Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Springe Mönch plant Bildungsaustausch mit Bennigsen
Umland Springe

Mönch plant Bildungsaustausch

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 09.07.2019
Fühlen sich verbunden: Sareth Brak ist bei Stefanie Boese-Bellach zu Gast.  Quelle: foto: Juliet Ackermann
Bennigsen

„Guck mal da, ein Mönch“, riefen die Jugendlichen, als ihr Lehrer Manfred Bellach den Buddhisten in den Unterricht führte. Obwohl Sareth Brak die Sprache der Kinder nicht verstand, wusste er, was sie sagten.

Der Mönch ist in seiner Heimat Kambodscha selber als Lehrer tätig. Sein Besuch in Bennigsen war für Stefanie Boese-Bellach und ihren Mann Manfred ein unverhofftes, freudiges Wiedersehen, nachdem sie sich in den Osterferien zum ersten Mal begegnet waren. Bewegt von der Landesgeschichte war Boese-Bellach mit ihrem Mann im April nach Kambodscha gereist. In der Hauptstadt, im Tempel Wat Ounalom, hatte das Bennigser Ehepaar den Mönch getroffen, nachdem ein Bekannter den Kontakt hergestellt hatte.

Aus Begegnung dreier Lehrer soll schulische Kooperation entstehen

Die Begegnung der drei Lehrer hinterließ einen derart großen Eindruck, dass es nicht bei einem einzigen Treffen blieb und sie nun eine schulische Kooperation anvisieren – ob etwa in Form eines Schüleraustausches oder von Projektwochen, müsse sich nach Absprache zeigen, so Boese-Bellach.

Initiative für kostenlosen Zugang zu Bildung

Brak ist seit 2010 zum fünften Mal in Europa unterwegs, um über soziale Projekte seiner Hilfsorganisation Raise and Support the Poor (RSP) zu berichten. Die Organisation war von Brak 2008 ins Leben gerufen worden und stellt medizinische Hilfe sowie Bildungsangebote in der ländlichen Provinz Kampong Speu (raisethepoor.de). So unterstützt RSP eine Schule, die frei ist für alle Glaubensrichtungen und 548 Kindern zwischen fünf und 14 Jahren einen kostenlosen Zugang zu Bildung ermöglicht. An die Schule ist ein Krankenhaus angebunden.

Einsatz mit Preis ausgezeichnet

Für seinen sozialen Einsatz wurde Brak 2016 mit dem Audrey Hepburn Humanitarian Award ausgezeichnet. Der 33-Jährige ist selber in armen Verhältnissen aufgewachsen und erfuhr als Kind, was es bedeutet, nur eine Mahlzeit am Tag zu erhalten. „Nach dem Bürgerkrieg war alles zerstört“, so der Mönch. Sein persönliches Glück: der Zugang zu Bildung.

Anders als seine acht Geschwister durfte er als einziges Kind mit sieben Jahren die Schule besuchen. Als sein Lehrer vier Jahre später starb und es keinen Ersatz gab, übernahm er dessen Rolle und lehrte seine fast gleichaltrigen, rund 100 Schüler das, was er bislang gelernt hatte – im Freien und ohne Lehrmaterial. Hinzu kam ein langer Schulweg von elf Kilometern, den er täglich zu Fuß zurücklegte. Dabei musste er auch zwei Flussläufe durchqueren.

Wissen mit Schülern geteilt

Mit 15 Jahren übertrug Brak einigen Schülern die Verantwortung als Lehrer, um selbst an die Highschool gehen zu können, sich fortzubilden und sein Wissen anschließend wieder mit seinen Schülern zu teilen. Nach seinem Abschluss absolvierte der Mönch ein Philosophie-Studium in der Hauptstadt Phnom Penh, wodurch er seinen Horizont erweitert und Ideen entwickelt habe. Braks Erkenntnis: „Bildung ist sehr wichtig. Je mehr du verstehst, desto mehr kannst du tun.“ Den Gedanken teilt Brak mit Familie Bellach, bei er sich – obwohl es sein erster Besuch ist – „wie zu Hause“ fühlt.

Von Juliet Ackermann