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Nachrichten Prozess in Springe: 14-Jährige von Familie missbraucht
Umland Springe Nachrichten

14-Jährige von Familie missbraucht

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20:42 26.11.2019
Die Vorfälle, die jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt wurden, liegen bereits sieben Jahre zurück – doch sie seien nur „die Spitze des Eisbergs“, so der Anwalt des Mädchens. Quelle: foto: Archiv
Springe

Sie war erst 14 Jahre alt, als ihr leiblicher Vater und ihre Stiefmutter nicht nur vor ihren Augen sexuelle Handlungen aneinander durchführten – sondern als die Frau auch noch Hand an das junge Mädchen legte. Das war vor sieben Jahren. Jetzt wurde das Paar am Springer Amtsgericht zu Geldstrafen verurteilt.

Paar schweigt zu den Vorwürfen

Mehrere Prozesse seien eingestellt worden, sogar ein Glaubwürdigkeitsgutachten des jungen Mädchens wurde eingeholt, erklärte die Richterin mit Blick auf den langen Zeitraum zwischen den Taten und der jetzigen Verhandlung. Neu ins Rollen gebracht wurde der Fall durch die Aussagen eines Zeugen. Der 48-Jährige berichtete während der Verhandlung Schockierendes, während Vater und Stiefmutter zu den Vorwürfen schwiegen.

Zeuge war bei Feier zu Gast

Er sei damals zu Gast bei einer Feier der Familie gewesen, so der 48-Jährige. Der Vater des Mädchens sei zu ihm gekommen und habe gesagt, seine Tochter wolle mit ihm schlafen, so der Zeuge. Daraufhin sei er mit dem Mädchen, dem Vater und der Stiefmutter ein Stockwerk höher gegangen. Es war dann zu sexuellen Handlungen zwischen dem Vater, seiner Frau und dem Zeugen gekommen – alles vor den Augen der Tochter. Die Frau sei zu dem Zeitpunkt schon ziemlich betrunken gewesen, berichtete der 48-Jährige. Zudem sei ein Joint herumgegangen. Und die Stiefmutter habe ihm und auch der Tochter ein kleines Fläschchen mit einer Flüssigkeit unter die Nase gehalten. Davon sei ihm schummerig geworden.

“Widerlich, was da gelaufen ist“

„Es war widerlich, was da gelaufen ist“, sagte der 48-Jährige vor Gericht. Das sei ihm kurz nach dem Vorfall deutlich geworden. Wenig später habe er das Mädchen überredet, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Sie wurde aus der Familie geholt und kam in ein Heim.

Das Opfer, inzwischen eine junge Frau, musste bei dem Prozess nicht aussagen. Die heute 21-Jährige war als Nebenklägerin aufgetreten.

Das Schöffengericht verurteilte schließlich die Stiefmutter wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener zu 120 Tagessätzen à 10 Euro, den Vater mit höherem Einkommen zur gleichen Tagessatzhöhe à 25 Euro.

Von Anne Brinkmann-Thies