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Springe Rund 220 Kita-Plätze fehlen
Umland Springe Rund 220 Kita-Plätze fehlen
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19:51 28.03.2019
Längst nicht alle Eltern konnten in Springe bei der Vergabe der Kita-Plätze berücksichtigt werden – konkret fehlen aktuell 114 Krippen – und 107 Kita-Plätze. Quelle: dpa
Springe/Völksen

Dass zahlreiche Eltern in diesem Jahr keinen Kita-Platz bekommen werden, war absehbar. Bislang hatte sich die Verwaltung aber mit konkreten Zahlen noch zurückgehalten. Bis jetzt. Laut Fachbereichsleiterin Hanna Kahle fehlen derzeit 114 Krippen- und 107 Kita-Plätze. Das berichtete sie auf Nachfrage dem Kita-Stadtelternrat.

„Woran liegt diese prekäre Situation, wer hat da so geschlafen?“, wollte ein Elternteil wissen. Und sprach damit vielen Eltern aus der Seele, die in der ersten Platzvergaberunde leer ausgegangen sind. 500 Bewerbungen sollen eingegangen sein.

Nachfrage nach Kita-Plätzen in vergangenen Jahren gestiegen

Die Entwicklung sei so nicht absehbar gewesen, sagte Kahle während der Sitzung des Kita-Stadtelternrates in Völksen den 80 Müttern und Vätern. Zwar habe es Bedarfsplanungen in den Vorjahren gegeben, doch die Nachfrage sei in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen, konnte auch eine Tagesmutter vor Ort bestätigen. Dass in Springe, Eldagsen, Gestorf und Lüdersen bald Kita-Plätze geschaffen werden sollen, tröstete die Eltern nicht, helfen sie ihnen doch aktuell nicht. In Völksen, wo die Nachfrage besonders groß ist, sei die Stadt mit zwei Grundstückseigentümern im Gespräch, für eines der Areale werde derzeit ein Verkehrswertgutachten erstellt, so Kahle.

Kritik des Stadtelternrats: Punktesystem weist Fehler auf

Viel Kritik gab es auch an dem neuen Punktesystem, das bei der Kita-Platz-Vergaberunde erstmalig zum Einsatz kam. Gleich mehrere Familien beklagten, eine falsche Punktzahl bekommen zu haben. Eine Mutter stellte sogar zwei Fehler fest. Ihr Vorschlag: Die Eltern sollten über die Punktevergabe informiert werden, um Transparenz zu schaffen. Auch sollen Fahrzeiten zum Arbeitsplatz bei verschiedenen Kitas unterschiedlich berechnet worden sein, lautete ein weiterer Vorwurf. Der Vorschlag eines Vaters: Entfernungskilometer sollten das einheitliche Kriterium sein. Zudem forderten die Eltern, dass die Vergabe zentral über die Stadt und nicht über die Kitas erfolge.

Vergaberunde wird dezentral abgewickelt

Auch die zweite Vergaberunde wird derzeit dezentral abgewickelt, erst danach kommen alle, die einen Platz benötigen, in einen gemeinsamen Pool. „Die zweite Vergabe sollte zentral erfolgen“, schlug die Vorsitzende Caroline Gonschorek vor. Das neue Punktesystem sei zwar gerechter als das vorherige Vergabeverfahren, aber dennoch verbesserungswürdig. „Wenn wir keine Mangelverwaltung hätten, bräuchten wir die Vergabekriterien gar nicht“, sagte Sozialausschusschef Bastian Reinhardt (SPD).

Am Ende irgendwo im Stadtgebiet einen Platz zu bekommen, sei ebenfalls keine optimale Lösung, kritisierten einige Eltern. Denn wenn ein bisheriges Krippenkind aus der gewohnten sozialen Umgebung in ein neues Umfeld komme, bedeute das einen großen Einschnitt, sagte eine Mutter und befand: „Das ist eine Zumutung.“ „Das ist ein Riesenproblem“, gab ihr Reinhardt recht. Erklärte aber: „Wir müssen ein System finden, das allgemeingültig, transparent und möglichst fair ist.“

Wer keinen Betreuungsplatz bekommt, soll sich ans Familienbüro wenden

Was jedoch tun, wenn die Eltern arbeiten wollen oder müssen, das Kind aber keinen Betreuungsplatz bekommen hat? „Der nächste Schritt ist eine Beratung im Familienbüro“, riet Kahle. Und nahm die Mitarbeiter dort gegen die Kritik in Schutz, von dort gebe es keine Hilfestellung. Über jedes Gespräch gebe es einen Vermerk, so Kahle. Und die Mitarbeiter versuchen, individuelle Lösungen für Familien zu finden. So würden etwa Plätze in anderen Kommunen gesucht, die auf dem Weg zum Arbeitsplatz eines Elternteils lägen. Dann werde geschaut, wie es mit einer möglichen Kostenübernahme aussähe. Gonschorek motivierte die Eltern hier auch zur Eigeninitiative. „Schauen Sie selbst einmal bei den Kitas vorbei, wenn Sie zur Arbeit fahren.“

Gleichzeitig bewiesen die Eltern auch Weitblick. Ihre Kinder werden ja später einmal die Schulen besuchen. Ob es denn dann für die vielen Schüler genug Räume geben werde? Diese Frage richteten sie schon jetzt an Verwaltung und Politik.

Von Anne Brinkmann-Thies