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Nachrichten Reformationsjubiläum in Springe: Die permanente Reformation
Umland Springe Nachrichten Reformationsjubiläum in Springe: Die permanente Reformation
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17:38 29.10.2017
Planen die Feier: Eckhard Lukow (von links), Gerald Flade, Uta Braun, Matthias Brust, Reinhard Surendorff, Jonathan Overlach, Corinna Bormann, Gunnar Ahlborn, Klaus Fröhlich und Bettina Bartke.  FOTO: MISCHER
Planen die Feier: Eckhard Lukow (von links), Gerald Flade, Uta Braun, Matthias Brust, Reinhard Surendorff, Jonathan Overlach, Corinna Bormann, Gunnar Ahlborn, Klaus Fröhlich und Bettina Bartke. FOTO: MISCHER
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Springe

Zugleich stoßen die Pastoren eine Debatte darüber an, dass der Tag ein gesetzlicher Feiertag bleiben soll. Doch für den Moment konzentriert sich alles auf die zentrale Luther-Feier in Völksen ab 11 Uhr. Dann singt in St. Johannes der Gospelchor, um den Altar warten 20 Bläser auf ihren Einsatz, in der Predigt spielen sich gleich zwei Pastoren die Bälle zu. Parallel gibt es einen Kindergottesdienst. Schon jetzt sind die Gemeindevertreter voller Vorfreude und bereit zu Experimenten.

„Die Idee war, dass wir alle gemeinsam etwas auf die Beine stellen“, sagt Pastor Reinhard Surendorff im Vorfeld. Weil St. Johannes sich sofort als Gastgeber angeboten hatte, kam es so. Die Arbeit indes ist auf viele Schultern verteilt. Während der eine die Konfirmanden unter seine Fittiche nimmt, ist der nächste fürs Abendmahl zuständig, wieder andere für Gospelchor, Posaunisten aus Springe und Völksen sowie die Liturgie.

Im Anschluss an die Gottesdienste gibt es Mittagessen im Gemeindehaus, offenes Singen, Kinderprogramm sowie eine Kaffeetafel. Das Pflanzen eines Apfelbaums hinter der Kirche soll Aufbruch symbolisieren.

Der Reformationstag als dauerhafter Feiertag? St.-Andreas-Pastor Klaus Fröhlich gehört zu den klaren Befürwortern dieser Idee. Mindestens in den evangelisch-geprägten Bundesländern solle die Politik über das Bekenntnis nachdenken. „Das jetzige Jahr zeigt, dass wir einen kritischen, respektablen Blick auf den Tag haben, der uns gut tut“, so Fröhlich. Martin Luther stehe für viele Themen, auch außerhalb der Reformation. Mit Blick auf Luthers antisemitische Äußerungen hält der evangelische Pastor „die Idee für charmant, hier ausnahmsweise den Bock zum Gärtner zu machen“. Denn: „Wir können zeigen, dass sich unser Umgang mit den jüdischen Glaubensgeschwistern kolossal geändert hat.“ Im Wahlkampf hatte sich auch Ministerpräsident Stephan Weil für die Einführung des neuen, festen Feiertags ausgesprochen. Niedersachsen gehört zu den vier Bundesländern, in denen es nur neun Feiertage gibt, Spitzenreiter Bayern kommt auf 13. Sollte sich die Politik nicht mit einem arbeitsfreien 31. Oktober anfreunden können, wäre aus Sicht von Pastor Fröhlich auch die Wiedereinführung des Buß- und Bettags eine Möglichkeit.

Im Gegensatz zum Reformationstag fällt der stets auf einen Mittwoch - dadurch könnte der Blick auf den Feiertag in vielen Familien größer sein als - wie jetzt - auf einen Brückentag, der ein verlängertes Wochenende beschert.

Von Katharina Weissling und Marita Scheffler