Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Springe Springe startet Pilotprojekt im Carsharing
Umland Springe

Springe führt Carsharing ein

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:45 14.05.2019
Clemens Gebauer (von links), Robin Parusel, Ulf-Birger Franz, Eva Hannak und Katrin Härtel stellen das Carsharing-Projekt vor. Quelle: Foto: Saskia Helmbrecht
Springe

Seit Jahren schon beschäftigt die Stadt das Konzept des Carsharing. Während solche Angebote in größeren Städten längst verankert sind, gibt es solche Initiativen in kleineren Kommunen deutlich seltener. Genau das soll sich jetzt ändern.

Flinkster stellt fünf Autos zur Verfügung

Das Unternehmen Flinkster der Deutschen Bahn stellt in Springe ab sofort fünf Autos zur Verfügung. Drei Wagen werden tagsüber von den Verwaltungsmitarbeitern genutzt, können aber abends und an den Wochenenden zusätzlich zu zwei weiteren Autos von allen Bürgern genutzt werden. „Mit dieser Form und Menge sind wir sehr glücklich“, sagte Vize-Rathauschef Clemens Gebauer, der gemeinsam mit Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz das neue Projekt in Springe vorgestellt hat. „Das ist eine wunderbare Ergänzung zum Öffentlichen Personennahverkehr“, bestätigte Franz. „Gleichzeitig leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz“, betonte Klimaschutzmanagerin Katrin Härtel. Immerhin soll rechnerisch ein Carsharing-Auto sieben Privatwagen ersetzen können. Die Stadt selbst hat ihre Dienstfahrzeuge bereits abgegeben und nutzt ab sofort die Flinkster-Wagen – und das gilt auch für verschiedene Modelle, die derzeit vor dem Hintergrund der Schließung der Verwaltungsaußenstellen diskutiert werden, so Gebauer. Weil die Autos nur bezahlt werden, wenn sie genutzt werden, soll außerdem Geld eingespart werden.

Carsharing-Angebot richtet sich an alle Springer

Das Angebot richtet sich aber nicht nur an die städtischen Mitarbeiter, sondern an alle Springer – und nicht nur an die ältere Generation. „Gerade auch für junge Leute ist das Projekt interessant, weil ein Auto in der Anschaffung teuer ist.“ Das Pilotprojekt ist zunächst auf vier Jahre begrenzt. Ende des Jahres soll laut Gebauer ein erstes Zwischenfazit gezogen werden, wie das Angebot in Springe genutzt wird. Heißt aber auch: Sollten die Fahrzeuge am Ende nicht angefragt werden, könnte die Flotte von der Bahn wieder ausgedünnt werden. „Das braucht schon ein bis zwei Jahre, bis sich das Angebot etabliert“, schätzt Eva Hannak vom Fachbereich Verkehr der Region Hannover. Je mehr Autos im gesamten Umland zur Verfügung stehen, desto höher werde auch die Nutzung, betont Franz. „Das Projekt braucht natürlich auch gewissen Mut, es ist schon etwas Besonderes. Aber wir haben gesagt ,lasst uns das mal machen'“, so Gebauer. Wann das Projekt aus Sicht der Bahn als wirtschaftlich gilt, darüber will das Unternehmen keine Auskunft geben.

Das Modellprojekt, das die Region mit der Bahn entwickelt hat, läuft in Springe, Burgwedel, Neustadt und Gehrden. „Weitere interessierte Kommunen können jederzeit beitreten“, so Franz. Flinkster ist außerdem das flächengrößte Carsharing-Netzwerk in Deutschland. „Ich würde mich freuen, wenn Flinkster in Springe so gut läuft, dass wir bald auch an den weiteren Springer Bahnhöfen in Völksen und Bennigsen Carsharing anbieten können“, so Gebauer. Die europaweite, kommunenübergreifende Ausschreibung in dieser Form sei bislang deutschlandweit sehr selten, weiß Hannak.

Fürs Nutzen einmal bei Flinkster registrieren

Das einmalige Registrieren kostet 29 Euro. Für Bahn-Card-Inhaber ist die Anmeldung kostenlos. Die App ist ebenfalls kostenlos, Fixkosten gibt es nicht. Heißt: Gezahlt wird nur die tatsächlich genutzte Zeit. Die Preise liegen dabei zwischen 1,50 Euro bis 9,50 pro Stunde – je nach Größe des Autos und je nach Tageszeit. Der Ford Fiesta in Springe kostet demnach 1,50 Euro am Abend und 5 Euro von 8 bis 22 Uhr. Für den Opel Astra werden 1,90 beziehungsweise 6 Euro fällig. Der Tagespreis liegt zwischen 39 und 110 Euro. Hinzu kommt eine Verbrauchspauschale pro Kilometer zwischen 18 und 22 Cent, die über GPS ermittelt wird. Zusätzliche Kosten könnten entstehen. Online gibt es einen genauen Preisrechner. Wird das Auto beschädigt, beträgt die Selbstbeteiligung 1500 Euro.

Die Mindestbuchung liegt bei einer Stunde. Flinkster bietet auch Langzeitmietfahrzeuge mit einer Laufzeit bis zu zwölf Monate oder Übergangsfahrzeuge an. Wer die Fahrt schneller beenden will als geplant, bekommt die Hälfte des Mietpreises für die ungenutzte Zeit gutgeschrieben.

Und so funktioniert's:

Wer die Autos nutzen möchte, muss sich zunächst auf www.flinkster.de registrieren. Für die digitale Führerscheinkontrolle brauchen Interessierte aber einen Computer mit Webcam, ein Handy oder Tablet. Die Fahrzeuge können dann über eine App, im Internet oder über eine Hotline gebucht werden. Das Auto selbst kann mit dem Handy oder der Kundenkarte geöffnet und wieder verriegelt werden.

Wenn der Tank nur noch zu ein Viertel gefüllt ist, muss der Wagen getankt werden. Auch das geht bargeldlos mit der Tankkarte.

Wer sich einmal registriert, kann alle Fahrzeuge von Flinkster nutzen. Deutschlandweit gibt es mehr als 2500 Stationen in 400 Städten und mehr als 4500 Fahrzeuge. In Springe können insgesamt vier Ford Fiestas und ein Opel Astra gemietet werden. Die Wagen sind am Rathaus, am Standort Zur Salzhaube und am Bahnhof geparkt. Die Parkplätze sind für die Autos reserviert.

Von Saskia Helmbrecht