Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Umland Hier gilt in der Region bald die LKW-Maut
Umland Hier gilt in der Region bald die LKW-Maut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 23.05.2015
Von Mathias Klein
Ein gewohntes Bild für Brummifahrer – doch künftig werden auch die kleineren 7,5-Tonnen-Transporter mautpflichtig.  Quelle: Toll Collect
Anzeige
Hannover

Es waren keine guten Nachrichten, die in einem fensterlosen Raum auf dem Gelände eines Autohändlers in Langenhagen verkündet wurden, findet Jans-Paul Ernsting. „Die ganze Sache ist völlig überzogen.“ Er ist sauer über die Neuregelung zur Lkw-Maut. „Das sind nicht die Fahrzeuge, die unsere Straßen kaputtmachen“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover. Es geht um die Mautpflicht für Lastwagen ab 7,5 Tonnen, die ab dem 1. Oktober gilt. Bisher müssen Lastwagen erst ab einem zulässigen Gesamtgewicht von 12 Tonnen die Maut zahlen. Noch sind von der Maut in erster Linie Speditionen und Lieferfirmen betroffen. Künftig werden auch kleine Unternehmen wie Handwerksbetriebe zur Kasse gebeten. Nach Angaben von Ernsting betrifft die Ausweitung der Maut vor allem Bau- und Ausbaubetriebe, aber auch Firmen im Metallbereich sind betroffen. Zudem sind unter anderem auch größere Bäckereien und Gartenbaubetriebe mit Fahrzeugen zwischen 7,5 und 12 Tonnen unterwegs. Wie viele Betriebe in der Region Hannover die neue Maut zahlen müssen, kann Ernsting nicht sagen.

Und es gibt noch eine zweite Änderung bei der Maut. Schon ab dem 1. Juli wird die Abgabepflicht auf weitere Bundesstraßen ausgeweitet. In der Region Hannover sind davon rund 90 Kilometer betroffen - wenn man die in benachbarte Landkreise hereinragenden Strecken mitberechnet. Das längste Stück ist der Abschnitt auf der Bundesstraße 6 zwischen dem Deisterkreisel und Marklohe (Kreis Nienburg), allein 55 Kilometer werden hier mautpflichtig. Betroffen sind außerdem die B 6 zwischen Laatzen-Gleidingen und dem Abzweig nach Ahrbergen (Kreis Hildesheim), die B 217 zwischen Wennigsen Steinkrug und Springe-Deisterpforte, die B 65 zwischen dem Landwehrkreisel und Empelde, ein Abschnitt der B 52 in Langenhagen sowie die B 3 zwischen Ehlershausen und Nienhorst (Kreis Celle). Schon jetzt sind - neben allen Autobahnen - der Südschnellweg zwischen Landwehrkreisel und Autobahnanschlussstelle Anderten sowie der Messeschnellweg zwischen Gleidingen und der Anschlussstelle Misburg mautpflichtig.

Anzeige

Die Berechnung der Maut ist kompliziert, weil diese nicht nur von der Zahl der Achsen des Lastwagens sondern auch von der Schadstoffklasse abhängt. Die Experten erwarten, dass die meisten der Lastwagen ab 7,5 Tonnen in eine der mittleren Schadstoffklassen fallen. In der Schadstoffklasse D würden zum Beispiel 14,4 Cent pro Kilometer fällig. Wenn die Firma mit dem 7,5-Tonner und einer Ladung Pflastersteine zum Kunden beispielsweise auf dem Hin- und Rückweg insgesamt 50 Kilometer auf mautpflichtigen Straßen unterwegs ist, bedeutet das eine Mautgebühr von 7 Euro. Kommt der Gartenbaubetrieb zusätzlich mit Gartenerde auf einem einachsigen Anhänger, kostet das den Unternehmer 8,80 Euro.

