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Springer wegen zweifacher Körperverletzung verurteilt

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16:47 10.09.2019
Das Amtsgericht Hannover hat einen gewalttätigen jungen Mann bereits zum zweiten Mal vorgeladen. Letztes Mal platzte der Prozess, dieses Mal wurde er verurteilt. Quelle: picture-alliance/dpa
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Er hat innerhalb von drei Tagen zwei Männer heftig ins Gesicht geschlagen: Wegen Körperverletzung musste sich ein 20-Jähriger jetzt vor dem Jugendgericht am Amtsgericht verantworten. Mit ihm auf der Anklagebank saß ein 26-jähriger Springer. Beide sollen einen 31-Jährigen in der Springer Innenstadt geschlagen und mit einem Messer am Hals verletzt haben. Die Angeklagten und Zuschauer konnten den Gerichtssaal erst nach einer Einlasskontrolle betreten.

Bereits vor vier Monaten hatten die beiden jungen Springer wegen der Tatvorwürfe vor der Jugendrichterin gesessen. Damals war gegen den Dolmetscher des 31-jährigen Opfers ein Befangenheitsantrag vom Verteidiger des 20-Jährigen gestellt worden. Der Prozess platzte daraufhin. Diesmal kam die Jugendrichterin nach der rund viereinhalbstündigen Verhandlung zu einem Urteil: Im Fall der Messerattacke wurden die beiden Springer freigesprochen. „Der Freispruch erfolgt wegen der schlechten Beweislage“, betonte die Jugendrichterin.

Freispruch für die Messerattacke

Denn auch diesmal konnte das Opfer nicht als Zeuge vernommen werden. Zwar erschien der Mann vor Gericht und hatte diesmal auch einen anderen Dolmetscher an seiner Seite. Er hatte allerdings die Tat betreffend ein Auskunftsverweigerungsrecht. Darauf hatte wiederum der Verteidiger des 20-Jährigen das Gericht hingewiesen. Es drohe ihm sonst unter anderem die Gefahr einer Falschaussage, argumentierte der Anwalt. So viel aber sagte der Zeuge, der sich noch am Tattag mit Schnittwunden am Hals und Prellungen bei einem Arzt war und bei der Polizei Strafanzeige gestellt hatte, mit Blick auf den Vorfall: „Es war nur eine Kleinigkeit, wir haben uns vertragen, und ich habe den Leuten verziehen“. Nicht gehört werden konnte auch der zweite Zeuge, ein Schwager des Opfers, der aus der Justizvollzugsanstalt Hannover vorgeführt wurde. Auch für diesen Mann reklamierte der Verteidiger ein Auskunftsverweigerungsrecht, weil er damit wiederum den Schwager belasten könnte. Letztlich war der Mann aber ohnehin nicht in der Lage, etwas auszusagen. Er berichtet, dass er Marihuana konsumiert habe, und wurde daraufhin in die JVA zurückgebracht.

Passanten hart und unvermittelt geschlagen

Anders als im ersten Prozess vor vier Monaten, als er schwieg, räumte der 20-Jährige aber die beiden anderen Tatvorwürfe ein. So schlug er im Frühjahr 2018 einen Passanten völlig unvermittelt derart ins Gesicht, dass der einen Riss in der Lippe erlitt. Das Opfer hatte in der Menge gestanden, als in der Innenstadt ein Mensch zusammengebrochen war. „Er hat mich provoziert“, sagte der Angeklagte. Er nahm ihn in den Schwitzkasten und schlug zu. Und zwar heftig und völlig unvermittelt, wie ein Zeuge anschaulich berichtete. Wenige Tage darauf brach er zudem einem Auszubildenden aus Einbeck die Nase, weil er glaubte, er habe ihm am Wochenende zuvor Geld geklaut. „Ich war aber an dem Wochenende gar nicht in Springe“, so der junge Mann. „Sie haben ein großes Problem mit Impulskontrolle“, sagte die Jugendrichterin. Und begründete damit auch ihr Urteil: Der 20-Jährige muss an einem sechsmonatigen sozialen Trainingskurs teilnehmen sowie fünf Beratungstermine für seine berufliche Zukunft absolvieren. Zudem muss er 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

Von Anne Brinkmann-Thies