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Springe Rettungsfahrt dauert acht Minuten länger
Umland Springe

Rettungsfahrten dauern acht Minuten länger

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16:27 09.07.2019
Die Rettungswache des DRK an der Eldagsener Straße: Hier fahren Rettungswagen vor. Quelle: Ralf T. Mischer
Springe

Wer im Springer Stadtgebiet per Rettungswagen ins Krankenhaus muss, der ist heute deutlich länger unterwegs als noch vor fünf Jahren. Das geht es einer Stellungnahme der Region hervor.

Die heimische CDU-Regionsabgeordnete Gabriela Kohlenberg hatte eine entsprechende Anfrage unter dem Titel „Odyssee im Rettungswagen: Verlängerte Rettungswege für Patienten aus Springe“ gestellt. Kohlenberg schreibt, sie habe Gespräche mit „Verantwortlichen der DRK-Rettungswachen in der Region“ geführt – eine befindet sich an der Eldagsener Straße in Springe.

Weiter entfernte Kliniken angesteuert

Diese hätten ihr berichtet, im Mittel hätten sich die „Rettungszeiten“ um mindestens das 1,5-Fache verlängert. Dazu komme: Weil die Kapazitäten am Klinikum Gehrden „seit Monaten“ zu knapp seien und sich auch andere Kliniken in der Umgebung zunehmend für die Aufnahme der Patienten abmeldeten, seien Patienten und Patientinnen aus Springe sogar in das rund 50 Kilometer entfernt liegende Krankenhaus Lehrte eingeliefert worden.

Transportzeiten dauern länger

Region und Klinikbetreiber KRH dröseln Kohlenbergs Aussagen in ihrer Antwort etwas auf. Tenor: Bis der Rettungswagen von der Eldagsener Straße beim Patienten ist, dauert es genau so lange wie früher – logisch, schließlich hat sich an hier nichts geändert. Wohl aber die sogenannten Transportzeiten – also die Zeit, die es braucht, um den Patienten etwa vom Unfallort zum Krankenhaus zu fahren. Lag diese 2014 noch im Schnitt bei 12.12 Minuten, stieg sie seitdem stetig an. 2018 betrug sie 20.09 Minuten und hat sich dieses Jahr zuletzt leicht verbessert. Mit der Schließung der Ambulanz dürfte das allerdings weniger zu tun haben: Für Rettungswagen war sie ohnehin keine Anlaufstelle.

Daten liegen nicht für alle Fragen vor

Für viele erhoffte Antworten liegen der Region nach eigenen Angaben keine Daten vor: So könne man nicht sagen, wie oft Patienten aus Springe seit der Schließung des Krankenhauses nicht nach Gehrden gebracht werden konnten – sondern auf andere Standorte ausweichen mussten. Dabei, merken die Verantwortlichen an, spiele nicht immer die Verfügbarkeit eine Rolle: Je nach medizinischem Notfall werde im Einzelfall auch aus anderen Gründen ein bestimmtes Krankenhaus ausgewählt.

Kein Problem für die Notfallversorgung

Wohl aber weiß man, wie weit in einem dieser Einzelfälle gefahren werden musste: „Der weiteste Transport einer Patientin/eines Patienten erfolgte mit einer Entfernung von 54,4 Kilometern in das Krankenhaus Großburgwedel“, heißt es in der Stellungnahme, die dieser Zeitung vorliegt.

Ein Problem mit Blick auf die Notfallversorgung sei ein solches Szenario nicht, betont die Region: Grundsätzlich sei der Rettungsdienst so organisiert, dass in 95 Prozent aller Notfälle innerhalb von 15 Minuten der erste Retter vor Ort ist. Gebe es hier einen permanenten Änderungsbedarf, müsse man die Kapaziäten anpassen.

Auch Kohlenbergs Sorge um die Gesundheit der Springer ohne eigenes Krankenhaus will die Region zerstreuen: Ihr lägen „keine Erkenntnisse über eventuell erlittene gesundheitliche Schäden durch gegebenenfalls verlängerte Transportzeiten von Patientinnen/Patienten vor“.

Von Christian Zett