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Springe Barrierefreiheit: Heftige Kritik am Ausbau der Bushaltestellen
Umland Springe

Springe: Barrierefreiheit: Heftige Kritik am Ausbau der Bushaltestellen

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00:19 15.06.2019
Die Bushaltestellen sollten schnell barrierefrei werden, fordern Betroffene. Quelle: Foto
Springe

Die Kritik an den Bushaltestellen in Springe ist mehr als deutlich: Die Stadt am Deister habe „definitiv das Anrecht auf die rote Laterne“, sagt Peer Maßmann von der Selbsthilfe Körperbehinderter Hannover und Umgebung. Sein Verein sei stets im regen Kontakt mit der Regiobus und organisiere mit dem Nahverkehrsanbieter auch Fortbildungen für Mobilität für Beeinträchtigte. So langsam wie in Springe gehe der barrierefreie Ausbau der Bus-stopps nirgendwo sonst in den Regionskommunen über die Bühne, sagt er. Und fordert Betroffene nun dazu auf, ihren Unmut über die Entscheidung zum Ausdruck zu bringen.

Kritik an politischer Entscheidung

Der Verein reagiert damit auf die Entscheidung der Mitglieder des Bauausschusses zum barrierefreien Ausbau der Haltestellen. „Mit unbändigem Erstaunen“ habe Maßmann zur Kenntnis genommen, dass die Politik mehrheitlich „gegen den vom Bürgermeister gewünschten Ausbau barrierefreier Bushaltestellen in Springe“ gestimmt hat.

Wie berichtet, plante die Verwaltung, insgesamt rund 380 000 Euro in den nächsten beiden Jahren zu investieren, um den von der Region begonnenen Ausbau der Haltestellen zu beschleunigen. Mit knapper Mehrheit hatten die Mitglieder des Bauausschusses dem Vorhaben im Mai einen Riegel vorgeschoben, vor allem mit dem Argument, damit eine Aufgabe der Region zu übernehmen – und weil die Stadt auf einem Teil der Kosten sitzenbleiben würde. Vorgesehen war, dass binnen sechs Jahren alle Haltestellen barrierefrei wären. Allein mit Regionsmitteln würde der Ausbau laut Verwaltungs-Einschätzung mehrere Jahrzehnte dauern.

Betroffenheit in Springe ist groß

„Viel zu lang“, schimpft Maßmann. Seines Wissens nach schafft jede Regionskommune mindestens drei neue Haltestellen pro Jahr. „60 Prozent der Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung wohnen im Regionsumland. In der Stadt Springe sind 11,2 Prozent der Bevölkerung betroffen“, erläutert er. Aufgrund des demografischen Wandels zeichne sich seit Jahren eine Zunahme des Bevölkerungsanteiles schwerbehinderter Menschen ab. „Unabhängig von diesen Zahlen ist Barrierefreiheit mitnichten ein Randgruppenproblem. Barrierefreiheit dient allen Menschen, so etwa Senioren, vorübergehend eingeschränkt Mobilen, Reisenden mit Gepäck und Eltern mit Kinderwagen.“

Rat entscheidet am 27. Juni

Die Forderung des Verbandes an die Politik: Sie solle „der Beschlussvorlage zum Ausbau barrierefreier Bushaltestellen ohne Abstriche“ folgen. Damit die Mitglieder des Rates sich auch so entscheiden, ruft der Aktivist Betroffene und Angehörige dazu auf, zur nächsten Ratssitzung zu kommen, während der erneut über das Thema gesprochen wird – am Donnerstag, 27. Juni.

Mit dabei sind dann womöglich auch die Bewohner der Young Care Springe am Seniorenheim an der Jägerallee. Gemeint sind junge Pflegebedürftige, für die es in Deutschland nicht ausreichend Pflegeplätze gibt, die aber am Deister einen Platz gefunden haben. Sie klagen bereits seit Jahren darüber, dass der Fahrstuhl am Bahnhof immer wieder defekt sei. Und auch das Überqueren der Bahnschienen sei mit erheblichen Gefahren für Rollstuhl- und Rollatorfahrer verbunden, klagt Herta Naumann gegenüber dieser Zeitung. Mehrfach schon sei es dabei für Bewohner zu brenzligen Situationen gekommen, klagt sie, ein Unfall habe aber stets noch rechtzeitig abgewendet werden können.

Von Ralf T. Mischer

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