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Nachrichten Wird Stadtbibliothek für Kinder bald kostenfrei nutzbar?
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Stadtbibliothek denkt über gebührenfreies Lesen nach

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16:57 24.09.2019
Leon (2) und Vanessa (5) suchen sich Bücher in der Stadtbibliothek aus. Quelle: Ralf T. Mischer
Springe

Wer in Springe Bücher und andere Medien ausleihen will, der muss zahlen – egal, wie alt er ist. 6 Euro kostet ein Leseausweis der Stadtbibliothek pro Jahr für Nutzer von null bis 17 Jahren. Nicht die Welt – und doch prüft die Einrichtung nun die Abschaffung. Unterstützung gibt es dabei von Büchereiexperte Meinhard Motzko: Jede Art von Gebühr sei eine Hürde – „gerade für die Menschen, die aufgrund ihrer sozialen Lage ohnehin von Angeboten abhängen, die weitgehend kostenlos sind“, sagt er.

Gebühren für den Nachwuchs grundgesetzwidrig?

Motzko, Chef des Bremer Praxisinstituts, kennt sich aus in der Springer Stadtbücherei: Er hat die Einrichtung vor einigen Jahren bei der Erstellung eines neuen Konzepts beraten. Er sieht nur die Gebühren für den Nachwuchs kritisch: „Gebühren für die reine Bibliotheksnutzung sind aus meiner Sicht sogar grundgesetzwidrig“, sagt er. Artikel 5 des Grundgesetzes räume jedem Bürger den freien Zugang zu Informationen ein: „Wer sonst in einer Gemeinde kann dieses Angebot erfüllen, wenn nicht die öffentlichen Bibliotheken“, fragt Motzko. Springe sei eine der wenigen Bibliotheken in Deutschland, die noch Gebühren für Kinder und Jugendliche erheben.

Es geht auch um Bildungsfragen

Dabei gehe es nicht nur um die Benachteiligung sozial Schwächerer, sondern auch um Bildungsfragen: „Vor dem Hintergrund des enorm gestiegenen ärztlich diagnostizierten Sprachförderbedarfs, wie er in jeder Schuleingangsuntersuchung immer noch steigt, und den enormen Defiziten im Lesen und Schreiben ist ein kostenpflichtiges Bibliotheksangebot kontraproduktiv.“

Ausdrücklich gehe es ihm dabei nicht um Mahngebühren oder um Eintrittsgelder für Veranstaltungen, betont Motzko: „Die reine Bibliotheksnutzung muss aber grundsätzlich kostenlos sein – mindestens für Kinder und Jugendliche, Zugewanderte und Menschen mit hohem Armutsrisiko.“

Bibliotheksleiter zeigt sich aufgeschlossen

Bei Bibliotheksleiter Tibor Maxam stößt Motzkos Forderung durchaus auf offene Ohren: „Über das Thema kann man nachdenken.“ Auch aus der Politik hätten ihn schon Anfragen erreicht – nicht nur zum Thema Kinder und Jugendliche: „Wir haben ja auch bisher keinen Sozialparagrafen“ – soll heißen: Weder Schüler und Studenten, noch Empfänger von Sozialleistungen oder Rentner können die Bibliothek vergünstigt nutzen.

Im kommenden Jahr, kündigt Maxam an, sollen die Überlegungen auch zur Finanzierung eines solchen Schrittes konkreter werden. Ohnehin soll dann das zusammen mit Motzko erarbeitete Konzept aktualisiert werden. Und es steht womöglich auch der Umzug in das ehemalige Sparkassengebäude an der Bahnhofstraße an – direkt neben das Familienzentrum, wodurch sich neue Kontaktmöglichkeiten zu Nutzern ergeben könnten. 

Von Christian Zett