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Umland Der Wahlkampf geht in die heiße Phase
Umland Der Wahlkampf geht in die heiße Phase
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00:17 21.05.2014
Von Gunnar Menkens
Herausforderer Axel Brockmann (links) und der amtierende Regionspräsident Hauke Jagau (Bild li.) auf Wahlkampftour. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Burgwedel heißt die Gemeinde, in der so lange die CDU regierte, dass manche Leute spotteten, Kaffee gebe es hier nur noch schwarz. Aber jetzt kommt Hauke Jagau an den SPD-Stand auf dem Wochenmarkt, aufgebaut vorm Käsewagen und dem Anhänger mit Wurstspezialitäten. Jagau trägt eine Umhängetasche mit „Jagau“-Aufdruck, er ist bester Dinge. Er greift sich eine Plastiktüte Kugelschreiber, bevor er loszieht. „Gute Informationen von kompetenter Stelle, das gibt’s im Wahlkampf nicht so oft“, sagt Jagau in die heitere Runde. Er grinst, obwohl man vermuten darf, dass er das nicht als Scherz meint. Das Thema von Hauke Jagau in diesem Wahlkampf ist ja auch, dass er, Jagau, Ahnung habe wie kein anderer Bewerber.

Das Thema

Weitere Berichte und Hintergründe zur Wahl des Regionspräsidenten finden Sie auf unserer Themenseite.

Der Sozialdemokrat, 52 Jahre alt, ist seit knapp acht Jahren Präsident der Region Hannover und damit Chef einer Verwaltung, die viele übergeordnete Dinge regelt, damit zivilisiertes Leben möglich ist. Müllabfuhr, Üstra und Kliniken zählen dazu. Jagau steht deshalb auch in der Pflicht, wenn in Betrieben der Region Dinge passieren, mit denen Bürger nicht einverstanden sind. Zum Beispiel den neuen Abfallgebühren. Barbara Hölterhoff hat eben eine Tüte Äpfel gekauft, nun sieht sie Jagau Flyer verteilen. „Ich trenne Müll wahnsinnig sorgfältig“, erzählt sie, trotzdem werde nun alles viel teurer, und sie muss mehr Säcke kaufen, als sie braucht. Sie findet, dass so etwas schwer zu verstehen ist.

Jagau zeigt Verständnis. Die neue Gebührenstaffel sei „überhaupt keine Verbesserung“, es gebe keine individuelle Gerechtigkeit, aber die Region habe nach einem Gerichtsurteil eine neue Satzung vorlegen müssen. 34 verschiedene Modelle habe man durchgerechnet. Dann kommt der Satz für den Wahlkampf. „Keiner in der Regionsversammlung hat übrigens einen besseren Vorschlag gemacht.“ Das zielt besonders gegen die Union, die seit Monaten gegen die neuen Tarife wettert und damit ihrerseits auf empörte Eigenheimbesitzer zielt. Ob Barbara Hölterhoff zufrieden ist mit der Antwort, bleibt offen. Jetzt muss sie nur noch zu Hause gestehen, dass sie mit Jagau gesprochen hat. „Mein Mann wird Zustände kriegen“, sagt sie, was sich ein bisschen nach dem Burgwedel anhört, wo der Kaffee nur schwarz getrunken wird.

Jagau kämpft, auch bei dem Ehepaar, das ihm vorhält, früher wäre alles besser gewesen mit dem Müll. Der Tonfall ist deutlich strenger als der von Frau Hölterhoff. Jagau verändert seine Stellung. Breitbeinig steht er jetzt da, die rechte Hand in die Hüfte gestützt, mit der Linken setzt er Punkte in die Luft. „Ja, verstehen Sie denn nicht?“, fragt er ein Ehepaar, als deren Argumentation nicht recht zusammenpassen will. Aber Jagaus Welt und diejenige dieser Passanten, sie finden an diesem Tag nicht zueinander. Am SPD-Stand wundert sich ein Genosse: Müll sei bisher eigentlich nie ein Thema gewesen im Wahlkampf.

Das müsste man mal dem CDU-Kandidaten sagen, der erzählt das Gegenteil. Am Rand von Ingeln, besser bekannt als Ingeln-Oesselse, steht der frühere Polizeipräsident Axel Brockmann, 49, vorm Nahversorger Edeka. Links am CDU-Stand fertigt eine Christdemokratin aus blauen Gummis Luftballons, bis der Aufdruck „Axel Brockmann“ zu voller Größe wächst. Rechts bietet der Supermarkt das Blumenampelmodell „Beet und Balkon“ für 5,99 Euro an. Ein Stück weiter gibt es Hähnchen mit Pommes. Autos parken ein und aus. In der Ferne ragt aus Bäumen der örtliche Kirchturm in den grauen Himmel.

