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Springe Weihnachtsgeschäft verläuft für Einzelhändler durchwachsen bis frustrierend
Umland Springe

Weihnachtsgeschäft in Springe verläuft für Einzelhändler enttäuschend

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19:28 30.12.2019
Wo bleibt der Ansturm? Selbst am vierten Adventssonnabend ist es in der Innenstadt in der Vormittags- und Mittagszeit leider leer. Quelle: Patricia Szabo
Springe

Eigentlich müsste es so kurz vor Heiligabend rappelvoll in der Springer Innenstadt sein. Aber die Zahl derjenigen, die zwischen Obern- und Niederntor mit vollen Einkaufstaschen von Laden zu Laden schlendern, ist überschaubar. Etliche Einzelhändler sprechen von einem „durchwachsenen“ Weihnachtsgeschäft, anderen kommt sogar das Wort „frustrierend“ über die Lippen. Es läuft nicht so, wie es laufen sollte in den wichtigsten Tagen des Jahres.

An gute alte Zeiten anknüpfen können vor allem die, die Bücher, Wäsche oder Kosmetik anbieten. Beim Traditionshaus Weibke etwa sind zufriedene Gesichter zu sehen. „Bei uns geht ziemlich alles als Weihnachtsgeschenk durch“, meint Christiane Kubitza, die gemeinsam mit ihrer Schwester Ulrike Bormann das Geschäft leitet. Im Minutentakt kommen am vierten Adventssamstag Kunden durch die Tür und schauen sich um. Über den Tresen gehen vor allem Saunatücher, Kuschelsocken, Nachtwäsche, Wolldecken, Taschen und auch Reisegepäck. Ebenfalls beliebt: „Die Tassen mit weihnachtlichen Motiven sind schon fast ausverkauft.“

Keine Verkaufstrends zu erkennen

Geschäftig geht es auch in der Buchhandlung am Nordwall zu. Inhaberin Karin Callegari eilt zwischen Kunden und den Bücherregalen hin und her. Sie könne keine Verkaufstrends ausmachen, sagt Callegari: „Wir verkaufen gerade alles.“

Der Chef der Werbegemeinschaft WIR und Inhaber der Alten Deister-Apotheke am Marktplatz,Wilko Struckmann, bezeichnet Gutscheine als Renner des Jahres. Damit könnten die Empfänger nämlich selber aussuchen, was ihnen gefällt. Auch Apotheken würden mehr und mehr zu einer Geschenkfundgrube: „Beliebt ist alles um das Thema Prävention sowie hochwertige Kosmetik.“ Dahinter stecke wohl auch die Erkenntnis, dass man eine Menge tun könne, um gesund zu bleiben.

Dass es an den Tagen, an denen in früheren Jahrzehnten bei allen Einzelhändlern die Kassen lautstark klingelten, ruhiger geworden sei, bedauert der WIR-Vorsitzende. Viele Kollegen, sagt er, hielten sich inzwischen zu ihren Verkaufszahlen bedeckt.

Nicht nur der Onlinehandel ist schuld

Den Wandel führt er nicht nur auf den stark gewachsenen Onlinehandel zurück. Er treffe auch auf immer mehr Kunden, die gesättigt seien und die Zahl der Geschenke stark reduziert hätten, meint Struckmann.

Zu denen, die am Sonnabend eine eher verhaltene Bilanz zogen, gehört Petra Böttcher von der Goldgrube – einem der klassischen Geschäfte für schöne Mitbringsel. Es sei deutlich ruhiger als in den Vorjahren. Am besten würden sich Tee und kleine Geschenke verkaufen, weiß die Inhaberin. „Viele Menschen entscheiden sich, nichts mehr zu schenken. Und auch insgesamt wird weniger Geld ausgegeben.“

Auch der Modespezialist Erhardt Bormann spricht von einem eher schleppenden Weihnachtsgeschäft. Das stimmt ihn durchaus nachdenklich: Wenn alle im Internet bestellten und irgendwann nach und nach alle Geschäfte in der Innenstadt schlössen, werde sich der Kunde wundern, meinte der Herrenausstatter.

Essen wird gern verschenkt

Zu den Gewinnern des neuen Einkaufsverhaltens könnte das E-Center an der Osttangente gehören. „Essen wird sehr gerne verschenkt“, sagt Marina Meyer, die am Sonnabend an der Servicekasse unzählige Geschenkkörbe in Folie einschlug. „Wir verkaufen derzeit aber auch ganz viele Spiele.“

Ebenso voll wie auf dem E-Center-Parkplatz war es am Sonnabend auf den Parkplätzen an den Bahnhöfen – und in den S-Bahnen Richtung Hannover. Die Geschäfte in der Landeshauptstadt machten auf den letzten Metern vor Weihnachten deutliche bessere Umsätze. Die Hoffnung etlicher heimischer Einzelhändler: Auf der Zielgeraden könnten sich zahlreiche Kunden auch noch in der Springer Innenstadt mit letzten Geschenken eindecken.

Von Patricia Szabo