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Landeschulbehörde klärt in der Grundschule in Eldagsen über das Thema Mobbing auf

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16:42 26.05.2019
Es sei wichtig, Kinder nach guten demokratischen Grundsätzen zu erziehen, sagt Sarah Iken. Quelle: Szabo
Eldagsen

Wird ein Schüler über Wochen oder Monate hin gemobbt, kann das fatale Auswirkungen auf dessen psychische Gesundheit haben. Doch was hilft gegen Mobbing? Und was ist der Unterschied zwischen Mobbing und Konflikt? Darüber referierte in Eldagsen Sarah Iken von der niedersächsischen Landesschulbehörde. Sie erklärte, wie Eltern und Lehrkräfte betroffene Kinder unterstützen könnten.

Rangeleien und Streitereien gehörten schon immer zum Schulalltag, meint die Expertin. Komme es aber regelmäßig zur Ausgrenzung und körperlichen Übergriffen, handle es sich um Mobbing, also kontinuierliche psychische oder körperliche Gewalt durch Mitschüler.

Die Folgen: Leistungsabfall, Schulangst und Depressionen. In schweren Fällen sogar Suizid. „Jemand, der im Mobbing-Prozess steckt, kommt da nicht alleine raus‘“, betonte Iken. Deswegen müssten Lehrer und Eltern genauer hinschauen.

Betroffene schweigen meist

„Jede kleine Aktion erscheint banal, aber für den Geschädigten ist es ein Martyrium“, so Iken weiter. Meist schwiegen Betroffene – aus Scham und Angst, noch mehr schikaniert zu werden. „Wenn sie nicht mehr sprechen, sollte man hellhörig werden“, warnte die Expertin. Nahezu jeder Fünfte sei von Mobbing betroffen. Die Zahl der betroffenen Jungen sei dabei größer als die der betroffenen Mädchen.

Im Gegensatz zu einem Konflikt könne Mobbing nicht einfach gelöst werden. „Mobbing braucht immer ein Publikum, welches nichts sagt“, erklärte Iken den Prozess. „Es gibt eine stumme Zustimmung“. Außerdem ginge es beim Mobbing um die Verletzung des Opfers und dieses zu demütigen und zu schädigen. Konflikte hingegen seien ein wichtiger Teil der Entwicklung. Das typische Opfer gebe es nicht, es könne jeden treffen. „Mobbingbetroffene tragen keine Schuld an ihrer Situation“, sagte Iken, die sich für mehr Zivilcourage aussprach.

„Es gibt zu viele Weggucker“

Schließlich habe jeder Unbeteiligte die Chance, aufzustehen und sich entgegenzustellen. Dem pflichtete der Kontaktbeamte der Springer Polizei, Jens Günther, bei. Er ist Ansprechpartner für alle Schulen im Stadtgebiet – auch beim Mobbing. „Es gibt zu viele Weggucker“, sagte er. Manchmal reiche es, dem Opfer subtil mitzuteilen, dass es nicht alleine ist. Oder dem Täter, dass man mit den Machenschaften nicht einverstanden sei.

Es seien soziale Beziehungen, die das Verhalten in der Schule prägten: „Reden Sie miteinander. Leben Sie eine Kultur der Kommunikation und der Wertschätzung“, sagte Iken, die angesichts der steigenden Cyber-Mobbing-Fälle Ratschläge zur Mediennutzung gab: Zwar sei es schwer, die Smartphones zu verbieten, aber das Kind müsse lernen vernünftig zu kommunizieren.

 

Von Patricia Szabo