Brockmann will Regionspräsident werden, der neue Jagau, doch dieser Termin hier am Rand der Kreisstraße 266 bringt ihn möglicherweise nicht voran. Er versucht, Flyer mit politischen Aussagen samt Konterfei zu verteilen, Schokopralinen dienen als Lockmittel. Der Kandidat spricht Kunden an, sehr freundlich, sehr zurückgenommen. Aber das Interesse an politischen Aussagen hält sich in Grenzen. Ein Erfolg ist es schon, wenn Kunden ein Faltblatt mitnehmen, viele sagen lieber „Danke, keine Zeit“. Keiner hat Fragen. Nicht zur Region, nicht zu Europa, nicht über Laatzen, dabei steht vorm Supermarkt auch Jürgen Köhne, der Bürgermeister werden will. Später, im spitzgiebeligen Einfamilienhausgebiet, läuft es besser.

Sehr viele Politiker auf einmal wollen am 25. Mai gewählt werden, das machen Einkäufern die aufgebauten Plakatstellwände gleich vorm Supermarkt deutlich. Brockmanns Bild hängt da, Köhnes Porträt und auch noch das Gesicht von Burkhard Balz, dem Europakandidaten der Union. Manche überfordert das. Als Brockmann einem Mann mit Einkaufswagen voller Wasserflaschen erklärt, dass er Regionspräsident werden wolle, sagt der: „Ich komme aber aus Hannover.“ Was ihn nicht hindern würde zu wählen. Sehr oft, sagt Brockmann später, erlebe er, dass es eine große Unkenntnis gebe über die Region und ihren Präsidenten. Er macht den Amtsinhaber dafür verantwortlich. „Das ist eine schwache Leistung von Herrn Jagau.“

Wo er auftritt, spricht er von „Müllchaos“

Die Ausgangslage für Axel Brockmann, den parteilosen Herausforderer, der für die CDU antritt, ist nicht einmal schlecht. Über die neuen Müllgebühren hat sich Unmut aufgestaut, wie es ihn in der Regionsgeschichte noch nicht gegeben hat, mehr als 7000 Klagen liegen inzwischen beim Verwaltungsgericht. Brockmann nährt das Feuer. Wo er auftritt, spricht er von „Müllchaos“.

Die Bewerbung des früheren hannoverschen Polizeichefs erinnert ein wenig an den Versuch von Rechtsanwalt Matthias Waldraff, Rathauschef in Hannover zu werden. Beide kamen als Seiteneinsteiger in die Politik, mit sozialdemokratischen Gegnern, die politische Erfahrungen und das Wissen ihres Verwaltungsapparates in die Waagschale werfen konnten. Waldraff brachte es bis in die Stichwahl, ähnlich wie Brockmann unterstellte er in seinem Feldzug eine wachsende Distanz zwischen Bürgern und Regierenden. Und Waldraff wie Brockmann verdanken ihre Kandidaturen letztlich der Landtagswahl vom Januar 2013. Waldraff trat an, weil die CDU die Regierungsmehrheit verlor.

Ein voller Saal in Garbsen. Friedrich Merz ist angekündigt, der Mann, der einmal das Bonmot prägte, Steuererklärungen müssten auf einen Bierdeckel passen. Aber vorher redet Axel Brockmann. Über das Müllchaos, über Alkohol, der enthemmt, und Jagaus Flucht aus der Verantwortung. Die Worte fließen in einem gleichförmiger Strom dahin, den Sätzen fehlt eine rechte Akzentuierung, auch könnte eine Prise Witz und Schärfe Zuhörern guttun. Als Merz spricht, spürt man, dass Brockmann in der Welt der Marktplatzpolitik ein Lernender ist. Der Kandidat hat sich mit Fleiß in Themen eingearbeitet, er kann lange darüber reden. Nur der prägnante Merz’sche Bierdeckel, der fehlt.

Ob Wähler sich indes für den Stil von Vorträgen interessieren, ist eine andere Frage. Dass Wechsel möglich sind, hat die Union am eigenen Leib zu spüren bekommen. Burgwedel, jahrzehntelang von der Dynastie Hoppenstedt regiert, hat nun einen Bürgermeister von der SPD.

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