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Springe Springer informieren sich über Südlink
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Springer informieren sich über Südlink

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18:28 15.05.2019
Baustelle im Mini-Format: An einem Modell können sich Besucher des Infomarkts über die Verlegung der Südlink-Kabel informieren. Quelle: Fotos
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Wenn ein Unternehmen irgendwo einen Infotisch aufbaut, tauchen sie wie von Zauberhand auf: Gummibärchen, Kugelschreiber, Tragetaschen. Alles gratis. Das gilt auch, wenn das Unternehmen gar nichts verkaufen will, sondern erst mal informieren, aufklären, besänftigen, zuhören: Tennet hatte zum Infomarkt rund um die Megastromtrasse Südlink eingeladen. Beim Reinkommen ins Schulzentrum Nord an der Adolf-Reichwein-Straße wurde es am Dienstagabend erst mal lecker: Ein großes Schnittchen-Büfett war aufgebaut, es gab Gratisessen und Freigetränke. Die Atmosphäre in der kleinen Aula erinnerte an eine Ausbildungsbörse oder an eine kleine Wirtschaftsschau: Stände, Präsentationen, Broschüren, leise Gespräche, angeregte Diskussionen.

Gekommen waren vor allem die, die Konsequenzen befürchten, wenn der Südlink in einigen Jahren tatsächlich vorbei an Bennigsen, Eldagsen, Alferde verläuft: Landwirte, Naturschützer, Anwohner. Sie informierten sich an Modellen, die die Verlegung der Leitungen zeigen. Diskutierten vor digitalen Karten des Korridors, der momentan noch einen Kilometer breit eingezeichnet ist, am Ende aber auf 35 Meter oder weniger zusammenschrumpfen wird. „Ich will wissen, was das für den Boden bedeutet, wie er sich erwärmt“, sagt eine Landwirtin.

Bernd Gallas vom Springer Naturschutzbund diskutiert nebenan mit einer Tennet-Mitarbeiterin über das Naturschutzgebiet Ziegeunerwäldchen bei Eldagsen. Momentan führt der Planungskorridor direkt am Rand der Fläche vorbei – wie eng es später wird, ist noch unklar. „Das Problem sind die Bauarbeiten“, sagt Gallas. Wie betreffen sie das Gebiet? Und: Verbaut der Südlink im wahrsten Sinne des Wortes die Chance, das Ziegeunerwäldchen um eingeplante Erweiterungsflächen im Süden zu vergrößern?

Infomarkt statt Fragestunde

Das Tennet-Team bemühte sich um die Besucher, gab geduldig und freundlich Antworten: Trassenverlauf, Bauweise, Auswirkungen. Referentin Elisabeth Benecke freute sich über die ruhige Atmosphäre – ein Grund, um das Infomarkt-Format zu wählen: Zu Beginn habe man auch mit klassischen Vorträgen und Fragestunden gearbeitet, sagte sie. Doch dabei seien viele einzelne und sehr individuelle Anliegen unter den Tisch gefallen. Nun könne jeder gezielt den Experten ansteuern, den er brauche. „Natürlich schimpft auch mal jemand", sagt Benecke. Gerade in Ortschaften, in denen es schon ICE-Trassen, Autobahnen, große Umspannwerke gebe, werde der Südlink natürlich noch kritischer beäugt.

Das Thema Entschädigung für betroffene Grundstückseigentümer (oft Landwirte) sei dagegen weniger häufig ein Thema: „Wir machen den Leuten klar, dass das der Gesetzgeber regeln muss, nicht wir“, sagte Benecke, während sie vor dem Baustellenmodell steht, das mit Mini-Bäumen und -Fahrzeugen an eine Modelleisenbahn erinnert. Dort sah man, wie die Kabel tatsächlich verlegt werden sollen.

Bleibt es bei den geplanten 320-kV-Kabeln, gibt es vier Gräben mit je zwei Leitungen. Bis zum Sommer, sagte Benecke, solle sich entscheiden, ob man stattdessen 525-kV-Leitungen nutze: Dann käme man auch bei Springe mit zwei Gräben à zwei Leitungen aus – und einem deutlich schmaleren Streifen: 15 statt 35 Meter, schätzte sie.

Bereits ab 16.30 Uhr hatten Benecke und Kollegen die Vertreter des Rats der Stadt in einem Nebenzimmer über das Südlink-Verfahren informiert. Zwei Stunden später endete das Gespräch, auch Bürgermeister Christian Springfeld kam nun beim Infomarkt vorbei. Tennet habe sich bislang sehr transparent präsentiert, auf alle Fragen habe es eine Antwort gegeben: „Man merkt, dass man es mit Profis zu tun hat“, kommentiert der Bürgermeister. Dann startete er seinen Rundgang, vorbei am Tisch mit den Gummibärchen. Die kleinen Tütchen sind bedruckt mit einem großen Strommast.

Von Christian Zett