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Umland Demonstranten stören Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf
Umland Demonstranten stören Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf
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22:39 14.08.2010
Angekettet: Gegendemonstranten in Bad Nenndorf versuchten am Sonnabendnachmittag, den Demonstrationszug der Rechten zu verhindern. Quelle: dpa
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Mit Aktionen und spontanen Sitzblockaden haben Gegendemonstranten am Sonnabend einen Aufmarsch von Neonazis in Bad Nenndorf gestört. Die Rechten starteten mit deutlicher Verspätung zu ihrem „Trauermarsch“, am Abend hatten die meisten der rund 900 Neonazis den Kurort wieder verlassen. Nach Polizeiangaben kam es zu keinen größeren Zwischenfällen. 2000 Beamte waren im Einsatz. Zur Gegendemonstration unter dem Motto „Bad Nenndorf ist bunt“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) kamen am Vormittag mehr als 1200 Teilnehmer.

Am Mittag gelang es einer Gruppe, mit einem Kleinbus samt Anhänger hinter die Polizeiabsperrung zu fahren und eine etwa 1,30 Meter hohe Betonpyramide abzuladen. An diese ketteten sich vier Menschen, etwa 100 Meter vom geplanten Kundgebungsort der Rechten - dem Wincklerbad - entfernt. Die Neonazis möchten diesen Ort zu einer Art Wallfahrtsstätte machen. Im Wincklerbad hatte die britische Besatzungsmacht von 1945 bis 1947 ein Verhörzentrum eingerichtet, in dem etliche Häftlinge misshandelt wurden. Die Briten selbst deckten die Folterungen auf und schlossen das Zentrum wieder.

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Der „Trauermarsch“ der Neonazis setzte sich am Nachmittag in Bewegung. „Ihr könnt nach Hause gehen“, sangen etliche Gegendemonstranten, als die Rechten an ihnen vorbeiliefen. Beamte schirmten die vier Festgeketteten ab und führten den Aufmarsch an der Betonpyramide vorbei. Rund 30 Einwohner des Kurorts unterstützten die Angeketteten: Sie kamen spontan zu einer Sitzblockade zusammen und sangen Friedenslieder. Etliche Zuschauer klatschten laut Beifall.

Mehrfach kam es zu weiteren Sitzblockaden der Gegendemonstranten entlang der geplanten Marschroute der Rechten. Nach mehrmaliger Aufforderung durch die Polizei erhoben sich die Teilnehmer aber von der Straße. Mit zahlreichen Luftballons, Transparenten und bunten Stoffen an Hauswänden und Zäunen protestierten die Einwohner gegen den rechten Aufmarsch. Auch das Wincklerbad war mit vielen Fahnen und Transparenten geschmückt. Die Gegenkundgebung des DGB war war erst am Freitagabend vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg erlaubt worden, nachdem das Verwaltungsgericht Hannover sie verboten hatte. Den Aufmarsch der Rechten in dem Kurort hatten die Hannoveraner Richter jedoch erlaubt. „Kirchenverbände und Gewerkschaften werden behandelt wie die Aussätzigen, das ist ein Skandal“, sagte der DGB-Regionsvorsitzende Sebastian Wertmüller.

dpa

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