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Nachrichten Pöbelei nach dem Osterfeuer endet vor Gericht
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Für Bennigser endet massive Pöbelei vor dem Gericht

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16:00 22.11.2019
Im Saal des Amtsgerichts zeigten die Jugendlichen keine Reue. Nun stehen für sie Geldstrafen und Sozialauflagen an. Quelle: Archiv
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Bennigsen

Es war in der Nacht nach dem Osterfeuer, als sich drei junge Bennigser der Polizei widersetzten und die Einsatzkräfte massiv beleidigt haben. Dabei wurde ein Beamter leicht verletzt. Jetzt mussten sich ein 19-, ein 20- sowie ein 23-Jähriger vor dem Jugendgericht am Springer Amtsgericht verantworten. Zu den Vorwürfen schwiegen die drei eisern.

„Bullenschweine" war noch die harmloseste Beleidigung, die vor allem die beiden Jüngeren dem 32-jährigen Beamten und seiner jungen Kollegin entgegenschleuderten, als die mit ihrem Wagen den Bennigser Bahnhof passierten. Zunächst habe man deeskalierend auf die drei jungen Männer eingewirkt. Als das nichts bewirkte, entschlossen sich die beiden Beamten zu einer Kontrolle. „Sie waren extrem aggressiv“, berichtete der Polizist.

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Polizistin unflätig beschimpft

Vor allem der 19-Jährige beleidigte die Polizistin immer wieder. Er beschimpfte sie unter anderem als Bullenschlampe und rief: „Was will man mit Frauen bei der Polizei.“ Zudem kündigte er sexuelle Handlungen an – „dann ficke ich die richtig“ – und versuchte, sie anzufassen. Die beiden Polizisten erteilten den jungen Männern einen Platzverweis. Während der 23-Jährige sich schließlich beruhigte und mit einer jungen Frau in Richtung Osterland ging, machten sich die beiden Jugendlichen in Richtung Am Rosenbusch davon. „Dabei haben sie auf etwas Metallisches geschlagen, wahrscheinlich ein Auto“, berichteten die Polizisten.

Vier Streifenwagenbesatzungen im Einsatz

Danach kamen sie zurück zum Bahnhof. Die beiden Beamten forderten Unterstützung an, am Ende waren vier Streifenwagenbesatzungen im Einsatz. Der 20-Jährige wurde auf ein hannoversches Revier gebracht. Er folgte den Anweisungen der Beamten schließlich widerstandslos. Der 19-Jährige sollte zum Springer Kommissariat gebracht werden. Doch er wehrte sich. „Er hat versucht, nach uns zu treten und zu schlagen“, berichtete ein dritter Beamter. Außerdem sei sein Hemd zerrissen worden. Im Streifenwagen legte der Bennigser seine dreckigen Schuhe auf die Rücksitzbank und verschmutzte diese derart, dass sie später professionell gereinigt werden musste.

Entschuldigung nur schriftlich

Die Schilderungen der Polizisten verfolgten die drei schweigend. Zwar hatte der 23-Jährige nach den Vorfällen ein Entschuldigungsschreiben an die Polizisten verfasst, vor Gericht kam aber weder ihm noch den beiden Jüngeren eine Entschuldigung über die Lippen. Der 23-Jährige wurde wegen Beleidigung nach Erwachsenenrecht zu 1200 Euro verurteilt, was einem Monatsgehalt entspricht. Der 19-Jährige muss 500 Euro an eine Polizeistiftung bezahlen sowie einen dreimonatigen sozialen Trainingskurs absolvieren. 300 Euro kosten den 20-Jährigen die Beleidigungen. Er muss an einem sozialen Trainings-Wochenendseminar teilnehmen. Außerdem müssen beide Jugendliche einen Aufsatz über zwei DIN A4-Seiten eigenhändig darüber schreiben, welche Aufgaben Polizisten haben. „Und diesen Aufsatz werden Sie mir persönlich vortragen“, erklärte die Jugendrichterin.

Von Anne Brinkmann-Thies