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Springe Klostergarten Wülfinghausen: Ein Spaziergang durchs Paradies
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Springe - Klostergarten Wülfinghausen: Ein Spaziergang durchs Paradies

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16:29 10.07.2019
Gästeführerin Ursula Lotz erzählt beim Rundgang Wissenswertes über die Gartenanlage. Quelle: Foto: Krause
Wülfingshausen

Hinter einem unscheinbaren Tor in der Mauer des Klostergartens Wülfinghausen erwartet die Besucher ein Paradies – genauer ein kleiner, 30 Quadratmeter großer Mariengarten, sagte Gästeführerin Ursula Lotz. Jedes Jahr öffnet die Communität des Klosters Wülfinghausen zwischen Mai und Oktober jeweils am ersten Sonntagnachmittag ihren Klostergarten für Besucher. Lotz hatte zu Beginn der Führung einiges zur Geschichte des 1236 gegründeten Klosters zu berichten: Ursprünglich als Augustiner-Chorfrauenstift gegründet, konvertierte es 1543 zur lutherischen Lehre. 50 Jahre später, 1593, erfolgte die Säkularisierung und das Kloster wurde in ein Frauenstift umgewandelt, in der nur noch alleinstehende Damen ausgenommen wurden.

Klosterkirche übersteht großen Brand

Zwei Mal, 1378 und 1728, vernichteten große Brände das Klostergebäude. Allerdings blieb beim zweiten Feuer die Klosterkirche erhalten. Auf einer großen Karte zeigte Lotz den Besuchern die Ausmaße des Klostergartens. Von der 3,5 Hektar großen Gesamtfläche, die südwestlich außerhalb der Klostermauern liegt, entfallen 1,2 Hektar auf das bewirtschaftete Gartengelände. 9000 Quadratmetern werden als Wiese ausgewiesen und auf 4000 Quadratmeter befindet sich unter hohem Baumbestand auch der Klosterfriedhof.

Klostergarten darf nicht verändert werden

Sechs Konventualinnen bewohnten 1618 das Kloster. Ab 1684 waren es zwölf Frauen, die dann den Klostergarten in zwölf Parzellen untereinander aufteilten. Diese Gärten sind heute noch in dieser Form erhalten, geschützt und dürfen nicht verändert werden. Gefällte Bäume müssen deshalb wieder ersetzt werden. Die Pflege der Gärten werde von den Damen der Communität selbst durchgeführt; außerdem gebe es viele Ehrenamtliche, die sich zusammen mit dem Gärtner um das Gelände kümmern, sagte Lotz.

80 Obstbäume stehen im Klostergarten – von Apfel, Birne, Kirsche bis Quitten. „Sie dürfen die Kirschen gern pflücken und probieren“, ermunterte die Gästeführerin die Besucher. Süß und saftig hingen sie an den Zweigen und manches „lecker“ war zu hören. „Den Walnussbaum brauchen wir nicht zu ernten“, sagte Lotz lächelnd, „das übernehmen schon die Eichhörnchen“. Hier und da liegen Wasserschläuche im Rasen um das Angepflanzte, Blumen, Kräuter und Gemüse nicht vertrocknen zu lassen.

Klosterführungen seit der Expo-Zeit 2000

Der durchs Gelände fließende Bach konnte nicht das nötige Nass liefern, da er ausgetrocknet war. Sämtliche Buchsbaumhecken, die als Parzellengrenzen in den vergangenen Jahren stark unter dem Buchsbaumzünsler litten, sind auf dem Weg der Besserung.

Die Gärten, egal wie sie angelegt sind, vermitteln mit ihrer Schönheit dem Betrachter einen Ort der Ruhe und Besinnung, so wie man sich das Klosterleben vorstellt. „Ich habe 2000 zur Expo-Zeit mit ehrenamtlichen Klosterführungen begonnen und mich in dieses Kloster verliebt, für mich ist das ein Paradies.“  

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Von Reinhold Krause