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Nachrichten Keksebacken endet vor Gericht: Rollstuhlfahrer soll Frau mit Nudelholz geschlagen haben
Umland Springe Nachrichten

Ehepaarstreit beim Keksebacken endet vor Gericht

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00:19 03.06.2019
Der Rollstuhlfahrer war zu den Taten, die ihm seine Ex-Frau vorwirft, gar nicht in der Lage, meint das Gericht – und entscheidet sich für einen Freispruch. Quelle: Kristoffer Finn
Springe

Er soll seine Frau mit Keksteig beworfen, sie mit einem Nudelholz geschlagen und ihr die Haare abgeschnitten haben: Ein Mann aus Springe musste sich jetzt wegen des Vorwurfs der Körperverletzung am Springer Amtsgericht verantworten. Das Gericht zeigte sich aber von der Unschuld des teilweise gelähmten Mannes überzeugt – und sprach ihn frei.

„Ich habe meine Frau im Leben noch nicht geschlagen“

„Ich habe die Frau in meinem Leben noch nicht geschlagen oder angefasst“, sagte der Mann, der überwiegend auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Zu Hause nutze er auch einen Rollator, erklärte er der Strafrichterin. Wie er derartig beeinträchtigt seine Frau, von der er inzwischen getrennt lebt, mit einem Nudelholz geschlagen, sie in die Dusche im Bad gedrängt und ihr Haare abgeschnitten haben soll, wie es die Frau in ihrer Aussage schilderte, erschloss sich auch der Richterin nicht.

Das Paar hatte sich im Dezember 2017 gestritten, als der Mann erfuhr: Seine Frau hatte schon seit Jahren eine Affäre. Er sei dann in die Küche gefahren, wo seine Frau gerade Kekse backte. „Ich habe zu ihr gesagt: Du machst den Bunten“, berichtete der Angeklagte. Auf Nachfrage der Richterin, was er denn damit meine, erklärte er, dass das „Halligalli machen“ bedeute. Seine Frau habe zugegeben: „Ja, ist Mist gelaufen.“ Dann sei sie in das Bad gegangen und habe sich selbst die Haare abgeschnitten. „Es gab aber keinen Stress, nix, gar nix“, sagte der Angeklagte. Vielmehr habe sie ihn geschlagen. Seine damalige Frau schilderte den Ablauf allerdings anders. Als sie ihm gestand, eine langjährige Affäre zu haben, habe er ihr das Nudelholz über den Rücken gezogen. „Dann hat er mir Teig an den Kopf geworfen.“

Streit eskalierte

Der Streit sei weiter eskaliert, und er habe sie ins Bad gedrängt. „Dort hat er eine große Schere gezückt, mir diverse Kopfnüsse verpasst, mich mit den Fäusten überall hingeschlagen und mir die Haare abgeschnitten“, erzählte sie. Auf den Einwand der Richterin, dass der Angeklagte ja nicht mobil sein, erklärte seine Ex: „Im häuslichen Umfeld kann er sich frei bewegen, da gibt es feste Punkte, wo er sich abstützen kann.“

Zwei Tage nach dem Vorfall ging die Frau zur Polizei und erstattete Anzeige. Blaue Flecken oder Prellmarken wurden dort nicht festgestellt. Ihr Mann habe damals nur mit halber Kraft zugeschlagen, erklärte die Zeugin. Dass es tatsächlich zu diesen Körperverletzungen gekommen sein soll, sei nur schwerlich vorstellbar, sagte die Staatsanwältin und plädierte auf Freispruch. Die Richterin folgte dem Antrag.

Von Anne Brinkmann-thies