„Die Mautgebühr zahlt am Ende der Kunde mit seiner Handwerkerrechnung“, sagt Ernsting. Natürlich werde der Betrieb den zusätzlichen Kostenaufwand weitergeben. Ernsting sieht noch ein anderes Problem. „Mit der Maut wird in den Betrieben auch mehr Bürokratie produziert“, prognostiziert er. Denn längst nicht für jedes Fahrzeug lohnten sich die Kosten für den Einbau des kleinen Geräts, das die gefahrene Mautstrecke direkt an das Unternehmen Toll Collect meldet. Toll Collect kassiert die Gebühr im Auftrag des Bundes.

So kassiert Toll Collect

Seit dem Jahr 2005 wird von Lastwagen ab 12 Tonnen für jede Fahrt auf deutschen Autobahnen eine Benutzungsgebühr pro Kilometer fällig. Die Gebühr wird nach dem Schadstoffausstoß des Fahrzeugs und der Anzahl der Achsen berechnet. Sie reicht von 8,1 Cent pro Kilometer bis zu 21,8 Cent. Bei 90 Prozent der Lastwagen wird die Gebühr über ein in den Fahrzeugen eingebautes Erfassungsgerät von der Größe eines Autoradios automatisch per Satellit und Mobilfunk an die Mautfirma Toll Collect, eine Tochterfirma von Daimler und der Deutschen Telekom gemeldet. Die Geräte werden von Toll Collect kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Einbau – die Kosten liegen zwischen 60 und 300 Euro – muss der Halter des Lastwagens zahlen.

Wer sich das Gerät nicht einbauen lassen will, kann seine Lastwagenfahrten im Voraus über eines der Terminals, die an einigen Tankstellen stehen, oder im Internet buchen. Im vergangenen Jahr hat der Bund 4,4 Milliarden Euro aus der Lkw-Maut eingetrieben. Experten beklagen, dass nur ein Teil davon in die Finanzierung des Straßennetzes fließt.

Die Einnahmen sollen eigentlich komplett der Sanierung und dem Ausbau des Straßennetzes zugutekommen. „Wenn das so ist, dann ist auch eine Ausweitung auf zusätzliche Bundesstraßenabschnitte und die Ausweitung auf 7,5-Tonner positiv zu sehen“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hannover, Christian Bebek. Bisher sei es allerdings so, dass nur die Hälfte des Geldes in die Straßeninfrastruktur fließe.

Bei der gestrigen Vorstellung der Mautpläne für die Region, kündigte ein Sprecher des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) an, die Einhaltung der Mautpflicht bei den 7,5-Tonnern und auch auf den neuen Strecken zu kontrollieren. Das machen die Mitarbeiter des BAG unter anderem von Brücken, die über die mautpflichtigen Strecken gebaut werden. Dort werden Lesegeräte aufgestellt, die in Sekundenschnelle über das Kennzeichen feststellen, ob der Wagen Mautgebühr bezahlt hat. „In früheren Jahren gab es häufiger Brückenhüpfer“, berichtet der Sprecher. Das waren Lastwagenfahrer, die die Kontrollbrücken von Toll Collect über Bundes- oder Landesstraßen umfahren haben, erzählt er. Deren Zahl habe jedoch stark abgenommen. Die Kontrollen seien einfach besser geworden. Jetzt können sich die Mitarbeiter des Bundesamtes auch in einen Wagen auf einem Parkplatz an der Straße stellen und von dort die vorbeifahrenden Lastwagen automatisch kontrollieren.

Die Ausweitung auf 7,5-Tonner und zusätzliche Bundesstraßen sind nicht die einzigen Neuregelungen der Maut. Der Geschäftsführer des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe, Gerhard Ibrügger, hat noch auf eine andere Änderung hingewiesen, die die maroden Straßen in der Region noch stärker beschädigen könnte, als sie es ohnehin schon sind: Künftig zahlt ein Spediteur für einen Lastwagengespann mit Anhänger (mit vier Achsen) deutlich weniger Gebühr als für einen Sattelschlepper (mit fünf Achsen). „Weil sich das Gewicht des Lastwagens auf weniger Achsen verteilt, werden die Straßen deutlich stärker belastet“, sagt Ibrügger. Gute Nachrichten hören sich anders an.

Andreas Schinkel 19.05.2015
Umland Zeitweise Vollsperrung - Langer Stau nach Unfall auf A2
10.05.2015
09.05.2015