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Springe Pollenallergien ärgern Springer wieder
Umland Springe Pollenallergien ärgern Springer wieder
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19:20 14.04.2019
Sie sind wieder unterwegs – und sorgen für triefende Nasen und juckende Augen: Pollen, etwas von der Haselnuss. Immer mehr Springer reagieren gegen Blütenstaub allergisch, bestätigt Apotheker Wilko Struckmann. Quelle: Arno Burgi/dpa
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Wenn Tabea Thielmann nach Hause kommt, wäscht sie sich als Erstes das Gesicht, die Hände und wechselt ihre Kleidung. Ihr Bett bezieht unsere Leserin jeden zweiten Tag neu, und wenn sie zu ihrem Pferd in den Stall geht, zieht sie lange Kleidung und Handschuhe an – auch im Sommer. Der Grund: Sie ist gegen alle Pollen und Gräser allergisch.

Brennende Augen und Schwellungen nehmen zu

Die Allergien wurden ebenso wie Asthma bei der 18-Jährigen vor fünf Jahren diagnostiziert. Seitdem nehmen bei Thielmann die Beschwerden Jahr für Jahr zu. Damit ist sie nicht allein – „die Zahl der Betroffenen nimmt zu“, bestätigt der Apotheker Wilko Struckmann. Viele Allergiker würden mittlerweile nicht nur im Sommer von Symptomen wie Schwellungen, Rötungen und brennenden Augen geplagt, sondern das ganze Jahr über. Nicht nur deshalb sollten sich Betroffene auf Struckmanns Empfehlung hin von einem Arzt untersuchen und beraten lassen – wer nichts unternehme, dem drohe ein allergisches Asthma.

Die Erfahrung musste Alexandra Klang machen, die seit 18 Jahren „von Pollenallergie gequält“ wird. Im Jugendalter habe sich bei ihr daraus ein allergisches Asthma entwickelt.

Gutes Wetter schlecht für Pollenallergiker

„Ich hab den Sommer gehasst“, sagt die Bennigserin. Treffen mit Freunden im Biergarten, im Freibad oder Ausflüge zum See seien eine Tortur gewesen – „wenn ich es doch mal versucht habe, bin ich relativ schnell wieder nach Hause, um irgendwie den Pollen zu entfliehen“, so die 33-Jährige.

Der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Gerhard Lux bestätigt dieser Zeitung auf Anfrage, dass gutes Wetter tendenziell schlecht für Pollenallergiker sei: „Viel Sonne und viel Wind begünstigen den Pollenflug.“ Regen hingegen wasche den Blütenstaub aus der Luft. Lux sieht das generelle Problem, dass sich die Pollensaison auf das ganze Jahr ausbreitet.

Ambrosia verschiebt Pollensaison nach hinten

Grund dafür seien nicht nur steigende Temperaturen, die die Blütezeit um bis zu vier Wochen nach vorne verschieben, sondern auch eingewanderte Pflanzen, die allergische Reaktionen verursachen können. „Ambrosia zum Beispiel blüht im Herbst – dadurch wird die Pollensaison noch einmal weiter nach hinten verschoben“, so der Wetter-Experte.

Heuschnupfen sorgt für Gefühl wie Sommergrippe

Die Bennigserin Klang, die gegen Roggen, Gräser und Beifuß allergisch ist, litt stark unter Symptomen wie juckenden und geschwollenen Augen, einer laufenden oder komplett verstopften Nase und schlechtem Schlaf: „Ich hab mich täglich gefühlt, als hätte ich eine extreme Sommergrippe.“ Zudem habe sie Anfälle gehabt, bei denen sie bis zu 50-mal hintereinander niesen musste. „Das wurde vor allem beim Autofahren teilweise gefährlich“, sagt die 33-Jährige.

Zu Pollenhochzeiten habe sie an sehr heißen und trockenen Tagen sogar das Haus nicht verlassen können: „Ich bekam keine Luft, musste dauernd niesen und das extreme Augenjucken macht einen irgendwann richtig wahnsinnig.“

Unterschied zwischen Polenallergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit

„Eine Pollenallergie ist auf jeden Fall keine Bagatelle“, warnt der Springer Apotheker Wilko Struckmann. Zugleich weist er darauf hin, dass zwischen Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten unterschieden werden müsse. Ob Symptome plötzlich auftreten oder sich im Freien verstärken, könne etwa Aufschluss darüber geben, ob es sich um einen Infekt oder um Heuschnupfen handele.

Um Symptome zu bekämpfen, helfen Medikamente

Leserin Thielmann, die als passionierte Reiterin jeden Tag mit Gräsern in Kontakt ist, ist „besonders sportlich eingeschränkt“. Ihre Allergien wurden, wie auch bei Klang, in der Pubertät festgestellt, ebenso wie Asthma. Um die Symptome im Griff zu behalten, die bei ihr mittlerweile von Januar bis November auftreten, nimmt Thielmann täglich Medikamente. Da die Arzneimittel sie jedoch müde machen, wird sie oft mit der Frage konfrontiert: „Warum siehst du so kaputt aus?“.

Klang verschafft seit sechs Jahren ein Kortisonersatz Linderung, den sie als Nasenspray einnimmt – „damit bekomme ich alle Beschwerden über den Sommer bis zu 90 Prozent in den Griff“.

Das Immunsystem im Abwehrmodus

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes reagiert mehr als 15 Prozent der deutschen Bevölkerung allergisch auf Pollen, Tendenz steigend. Damit verbunden sind Symptome wie Fließschnupfen, Bindehautentzündung bis hin zu Asthma. Auf der Internetseite www.dwd.de sind Vorhersagen zum Pollenflug nachzulesen. Acht Pollen, die bundesweit besonders häufig Allergien auslösen, sind Hasel, Erle, Esche, Birke, Süßgräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia.

Bei einer Allergie reagiert der menschliche Körper extrem auf eigentlich harmlose Stoffe. Das Immunsystem ist dabei nicht in der Lage, gefährliche von ungefährlichen Substanzen zu unterscheiden, und bildet Abwehrzellen – etwa gegen Pollen, Staubmilben oder Lebensmittel. Entwickeln können sich auch Kreuzallergien, die miteinander in Verbindung stehen, bestätigt Apotheker Wilko Struckmann.

Von Ralf T. Mischer und Juliet Ackermann