Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Springe Katzen und Kosten: Tierschützer ziehen ein Jahr nach der Katzenschutzverordnung Bilanz
Umland Springe

So geht es Katzen ein Jahr nach Katzenschutzverordnung

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:59 11.08.2019
Im August 2018 trat die Katzenschutzverordnung in Springe in Kraft. Quelle: Christian Dittrich/dpa
Springe/Bad Münder

Es maunzte. Maunzte weiter. Dann war er da. Jürgen-Peter Lesch entdeckte im Wald beim Göbeldenkmal einen herrenlosen jungen Kater, der am ganzen Körper zitterte und dessen Fell mit Urin durchtränkt war. Einen Tag später, das war der Donnerstag, Weltkatzentag, sah er neben der Göbel-Birne eine Katzenbox: Offenbar hatte jemand das Jungtier am Berg ausgesetzt. Lesch hat sich des rund sechs Monate alten Katers angenommen. „Ich frage mich, wie man solch ein junges, stubenreines und wunderbares Tier aussetzen kann“, sagt er. Ein Streuner ist der Kater nämlich, seiner Einschätzung zufolge, keinesfalls.

Zu vermuten wäre aber, dass womöglich auf den oder die Halterin mit der Kastrationspflicht Kosten zugekommen wären – und dass er oder sie deshalb den Kater in der Wildnis ausgesetzt hat. Oder wurde das Kätzchen einfach vergessen? Klären lässt sich das jetzt wohl nicht mehr. Lesch indes würde das Tier gern an jemanden abgeben, der sich dauerhaft liebevoll um es kümmert.

Freigängerkatzen müssen kastriert werden

Die Katzenkastrationspflicht in Springe ist vor einem Jahr in Kraft getreten. Die Katzenschutzverordnung schreibt Besitzern von Freigängertieren vor, die Katzen zu kastrieren und zu registrieren, was für den Halter tatsächlich im Zweifelsfall mit Kosten verbunden ist – in Paragraf 7 der Springer Katzenschutzverordnung steht, dass der Halter die Kosten trägt, die durch eine Kastration entstehen.

Auf den Tisch gebracht wurde das Thema vor einem Jahr von den Grünen – begleitet von langen Debatten. Am Ende fiel im Juni 2018 die Entscheidung im Rat denkbar knapp aus: 15 Mitglieder stimmten dagegen, 18 Ratsmitglieder dafür. Als Argument für die Einführung der Kastrationspflicht nannte Ursula Schulz-Debor von den Grünen die unkontrollierte, rasche Vermehrung der Streuner-Population. Mit der Folge, dass die Tiere qualvoll sterben würden. In der Politik sorgten unter anderem die durch die Einführung entstehenden Kosten für Diskussionen. Mit der Einführung der Verordnung hat sich die Stadt nämlich dazu verpflichtet, die Kosten für die Kastration und Versorgung der Tiere zu übernehmen – wenn sich kein Halter findet, dem sie gehören.

Um Kastration herrenloser Katzen muss die Stadt sich kümmern

„Wir haben den politischen Auftrag bekommen, das Vorhaben zu evaluieren“, sagt Ordnungsamtschef Karsten Kohlmeyer. Mit Details will sich Kohlmeyer daher noch zurückhalten. In der Sitzung des Feuerschutzausschusses im November will er ein erstes Fazit ziehen. Was aber bereits feststeht: „Die Auswirkungen sind bei uns recht überschaubar.“´

Offen war auch die Frage, wie die Stadt die Umsetzung der Verordnung kontrollieren kann, wenn Mitarbeiter keine privaten Grundstücke betreten dürften. Pauschal lasse sich das so aber gar nicht sagen, sagt Kohlmeyer. Zur „Gefahrenabwehr“ sei es in bestimmten Fällen und nach Ermessen durchaus erlaubt, dass Ordnungsamtsmitarbeiter Grundstücke betreten.

Tierschützer hofften auf Signalwirkung

Die Tierschützer aber hätten ohnehin eher auf eine Signalwirkung gehofft, sagt Beate Schulz-Sorge aus Rohrsen. Sie setzt sich für verwilderte Katzen ein, um die unkontrollierte Vermehrung zu begrenzen und das Katzenelend so zu mindern. Diejenigen, die die Tiere einfach aussetzen würden, seien kaum ausfindig zu machen. Trotz der eher geringeren Auswirkungen sei es wichtig, an dem Regelwerk festzuhalten. „Wir sind da auf einem guten Weg.“

Ähnlich sieht das Tierschützerin Anne Zuzmann aus Bad Münder, die mit den Springer Grünen an der Erstellung der Verordnung in Springe maßgeblich beteiligt war. Zuzmann ist beim Nabu Bad Münder aktiv und hat bereits 2012 an der Einführung der Katzenschutzverordnung in Bad Münder mitgewirkt.

Neues Zuhause für Kätzchen gesucht

Gerade erst am Freitagnachmittag hat sie zwei Katzen, die am Süntelrand ausgesetzt wurden, gerettet und sie an Schulz-Sorge weitergegeben. Beide suchen für die kleinen Kätzchen nun ein neues Zuhause. „Der Bedarf ist also nach wie vor vorhanden.“ Zuzmann erinnert sich noch daran, wie mühsam der Weg vor einem Jahr war. „Mit der Verordnung haben Besitzer einen Anhaltspunkt.“ Die Verordnung sei wichtig – müsste aber in Springe bekannter gemacht werden, sagt Zuzmann. „Man muss darüber stolpern, sonst können sich andere wieder rausreden. Da müsste die Stadt mehr machen.“

Erst am Freitagmorgen sei sie bei der münderschen Tierärztin Anja Rocksin gewesen, die die Verordnung in Springe als klaren Erfolg sehe. „Es braucht erst mal alles Zeit.“

Von Saskia Helmbrecht und Ralf T. Mischer