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Stillstand am Wertstoffhof in Springe

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18:14 29.12.2019
An der Situation auf dem Wertstoffhof in Springe soll sich erst einmal nichts ändern.
An der Situation auf dem Wertstoffhof in Springe soll sich erst einmal nichts ändern. Quelle: Foto: Saskia helmbrecht (Archiv)
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Wenn im Frühjahr im Garten Gras und Unkraut sprießen, dann werden sie wieder kommen, diese Tage, an denen sich die Autos bis fast zum Kreisel an der Osttangente zurückstauen und aufgrund riskanter Überholmanöver die Unfallgefahr an der B-217-Abfahrt steigt. An denen man stundenlang warten muss, bis man endlich beim Wertstoffhof angekommen ist. Doch von den vor anderthalb Jahren angestoßenen Verbesserungen ist nichts mehr übrig. Vor allem die CDU-Regionsfraktion ärgert das.

Sie hatte im Mai 2018 einen kleinen Krisengipfel angestoßen – weil gerade wieder der Andrang rund um das Gelände zu unhaltbaren Zuständen geführt hatte. Damals trafen sich Vertreter von Betreiber Aha, Politik und Stadt auf dem Wertstoffhof. Und gingen mit einem konkreten Maßnahmenpaket auseinander, dessen Umsetzung geprüft werden sollte.

Wichtigster Punkt: die Einrichtung einer weiteren Grüngutstelle in der Kernstadt. Speziell Rasenschnitt sollte hier angenommen werden – so wollte man den Wertstoffhof von einem Teil des Verkehrs entlasten. Denn Grün- und Rasenschnitt sind im Frühjahr regelmäßig verantwortlich für den besonders starken Andrang. Das zeigen Zahlen der Aha, die auf Lichtschranken-messungen und erfassten Containerleerungen beruhen.

Doch aus der Idee wurde nichts: Die Landwirte, die unter dem Dach des Maschinenrings die bestehenden Grüngutannahmen betreiben, hätten in der Kernstadt keinen Bauern gefunden, der bei sich eine weitere Annahmestelle schaffen wollte, teilt Entsorger Aha mit: „Auch die Gespräche mit der Stadt Springe brachten keinen vertretbaren Erfolg, sodass die Lage und Größe des Wertstoffhofes nicht verändert wird“, heißt es bei Aha weiter.

Die Stadt hatte ohnehin stets betont, sich an den Gesprächen zwar beteiligen zu wollen – selbst aber die Verantwortung für den Wertstoffhof und das Drumherum deutlich bei Aha gesehen.

Auch von der zweiten Idee ist man beim Entsorger inzwischen abgerückt: Geplant war eine Art Warnsystem, um Nutzern bei langen Autoschlangen rechtzeitig vor der Schließzeit per Schild oder Warnsystem zu signalisieren, wie viele Autos es noch zur Abgabestelle schaffen – und wer sich das Warten sparen kann. „Nach umfassender Prüfung“ habe man sich dagegen entschieden, so eine Aha-Sprecherin. Sie verweist stattdessen auf den Internetdienst Google Maps, bei dem die aktuelle Verkehrslage abrufbar sei. Das stimmt grundsätzlich auch – allerdings ist unklar, wie akkurat die Daten gerade bei kleineren Straßen sind. Und nach Recherchen dieser Zeitung liegen für den Bereich des Wertstoffhofs aktuell überhaupt keine Daten bei Google Maps vor – weder live noch als Langzeitwert.

Aha verweist außerdem auf „alternative Anliefermöglichkeiten in der Umgebung“ – wie etwa die Grüngutannahmen in mehreren Ortsteilen. Dort ist allerdings das Abliefern von Rasenschnitt untersagt. Nutzen könnten Springer aber auch die Wertstoffhöfe in Pattensen, Ronnenberg oder Gehrden – sowie die Sperrmüllabfuhr oder die Kompostierung im eigenen Garten: Dadurch entfielen „zahlreiche Transporte zum Wertstoffhof und von dort zur Kompostierungsanlage. Hierdurch kann die Umwelt nachhaltig geschont werden“, so die Aha.

Unmut löst die Situation bei der CDU aus, die die erhofften Änderungen 2018 angeschoben hatte: Man sei, so der abfallpolitische Sprecher Manfred Wenzel, zwar nicht an den direkten Gesprächen beteiligt gewesen – habe intern aber „bereits die Unzufriedenheit darüber angemerkt, dass es noch keine Lösung gibt“. Von Aha und Stadt erwarte man „weiterhin einen Lösungsvorschlag, der zur Entlastung des Wertstoffhofes führt“, so Wenzel. Ihm sei klar, dass solche Veränderungsprozesse sehr langwierig sein können. So habe es damals auf dem Wertstoffhof auf der Deponie Kolenfeld fast zwei Jahre gedauert, bis eine Lösung zur Optimierung umgesetzt worden sei.

Von Christian Zett