllnischfeld wird Naturschutzgebiet

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16:45 05.09.2019
Bärlauch ist im Frühjahr ein typisches Gewächs im Bereich des geplanten Schutzgebietes Köllnischfeld. Quelle: Ralf T. Mischer
Springe

Die Stadt hatte die Pläne zuletzt kritisiert – und im Zusammenhang mit dem geplanten Naturschutzgebiet Köllnischfeld von einer Enteignung gesprochen, weil Flächen des Stadtforstes nicht mehr hätten bewirtschaftet werden dürfen. Nun hat der Umweltausschuss der Region grünes Licht für die Einführung des Schutzgebietes gegeben. Die Kritik aus Springe wurde dabei berücksichtigt – der Wald darf auch im Schutzgebiet wirtschaftlich genutzt werden. Vorbehalte aus Springe gibt es aber trotzdem noch.

„Ich finde es gut, dass wir den Wald wirtschaftlich nutzen dürfen“, sagt Stadtförster Bernd Gallas. Die Stadt hatte in ihrer Stellungnahme eine Entschädigung für den Fall gefordert, dass Forstwirtschaft verboten werden solle – und sprach in dem Zusammenhang von einer Enteignung.

Wald kann weiter bewirtschaftet werden

Die Region als Naturschutzbehörde räumt in ihrer Antwort ein, dass eine Herausnahme aus der Nutzung tatsächlich „nicht entschädigungslos erzwungen werden kann“. Und weil eine solche nicht gezahlt werden soll, wird die Verordnung so geändert, „dass der Wald bewirtschaftet werden kann“. Allerdings müssten die Stadtforsten sich dann „an die strengeren Auflagen“ halten. Ein „guter Kompromiss“ ist das in den Augen von Gallas.

Die Auflagen selbst allerdings bewertet der Stadtförster wiederum nicht unkritisch. Immerhin handelt es sich bei dem fraglichen Gebiet im Fahrenbrink um den seltenen Lebensraumtyp Hangschluchtwald.

Schutzmaßnahme kritisch für Klimawandel

Und deshalb dürfen dort künftig auch nur Buchen gepflanzt werden. Mit Blick auf den Klimawandel bewertet Gallas diese Schutzmaßnahmen kritisch: Immerhin zeichne sich gerade ab, dass auch Buchen die Erwärmung in Verbindung mit der Trockenheit schlecht vertragen. „Die Bäume, die wir schützen wollen, trocknen uns da weg“, fürchtet er. Und wünscht sich deshalb mehr Flexibilität im Bereich des Naturschutzgebiets, die es etwa erlaubt, auch exotische Bäume anzupflanzen, die besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Generell hofft er, dass die Neuregelung nicht dazu führt, dass die Forstwirtschaft in dem Bereich zu bürokratisch wird.

Auf die Parkplätze Laube und Köllnischfeld hat die Neuregelung keine Auswirkungen, sie sind außerhalb des Naturschutzgebiets. Für Erholungssuchende hat die Neuregelung durchaus Konsequenzen: Geocaching etwa ist auf der 755,4 Hektar großen Fläche verboten, vom 1. März bis zum 15. Juli ist das Verlassen der Wege generell nicht erlaubt. Hunde müssen immer an die Leine – die darf dabei nicht länger als zwei Meter sein. Radfahren ist abseits von Fahrwegen auch verboten.

 Und so geht es weiter:

Die Regionsversammlung entscheidet am 24. September noch über das Umweltschutzgebiet. Geben ihre Mitglieder grünes Licht, ist die Schutz-Verordnung beschlossen und tritt in Kraft. Dort wird die Stadt aber nicht mehr angehört. Nur Mitglieder des Regionsparlaments können sich zu Wort melden.

Von Ralf T. Mischer